Frisch Gepresst: Grizzly Bear

Ein wunderschönes Durcheinander

Lange galten sie als die ultimative Hipster Band – Jetzt sind Grizzly Bear nach längerer Pause mit einer neuen Platte am Start. Darauf zu hören ist jede Menge Chaos. Aber das funktioniert!
Grizzly Bear
Grizzly Bear sind nach 5 Jahren wieder zurück!

10 Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Vor allem, wenn man in einer Band spielt. Das bekamen auch die Indie-Rocker von Grizzly Bear zu spüren. Nach ihrem letzten Album „Shields“ entschieden sie sich 2012 dazu erstmal Pause zu machen. Jeder von ihnen widmete sich erstmal anderen Dingen: dem Schreiben eines Kochbuches oder der Aufzucht von Bienen zum Beispiel. Dabei hatte alles ganz harmonisch angefangen. Grizzly Bear begann als Soloprojekt von Sänger Ed Droste. Das funktionierte eine Weile auch ganz gut, dummerweise fühlte er sich so ganz allein auf der Bühne ziemlich unwohl. Deswegen und wohl auch aus einer kreativen Notsituation heraus, tat er sich mit seinen Collegefreunden Chris Taylor, Dan Rossen und Chris Bear zusammen. Mit „Yellow House“ legten sie 2006 mit einer Rock Platte à la „New Weird Americana“ vor, darauf folgte der Durchbruch mit „Veckatimest“ von der auch der Peugeot-Werbungs Hit „Two Weeks“ stammt.

Ein fast perfekter Mix

Jetzt sind Grizzly Bear mit ihrem 5. Album „Painted Ruins“ zurück. Und darauf klingen sie moderner wie nie zu vor. Das „New York-Barista-Hipster“ – Image haben sie zwar noch nicht aufgegeben, hinzugekommen sind aber jede Menge elektronische Basteleien. Das mag auch an den Anfängen des Aufnahmeprozesses gelegen haben. Durch die lokale Zerstreutheit über ganz Amerika entstanden die ersten Ideen für das Album online. Jeder der 4 Bandmitglieder durfte Demos hochladen. Letztendlich kamen aber doch alle im Studio zusammen.

Dabei herausgekommen ist ein Grizzly Bear Album was sich nicht hinter seinen Vorgängern verstecken muss. „Mourning Sound“ ist die eingängige Zweite Single des Albums. Während des poppigen Refrains wechseln sich Sänger Droste und Rossen im Gesang ab. Schon auf den vorherigen Alben waren Grizzly Bear für ihre demokratischen Bandstrukturen bekannt, doch auf „Painted Ruins“ machen sie so richtig ernst. Die beiden Songwriter ergänzen sich fabelhaft. Der von Rossen geschriebene Song „Four Cypresses“ ist eine wahre Indie-Folk Hymne. Was am Anfang ruhig und mit Snare Drum beginnt, entwickelt sich gegen Ende hin zu einem Werk der gesamten Band. Geschrieben ist das Ganze aus der Sicht eines Obdachlosen.

„It’s chaos, but it works.“

Eine gelungene Abwechslung zu den Stimmen der beiden „Haupt-Songwriter“ bildet „Systole“. Der ist der erste von Bassist Chris Taylor geschriebene und gesungene Song. Mit dezenten Streichern schafft er es eine wunderbar warme Harmonie zu schaffen, die sich wie eine Decke um seinen Gesang legt. Ein weiteres Indiz dafür, dass Grizzly Bear es verstanden haben mit einfachen Mitteln ein Bild zu zeichnen.
Dieser cineastische Sound wird auch von den Synthies unterstrichen, die sich immer wieder unaufdringlich zwischen die Violinen, Gitarren und Schlagzeuge mischen. Modern und trotzdem finden Grizzly Bear den fast perfekten Mix aus Synthpop und Folk-Rock.

Wer bin ich?

Inspirieren lassen hat sich die Band, wie so oft, von den gesellschaftlichen Schwierigkeiten, mit deinen vor allem ihre Heimat, den USA, zu kämpfen hat. „Aquarian“ startet fast schon bedrohlich mit einem gut abgestimmten Durcheinander aus Synthies und Schlagzeug. Dazu die Worte „Great Disaster“ - die Anspielung auf Donald Trump sollte klar sein. Der sonst eher warme Sound des Albums soll zur Empathie aufrufen. Und das in allen Bereichen. Auf „Neighbors“ wird davon gesungen wie wenig sich die meisten Menschen für ihre Mitmenschen interessieren. Wie jeder nur seine eigenen Probleme sieht und sich nicht in andere hineinversetzen kann.

Doch auch auf persönlicher Ebene funktioniert das Album. In „Losing All Sense“ verarbeitet Sänger Droste die Trennung von seiner Frau. „Who am I beneath the surface?“ heißt es in „Sky Took Hold“. Eine Frage die sich durch das gesamte Album zieht. Dabei sollte man meinen, dass Grizzly Bear sich nach 5 Alben endlich gefunden hätten. Die Orientierungslosigkeit steht ihnen gut.

Fazit

„Painted Ruins“ ist alles was man von Grizzly Bear erwartet hat. Sie mischen traditionellen Folk mit modernen Elektroklängen, gepaart mit sensiblen Worten und dem Gesang von gleich drei der vier Mitglieder. Das ganze Chaos funktioniert. Sicher wird nicht jeder sofort durch die dramatischen Instrumentalteile durchsteigen können, wer es aber schafft wird mit einem wundervoll melancholischen Sound belohnt.

 

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Grizzly Bear: Painted Ruins

Tracklist:

01. Wasted Acres
02. Mourning Sound*
03. Four Cypresses
04. Three Rings
05. Losing All Sense*
06. Aquarian
07. Cut-Out
08. Glass Hillside
09. Neighbors*
10. Systole
11. Sky Took Hold*

 

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 18.08.2017
Sony Music/ RCA Records