Devin The Dude

Eine Begegnung der dopesten Art

Your favourite Rappers, favourite Rapper, Devin The Dude hat Leipzig die Ehre erwiesen. In der Gras-geschwängerten alten Damenhandschuhfabrik bin ich Zeuge eines verblüffend guten Konzertes geworden.
Devin The Dude
Devin The Dude

Frische Luft. Danach ist mir nach der gut einstündigen Devin The Dude-Experience, die ich grade hinter mir habe. Der Grund ist nicht, dass während der Show mindestens soviele Joints gebrannt haben, wie zahlende Besucher da waren. Nein, ich muss klarkommen und realisieren, dass der Devin hier im tiefsten Leipziger Westen grade eines der besten Rap-Konzerte gegeben hat, dass ich je miterleben durfte.

Der Lieblingsrapper deines Lieblingsrappers

Die alte Damenhandschuhfabrik ist voll, schon amtlich zugenebelt und in rotes Licht getaucht als die Underground-Legende Devin The Dude zu später Stunde die Bühne betritt. Allen, deren Hip-Hop-Know-How sich auf Deutschrap, Drake und Kendrick Lamar beschränkt, sei gesagt: Devin Copeland ist ein 47 Jahre alter Rapper aus Houston. Er war nie im Mainstream erfolgreich, genießt aber größte Achtung, sowohl in der Rapszene als auch bei der Fachpresse. Er hat mit den ganz großen - Snoop Dogg, Dr Dre., De La Soul -  zusammengearbeitet und bezeichnet sich selbst bescheiden als „your favorite rappers, favorite rapper.“ Außerdem ist er - jetzt wird’s elementar - ein großer Freund davon hochwertiges Marihuana in beachtlichen Mengen zu konsumieren - und darüber dann zu rappen.

Was mir so nicht klar war, ist wie die Kiffer-Koryphäe letzteres beherrscht. Jede Bewegung und jedes Wort des Künstlers auf der Bühne sind vollkommen geschmeidig und absolut gekonnt. Man spürt sofort, dass der Mann ein Meister seines Fachs ist. So wie die letzte Strophe des ersten Songs vollendet ist, greift sich „The Dude“ eine Tüte aus der ersten Reihe und zieht genüsslich über den ausklingenden Beat an seiner geliebten Mary Jane. Jubelstürme! Devin lacht. Er ist sowohl verzückt vom Publikum als von der Qualität der lokalen Betäubungsmittel. Letzteres wird er im Laufe der Show nicht müde zu betonen.

Devin The Dude
Devin The Dude

Nach ein paar charmanten Begrüßungsworten, dann die nächste Nummer: „Doobie Ashtray.“ Devin The Dude zelebriert den Song vom ersten bis zum letzten Ton durch. Der Typ hinter den Decks scheint nur obligatorisch die Beats abzufahren. Mehr Einsatz ist aber auch gar nicht notwendig, da Devin The Dude seine eigenen Worte so klingen lassen kann, als würden sie von Platte gescratched werden. Möglicherweise kennt man diese Technik von talentierten Beatboxern. Er beherrscht dieses Stilmittel ganz nebenbei in Perfektion und weiß es so pointiert einzusetzen, dass ich ihn nur ungläubig anstarren kann. Nachdem die Verse durchexerziert sind, jammed der Maestro mit seinem oralen Turntable einfach noch ein bisschen über das Instrumental, bis ein schelmisches Grinsen das Ende des Songs überstrahlt. Das ist virtuos - und noch längst nicht alles.

Ein demütiger Dude

Da Snoop Dogg und Andre 3000 heute Abend anscheinend was Anderes zu tun hatten, füllt Devin The Dude bei „What a Job“ die Laufzeit des Songs auf, indem er seine Gesangsstimme auspackt und beweist, dass er auch astreinen Soul singen kann. Beeindruckend und schön! Zwischen den Songs kann man die Freude und Dankbarkeit auf dem Gesicht des Dude’s ablesen. Dass das alles andere als selbstverständlich ist, weiß jeder, der hin und wieder ein Konzert von US-amerikanischen Rappern in Deutschland besucht.

Gegen Mitte bis Ende des Konzertes wird es spirituell. Vor „Anythang“ hält Devin The Guru ein lebensbejahendes Plädoyer für Demut, Dankbarkeit und Zuversicht. Das klingt beliebig, ist aber völlig authentisch und sorgt für ein begeistertes Publikum. Ein Blick auf die YouTube – Kommentare unter „Anythang“ beweist, dass etliche Hip-Hop-Heads Kraft aus dem Song gezogen haben.

Anythang is plenty man and is better than nothin at all.

Devin The Dude, Anythang

Ich fühle es und die Resonanz des Publikums zeigt: Wir fühlen es alle. KRS – ONE teached. Devin The Dude preached. 47 Jahre Lebenserfahrung und eine Aura der Ausgeglichenheit und des inneren Friedens ermöglichen ihm das.

Devin The Dude
Devin The Dude

Devin schwebt in der Cloud

Im Anschluss stellt The Dude weiter musikalische Skills unter Beweis. In „Acoustic Levitation“ lässt er seine Stimme in elegantester Form von Tonlage zu Tonlage tänzeln. Der Mann kann Dinge mit seinem Stimmorgan machen, die ich so noch nicht gehört habe. Nicht umsonst ist der Titel des Songs auch namensgebend für sein aktuelles Album. Ganz nebenbei begleitet der fast Fünfzigjährige (!) seine Performance mit robotischen Bewegungen und Tanzeinlagen, die jeden siebzehnjährigen Cloudrapper wie einen steifen Pensionär aussehen lassen.

Als ich nach ein paar weiteren Songs und der Verabschiedung des Ausnahmekünstlers draußen an der frischen Luft stehe und die Definition von Levitation google (die Fähigkeit des Menschen ohne Hilfsmittel frei in der Luft zu schweben) stelle ich fest, dass Devin The Dude heute Nacht in dieser Manier über den Dingen - der Konkurrenz, dem Rapgame und allen weltlichen Problemen - zu schweben schien. Sein Stil ist so beispiellos, dass sich Vergleiche erübrigen. Seine musikalischen, charismatischen und tänzerischen Fähigkeiten ergeben eine symbiotische Verkörperung seines einzigartigen Sounds. Danke, dass du über uns hinweggeschwebt bist, Devin. Bis zum nächsten Mal. Ich werde da sein.

 

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