Kolumne

Eine Busfahrt, die ist lustig...

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Thomas Tasler über die Frage, warum keiner an den Fahrgast denkt?
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören findet ihr hier:

Die Kolumne von Thomas Tasler.
3011 Kolumne

Schön Käffchen trinken, dazu noch eine leckere Gulaschsuppe aus dem Bordbistro und wenn ich einmal dabei bin, warum nicht auch noch ein kleines Bierchen. Keine Frage, bequemer als mit der Bahn, lässt es sich auch heute kaum reisen. Ja gut, zugegeben.

Wenn man nach Chemnitz möchte, hält sich der Komfort in Grenzen und wirklich zügig sind die Züge da auch nicht unterwegs.

Aber immerhin, noch fahren die Züge zwischen den beiden sächsischen Großstädten ja. So selbstverständlich ist das nämlich nicht. Der Fernverkehr hat sich ja schon vor einigen Jahrzehnten aus Chemnitz verabschiedet. Und beim Nahverkehr wurde in den vergangenen Jahren eher der Rotstift angesetzt, als dass mal eine neue Schiene verlegt wurde.

Da müssten sich doch jetzt eigentlich alle freuen, dass nun ein Fernbusanbieter die Strecke zwischen Leipzig und Chemnitz bedienen will. Aber Pustekuchen, stattdessen gibt’s nur Zoff. Denn Fernbusse dürfen eigentlich nur auf Strecken fahren, für die man auf der Schiene länger als eine Stunde braucht. Weil man von Chemnitz nach Leipzig aber nur 59 Minuten braucht, gab es nun eine Sondergenehmigung für den Busbetreiber. Gegen die die Eisenbahner - natürlich - aus allen Rohren schießen.

Schade eigentlich, denn während sich Bus- und Bahnbetreiber nun wohl ein höchstrichterliches Duell liefern werden, bleibt einer auf der Strecke: der Fahrgast.

Dem ist es schnurzpiepegal, ob er nun mit dem Bus oder der Bahn an sein Ziel kommt – Hauptsache er kommt an. Doch das scheint wiederum den Verantwortlichen im sächsischen Landesamt für Straßenbau und Verkehr schnurzpiepegal zu sein. Anders ist das Agieren aus Dresden nicht zu interpretieren.

Denn die schlechte Bahnverbindung zwischen Chemnitz und Leipzig ist nicht erst seit gestern ein Politikum. Seit einer gefühlten Ewigkeit wird der zweigleisige Ausbau und eine Elektrifizierung der Trasse gefordert, doch passiert ist bislang - genau – nichts.

Nur ein solcher Ausbau der Strecke kann und wird die Situation für die Pendler entlasten. Ob da nun ein Bus die Strecke bedient, der fast genauso lang für die Fahrt nach Chemnitz benötigt wie die Bahn, ist völlig unwichtig. Denn diese Diskussion lenkt von der eigentlichen Frage ab:

Warum herrschen im sächsischen Nahverkehr noch immer Zustände, die schon zu Zeiten der Dampflokomotiven als rückständig galten?

Ich sitze vielleicht gern gemütlich im Bordbistro und lass die schöne Landschaft an mir vorbeiziehen. Aber wenn mich der Bus genauso schnell und pünktlich ans Ziel bringt, braucht sich der Freistaat Sachsen nicht wundern, wenn die Reisenden der Bahn den Rücken zukehren.

 

Kommentieren