Politische Bildung

Eine "Mutige Reform" für mehr Demokratie

SPD-Landtagsabgeordneter Henning Homann fordert eine Reform der politischen Bildung an sächsischen Schulen. Wie diese genau aussehen soll, erklärt er im Interview.
Schule
Die politische Bildung an sächsischen Schulen soll reformiert werden.

Hier können Sie das komplette Interview mit Henning Homann von der SPD nachhören:

mephisto 97.6 Redakteurin im Gespräch mit Henning Homann von der SPD
2609 Politische Bildung

mephisto 97.6: Sie fordern, die politische Bildung in Sachsen zu reformieren, warum?

Henning Homann: Ich denke, wir sehen seit vielen Jahren in Sachsen eine Spreizung im Verständnis zwischen Politik und Bürgerinnen und Bürgern. Ohne Frage kann und muss Politik noch vieles besser machen, was Bürgernähe angeht.

Aber wir haben auch ganz oft das Problem, dass Bürgerinnen und Bürger nicht mehr verstehen, was wir eigentlich machen. Dass sie politische Abläufe nicht verstehen, dass die demokratischen Grundwerte in der Gesellschaft auf dem Rückmarsch sind. Politische Bildung kann und muss dabei ein Baustein von vielen sein, um wieder mehr Menschen für unsere Demokratie zu begeistern.

mephisto 97.6: Wie soll das passieren? Brauchen wir einen neuen Lehrplan, neue Fächer, bessere Ausbildung der Lehrer?

Henning Homann: Also es gibt ganz viele Maßnahmen. Deshalb ist es auch gut, dass hier die Expertenkommission beim Kultusministerium insgesamt 31 Vorschläge gemacht hat. Ich glaube wichtig ist es in den Schulen Raum für politische Diskussionen zu schaffen. Dazu muss man den Gemeinschaftskundeunterricht ausweiden. Also ab der siebten Klasse wäre das aus unserer Sicht spätestens der Fall.

Wir müssten aber auch zum Beispiel die Vertrauenslehrer stärken und es vor allem ermöglichen, dass Demokratie auch in der Schule erfahrbar bleibt oder wird. Zum Beispiel durch die Stärkung von Schülerräten, durch die Stärkung von Demokratieprojekten und demokratischen Entscheidungsprozessen in der Schule. Klar ist, das geht nicht ohne Lehrerinnen und Lehrer. Deshalb gehört auch dazu, den Lehrerinnen und Lehrern hier den Rücken zu stärken und sie besser auszustatten.

mephisto 97.6: Was wäre denn da der erste Schritt, um es in den Schulen umzusetzen?

Henning Homann: Wir brauchen jetzt einen klaren Fahrplan aus dem Kultusministerium. Hier ist die Kultusministerin in der Pflicht. Und wir müssen das im nächsten Schritt im Dialog mit den Lehrerinnen und Lehrern, den Schülerinnen und Schülern und den Eltern machen. Also es macht jetzt keinen Sinn zu glauben, man kann bessere demokratische Werte von oben verordnen. Das funktioniert nur im Dialog mit allen Beteiligten.

mephisto 97.6: Bildung ist ja Ländersache. Glauben Sie, dass bessere politische Bildung gerade in Sachsen notwendig ist?

Henning Homann: Ja auf jeden Fall. Vergleiche zwischen den Bundesländern zeigen, dass in keinem anderen Bundesland so wenig Politikunterricht, im weiteren Sinne, stattfindet wie in Sachsens Schulen und auch die Entwicklung der letzten Jahre in Sachsen, der Vormarsch von Neonazis und Rechtsextremisten, am Ende auch die Bundestagswahl und das erschreckende Ergebnis der AfD zeigen, dass es hier dringend mutige Reformen braucht.

 

Kommentieren