Berlinale 2018

Eine Glaubensfrage

Gestern Abend wurde feierlich und mit großem Staraufgebot die 68. Berlinale eröffnet. Eröffnungsfilm war in diesem Jahr "Isle of Dogs" von Regisseur Wes Anderson. Das erste Mal in der Geschichte des Festivals ein Animationsfilm zum Start.
Der 12-Jährige Atari ist auf der Suche nach seinem Hund.

Es ist eigentlich eine klassische Kennenlernfrage. Bist du eher ein Katzen- oder eher ein Hundemensch? Doch wer Wes Andersons Filme kennt, weiß, dass man sich aufs Klassische nicht verlassen kann. In „Isle of Dogs“ entspinnt sich aus dieser elementaren Glaubensfrage nämlich eine Geschichte, die den Zuschauer in die fiktive japanische Stadt Megasaki führt. Hier herrscht mit eisener Hand der Bürgermeister Kobayashi und der ist eindeutig ein Katzenmensch. Das geht bei ihm sogar soweit, dass er alle Hunde der Stadt auf eine nahegelegene Müll-Insel abschiebt, die Insel der Hunde. Als Begründung gibt er an, dass es ihm ganz einfach zu viele in Megasaki geworden sind und, dass sie mit ihrer Hundegrippe eine ernsthafte Gefahr für die Menschen dastellen.

Der Ziehsohn des Bürgermeisters, der 12-Jährige Atari Kobayashi ist aber ganz und garnicht einverstandenmit der Politik seines Vaters. Er vermisst seinen alten Hund und reist auf die Insel. Als er mit einem kleinen Flugzeug über der Insel abstürzt, wird er aufgenommen von einer Gruppe Hunde. Gemeinsam ziehen sie los und suchen auf der Insel nach Ataris ehemaligem Begleiter.

 

Was lange währt...

Vier Jahre ist es her, seit Wes Andersons letzter Film „Grand Budapest Hotel“ erschienen ist. Insgesamt 7 Jahre hat er an „Isle of Dogs“ gearbeitet. Geschuldet ist das mit Sicherheit auch dem Stop Motion Animationsverfahren. In dieser Technik werden ganze Sets und Puppen im Miniaturformat gebaut. Die Figuren werden dann Milimeter für Milimeter bewegt und immer wieder wird ein Foto gemacht. So entsteht in der Abfolge der Bilder ein flüssiger Film. Bereits bei Andersons „Der fantastische Mr. Fox“ griff er auf diese Technik zurück. Und „Isle of Dogs“ sieht sogar noch besser aus. Die Umgebungen sind detailreich und die Figuren bis ins kleinste Hundehaar hinein liebevoll gestaltet. Das japanische Setting ist stimmungsvoll eingefangen. Der Bildaufbau ist Anderson typisch auffällig oft in Symmetrie gehalten und voller Pastellfarben. Auch wenn „Isle of Dogs“ deutlich düsterer daherkommt, mit vielen grau und dunklen Blau Tönen. Für die Sprecherrollen greift Anderson auf viele Bekannte zurück. Bill Murray darf da natürlich ebenso wenig fehlen wie Edward Norton. Besonders ist hierbei, dass die meisten menschlichen Figuren von japanischen Sprechern in ihrer Landessprache gesprochen werden - ohne Untertitel.

Kein Kinderfilm

Wes Andersons andere Filme wie zum Beispiel „Grand Budapest Hotel“ oder auch „Moonrise Kingdom“ waren vor Allem von einer melancholischen Nostalgie getrieben, die das Publikum trotz schwacher bis nicht vorhandener Handlung mitriss. Dieses Konzept wird in „Isle of Dogs“ jetzt umgedreht. Hier steht das Abenteuer von Atari ganz klar im Mittelpunkt und wird auch konsequent durcherzählt. Auch gibt es eine klare Botschaft und Anderson ist dabei diesmal deutlich ernsthafter und auch politischer. Da geht es um populistische Anführer, die Ängste in der Bevölkerung schüren, Stimmung machen gegen eine bestimmte Gruppe, die für alles schlechte in der Welt verantwortlich gemacht wird. Da geht es um die Vertreibung dieser Gruppen und Festsetzung in kleinen Parzellen. Eine Problematik, die aktueller kaum sein könnte. Und auch wenn Anderson es vor 7 Jahren vielleicht garnicht beabsichtigt hat, ist „Isle of Dogs“ eine passende Fabel für das Jahr 2018. Und dennoch schafft es der Film leider nicht über diese Botschaft hinaus aus den Charakteren und ihren Handlungen heraus Spannung zu ziehen. Zwar wird versucht durch Rückblenden den Figuren ein Profil zu geben, doch bleiben sie zum Großteil unsympathisch und in ihren Handlungen besonders zum aufgesetzten Happy End hin nicht nachvollziehbar. Besonders der Protagonist Atari bietet als uneinsichtiges und stöckchenwerfendes Kind wenig Möglichkeit zur Einfühlung.

 

Unerwartet und doch passend

„Isle of Dogs“ ist am Ende ein sehenswerter Film geworden. Doch ist er alles andere als ein typischer Wes Anderson Film. Das Düstere, das Politische ist neu und mag sich thematisch, trotz seiner unbestrittenen Relevanz nicht so ganz in den Kanon einfügen lassen. Wer sich davon nicht beeindrucken lässt, erlebt einen wunderschön animierten, immerhin stilistisch typischen Wes Anderson Film mit einer hochaktueller Erzählung.

 

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Lennart Johannsen
16.02.2018 - 15:51
  Kultur

Wes Andersons "Isle of Dogs" läuft noch auf der Belinale und startet dann vorrausichtlich am 3. Mai dann auch regulär in den deutschen Kinos.