Theaterrezension: Atlas

Eine Familiengeschichte

Eine Familie, die sich verliert und vielleicht wiederfindet, die sich verstecken muss und dennoch irgendwie weiterbesteht. Davon erzählt das Stück "Atlas", das in der Diskothek des Schauspiels uraufgeführt wurde.
"Atlas" in der Diskothek des Schauspiels
"Atlas" in der Diskothek des Schauspiels

„Atlas“ behandelt die Geschichte einer Familie, die ursprünglich aus Vietnam kommt. Erzählt wird sie in drei Strängen. Einmal die Geschichte der Großmutter auf der Flucht nach dem Fall von Saigon, dann die der Tochter als Gastarbeiterin in der DDR und schließlich die der Enkelin auf der Suche nach der Oma, zwecks einer Recherche über die Geflüchteten auf der Insel Pulau Bidong.

Dass es um eine vietnamesische Familie geht, wird von Anfang an deutlich, weil ein Großteil des Stückes untertitelt ist. Wenn auf Deutsch gesprochen wird, sind die Untertitel Vietnamesisch. Werden Vietnamesisch, Russisch oder weitere Sprachen gesprochen, sind die Untertitel deutsch. Den Sprachwechseln kann man dennoch gut folgen.

Störender ist, dass das Gesprochene teilweise mit Echos oder anderer Sprache unterlegt wird. Dadurch ist nicht alles verständlich.

Wechsel über Wechsel

Neben den Sprachen wird auch in der Zeit gewechselt. Diese spielt allgemein ein wichtiges Thema. Es wird viel über sie philosophiert, ebenso wie über Geschichte und Geschichten. Auch der Spielort wird immer wieder gewechselt. Denn es wird sowohl drinnen als auch draußen vor den Fenstern der Diskothek gespielt.

Durch die vielen Wechsel wirken diese wie ein Angelpunkt des Stückes. Sie zeigen auch, wie sich die verschiedenen Lebensgeschichten ändern. Es wird aber auch thematisiert, wie sich die Dinge und Situationen nicht ändern. So wurde bereits nach dem Fall von Saigon gesagt, nie wieder sollten Fliehende auf dem Meer ertrinken. In den letzten Jahren ertranken aber doch wieder Flüchtende.

Fazit

Das Stück "Atlas" zeigt schwere Kost. Es ist gleichzeitig philosophisch, wenn über die Zeit und Geschichte gesprochen wird, und bedrückend.

Darstellerisch ist es gut umgesetzt. Der Wechsel in den Spielorten, zwischen drinnen und draußen bringt einen neuen, sehr interessanten Aspekt in das Stück mit ein. Auch der Bogen, der von der Vergangenheit in die Gegenwart geschlagen wird, bereichert das Stück.

Der Beitrag zum Nachhören:

Moderator Til Schäbitz im Gespräch mit Theaterredakteurin Svenja Tschirner

Moderation: Til Schäbitz

Rezension zu "Atlas" in der Diskothek
 

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Svenja Tschirner
30.01.2019 - 15:03
  Kultur

"Atlas"

Premiere: 27. Januar 2019

Spielort: Diskothek im Schauspiel Leipzig

Regie: Philipp Preuss

Darstellende: Ellen Hellwig, Sophie Hottinger, Denis Petkovic, Marie Rathscheck

Aufführungstermine:

10. Februar 2019

23. Februar 2019