Komponistin Ethel Smyth

Eine Frau am Leipziger Konservatorium

England im Jahre 1877 - nach langem Bitten und Drängen bei den Eltern wird Ethel Smyth´s Wunsch endlich wahr: Sie darf nach Leipzig ziehen, um dort zu studieren. Als einzige Frau in einer Männerklasse wird sie das Komponieren erlernen.
EIn Notenblatt
Ethel Smyth komponierte Opern, Kammermusik und eine Messe.

Es ist Juli im Jahre 1877, die 19-jährige Engländerin Ethel Smyth ist auf dem Weg nach Leipzig, um dort das Komponieren zu lernen. Schon lange ist es ihr Wunsch, sich mit der Musik zu beschäftigen. Jedoch nicht nur das Klavier spielen oder der Gesang interessieren sie - nein, Ethel Smyth will selbst Stücke komponieren. Erst nach langem Drängen erlauben es die Eltern schließlich. Von nun an schreibt Smyth jeden Sonntag einen Brief an die Mutter, in welchen sie von ihren Fortschritten und dem Leben in Leipzig berichtet.

Meine liebe Mutter, die Reise verlief bisher erfolgreich. Heute Nacht fahren wir ohne Zwischenhalte direkt nach Leipzig. Dort werden wir morgen früh um etwa acht Uhr ankommen. Von dort werde ich wieder schreiben. Ich kann kaum realisieren, dass ich so nah an meinem Ziel bin.

Im 19. Jahrhundert ist vor allem den Männern vorbehalten zu studieren. Wagner, Brahms, Mendelssohn Bartholdy - Namen männlicher Komponisten, die bis heute sehr berühmt sind. Frauen spielten damals in der Musik, bis auf wenige Ausnahmen, kaum eine Rolle. So ist es auch für Ethel Smyth zunächst nicht leicht, sich gegen die Männerwelt zu behaupten. Ihr starkes Durchsetzungsvermögen ist der Grund, warum sie sich in Leipzig behaupten konnte, sagt Barbara Wiermann. Sie hat die Briefe gelesen, die die junge Frau regelmäßig nach Hause geschickt hat, und berichtet von ihrem ausgeprägtem Charakter:

Ethel Smyth war eine Frau mit unglaublichem Ehrgeiz, unglaublich breitem Interesse, offen für andere Menschen. Irgendwie auch eine schillernde Persönlichkeit. Ausgestattet mit einem sehr, sehr ausgeprägtem Selbstbewusstsein.

Ethel Smyth und die Kultur in Leipzig

Bereits nach einem Jahr verlässt Ethel Smyth das Konservatorium wieder. Sie wechselt in den Privatunterricht zu Heinrich von Herzogenberg. Er ist Mitbegründer des Leipziger Bachvereins und fördert Ethel Smyth gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth. Außerdem ermöglicht er es ihr in die höheren Kreise Leipzigs aufzusteigen: Durch ihn lernt sie zum Beispiel die Familie Brockhaus kennen. Außerdem nutzt Ethel jede sich ihr bietende Möglichkeit, um am kulturellen Leben der Stadt Leipzig teilzunehmen. Barbara Wiermann weiß:

Sie war regelmäßig im Gewandhaus, sie war regelmäßig im Theater. Sie war in der Oper. Sie hat das alles aufgesogen wie ein Schwamm. Und sie verkehrte auch in den entsprechenden Familien, wo viel Kammermusik gemacht wurde, wo viel gesungen wurde.

In Leipzig setzt sich Ethel Smyth vor allem mit der konservativen Musik auseinander. Sie schreibt erste eigene Stücke und orientiert sich dabei immer mehr an ihren Vorbildern Johannes Brahms und Clara Schumann. Dennoch verlässt sie die Stadt nach fünf Jahren und zieht nach Italien. Dort möchte sie die Möglichkeit nutzen, sich musikalisch noch weiter zu entfalten. Trotzdem verlässt sie die Faszination von Leipzig nie ganz: immer wieder kehrt sie zurück und besucht die Stadt auf ihren Reisen.

Eine Frau kämpft für ihr Recht

Zunächst konzentriert sich Ethel Smyth vor allem auf die Musik. Obwohl sie bereits in jungen Jahren ein sehr kritisches Rollenbewusstsein über ihre Position als Frau in einer von Männern dominierten Welt gehabt habe, wollte sie sich dadurch nicht von ihrer Musik ablenken lassen. Erst 1910 schließt sie sich in England der Frauenbewegung an. Dort kämpft sie mit den anderen Frauen um das Wahlrecht und wird schließlich auch verhaftet. Während dieser Zeit schreibt sie auch "the march of the women". Dieses Stück wird zur Hymne der Frauenbewegung.

Ethel Smyth, wie man sie heute sieht

Insgesamt hat Ethel Smyth sechs Opern geschrieben. Dazu eine große Messe und mehrere Lieder, sowie Kammermusik. Trotzdem ist sie im Repertoire großer Musikhäuser lange nicht vertreten gewesen. Laut Barbara Wiermann liegt das an einem Umbruch in der Musik Anfang des 20. Jahrhunderts. Ethel Smyth habe diesen Umbruch nicht nachvollzogen und wäre ihrer konservativen Musik treu geblieben. Ethel Smyth starb am 8. Mai 1944. Anlässlich ihres 70. Todestages veranstaltet die Hochschule für Musik und Theater Leipzig ein Gedenkkonzert, eine Ausstellung und eine Lesung. Außerdem werden die Briefe von Ethel Smyth aus ihrer Studienzeit in Leipzig vorgestellt.

Elisabeth Leisker über die Komponistin Ethel Smyth
Beitrag über Ethel Smyth

 

 

Ein Beitrag von Lisa Vordermeier zum 70. Todestag von Ethel Smyth
 
 

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Gedenkkonzert der Hochschule für Musik und Theater Leipzig für Ethel Smyth

8. Mai, 19.30 Uhr in der Grassistraße 8