Theaterrezension

Eine Oma als Seiltänzerin

Erinnern Sie sich noch an den Duft von Zirkus? Es riecht nach nassem, plattgelatschten Gras, nach Tieren und nach Mist, nach Gummi und nach Popcorn. Was aber, wenn die eigene Oma mit einem Zirkus mitgegangen und plötzlich einfach nicht mehr da ist?
Szene aus "Die Seiltänzerin"
Szene aus "Die Seiltänzerin"

Esme, die siebenjährige Protagonistin, fährt wie jedes Jahr zu ihren Großeltern ans Meer. Dabei ist jedes Jahr etwas anders. Sie verändert sich von Jahr zu Jahr, ebenso ihre Familie und die Großeltern. Als sie jetzt bei ihrem Großvater ankommt, ist die Oma nicht da. Das Haus der Großeltern am Meer gleicht auf der Bühne einem kleinen Fischerhaus, mit Öljacken, Klappstühlen und allem, was ein Haus so braucht. Und egal wo Esme sucht, sie findet ihre Oma nirgendwo. Weder im Haus, noch im Garten. Denn ihre Großmutter ist verstorben. Der Großvater möchte das Esme aber nicht erzählen und sagt dann, die Oma sei zum Zirkus gegangen, als Seiltänzerin. Aber die kleine Esme stößt immer wieder auf Ungereimtheiten, die sie am geplanten Abschied ihrer Oma zum Zirkus zweifeln lassen.

Brille, Kochbuch und Schirm

Ohne diese Dinge ist Oma Queenie eigentlich nie aus dem Haus gegangen, sie braucht diese Dinge einfach zum täglichen Leben. Und all diese Sachen findet Esme nach und nach im Haus ihrer Großeltern. Auch sonst fallen ihr immer wieder Veränderungen auf. Zum Beispiel muss sie ihrem Opa erst erklären, dass er ihr eine Gutenacht-Geschichte erzählen muss, oder wie man ihren Kinderpudding kocht.

Ihr kommt die Zirkusgeschichte schon sehr seltsam vor. Schließlich bittet sie dann ihren Großvater, mit ihr in den Zirkus zu gehen, der gerade in der Stadt ist. Der streubt sich zuerst dagegen, willigt aber schließlich ein. Als Esme dann im Zirkus die Seiltänzerin sieht, versteht sie, dass ihre Großmutter nicht wiederkommen wird.

Tod und Erinnerung

Diese Erzählung um den Tod der Oma wird darstellerisch sehr leicht vermittelt. Das wird dadurch unterstützt, dass sie in eine Rahmengeschichte eingebettet ist. Da räumt die erwachsene Esme zusammen mit ihrem Freund das kleine Haus des Großvaters aus, nachdem auch der gestorben ist. Und währenddessen erzählt sie diese Kindheitserinnerungen. Während des Stückes wird auch immer wieder zwischen der Erinnerung und den erwachsenen Personen gewechselt. Dabei spielen die Puppen die Geschichte der Erinnerungen.

Besonders von Esmes Seite aus ist sowohl das Puppenkind, als auch die erwachsene Esme leicht und fröhlich gespielt. Beim Großvater ist das schwieriger. Denn er muss dem kleinen Mädchen verheimlichen und dann doch irgendwie sagen, dass seine Oma gestorben ist. Und auch diese Hin- und Hergerissenheit und gewisse Verzweiflung ist im Spiel deutlich zu merken.

Reden wir mal...

Mit den Kindern oder anderen über das gesehen Stück zu sprechen, ist sicherlich empfehlenswert. Denn es bleibt trotz der Leichtigkeit ein ziemlicher Kloß im Hals zurück. Nichtsdestoweniger trotz ist das Thema Tod für Kinder gut dargestellt und aufgearbeitet. Auch da immer wieder kleine Einwürfe kommen, die eine zum Schmunzeln bringen, beispielsweise wenn Esme auf der Bühne Sand verteilt und dann beginnt, eine Sandburg zu bauen.

Was etwas anstrengend war, war der Wechsel zwischen Gegenwart und Erinnerung innerhalb des Spiels.

Das Stück war übrigens auch noch das Regiedebüt einer der Schauspielerinnen des Theater der Jungen Welt, von Julia Sontag. Als solches ist es, besonders beim schweren Thema des Stückes, gut gelungen.

Den Beitrag zum Nachhören findet ihr hier:

Moderatorin Sophie Rauch im Gespräch mit Redakteurin Svenja Tschirner

Moderation: Sophie Rauch

Rezension zu "Die Seiltänzerin"
 

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Die nächsten Aufführungstermine im Theater der Jungen Welt: 01.12.2018, 16:00 Uhr; 02.12.2018, 15:00 Uhr; 03.12.2018, 10:00 Uhr