Expedition Arktis

Ein Sommer im Eis

Währenddessen Leipzig vor Hitze zerfließt, haben sich Forschende aller Länder und auch aus Leipzig auf eine abenteuerliche Expedition begeben. Inmitten von Eis, Schnee und Eisbären untersuchen sie die Zusammenhänge des Klimawandels.
Expeditionsschiff Oden
Das Expeditionsschiff Oden fährt durch das arktische Eis.

Irgendwo im tiefsten Eis, hinter dem Ende der Welt sitzt ein Forscherteam aus 40 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen auf einem schwedischen Eisbrecher. Ein pfeifender Wind zieht über Board, die Außentemperatur beträgt heute etwa Null Grad und ein Eisbär beobachtet argwöhnisch die Eindringlinge. Nirgends sonst schreitet der Klimawandel so rasant voran, wie in der Arktis. Warum ist bislang ungeklärt. Die Eisdecke schmilzt weiter und weiter. Und überall auf der Erde bekommen wir die Auswirkungen zu spüren. Was sind die Konsequenzen des dramatischen Rückgangs des Meereises für das Klima in der Arktis? Gibt es noch eine Möglichkeit die Entwicklung zu stoppen?

Aufbruch ins Eis

Um diese immer drängender werdenden Fragen zu beantworten, muss die Wissenschaft den Zusammenhängen der Eisschmelze noch weiter auf den Grund gehen.

Am 31. Juli dieses Jahres brach der schwedische Eisbrecher Oden, zwei arktistaugliche Schiffe und ein Fesselballon Richtung Norden auf. Im Moment befindet sich das internationale Forscherteam fast am nördlichsten Punkt der Erde. Das Ziel der Expedition schildert die Meteorologin der Universität Leipzig Dr. Christa Engler folgendermaßen:

In diesem Projekt geht es darum den Einfluss der marinen Mikrobiologie, […], auf die Wolkenbildung in der Arktis zu untersuchen. Weil das bis jetzt eben wenig verstanden ist und in Klimamodellen deutlich unterschätzt wird.

Dr. Christa Engler, Universität Leipzig

Was sich jetzt erst einmal weit hergeholt anhört, macht durchaus Sinn. Es wurde beobachtet, dass die Mikrobiologie einen bestimmten Einfluss auf die Wolkenbildung ausübt. Diese wiederum bestimmt erheblich das Klima in der Arktis. Wenn hier das Eis weiter schmilzt, heizt sich das Meer schneller auf und lässt so das Eis noch rasanter schmelzen. Die Ergebnisse könnten also die Basis für mehr Verständnis des Klimawandels und somit für erste Lösungsansätze sein.

Leipzig schwebt im arktischen Himmel

Auch die Universität Leipzig ist auf der Oden vertreten. Doktorand der Meteorologie, Matthias Gottschalk, ist für die Strahlungsmessung verantwortlich. Der Wissenschaftler schwebt also vielleicht genau in diesem Moment in einem Fesselballon, der am Schiff befestigt ist, über die Arktis. Mit Hilfe von diversen Messgeräten misst er unter anderem die Sonnenstrahlung und die von der Erde abgehende Strahlung.

Alltag in der Eiswüste

Wenn die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen nicht gerade mit abenteuerlichen Messungen beschäftigt sind, bemühen sie sich um einen möglichst normalen Alltag. Man tauscht sich aus und diskutiert, hilft sich gegenseitig und es gibt einen engagierten Schiffskoch. Spaziergänge nach draußen sind allerdings nur mit Vorsicht zu genießen. So ein Eisbär ist schließlich kein Plüschtier.

Es bleibt also spannend, mit welchen Ergebnissen die Forschenden von ihrer Expedition zurückkehren. Die vom Menschen verursachten Umweltprobleme sind schon längst keine Theorien mehr, sondern Fakten. In diesem Sinne ist es umso wichtiger, dass es Menschen wie Matthias Gottschalk gibt, die für neue Informationen zu Abenteurern werden.

Das Interview mit Dr. Christa Engler finden Sie hier zum Nachhören:

Redakteur Linus-Benedikt Zosel im Gespräch mit Dr. Christa Engler.
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Weitere Informationen zu der Position des Forschungsschiffs finden Sie hier und auf dem Blog.