Interview: Warhaus

Ein Raubtier im Jazzclub

Sex, Sex, Sex – mehr müsste man zu Warhaus eigentlich nicht sagen. Seine Musik könnte verführerischer nicht sein. Letzte Woche trat er im Berliner Quasimodo auf. Wir haben ihn dort getroffen.
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Maarten Devoldere aka Warhaus

Wer oder was ist eigentlich ein Warhaus? So richtig weiß Maarten Devoldere das auch nicht. Warhaus sei sein Alter Ego, sagt der Pressetext, aber einverstanden ist der Belgier damit nicht. „Den Namen benutze ich, um meiner Mutter zu erklären, was ich mache.“ Aha, eine Art Ausrede also. Aber eine Ausrede wofür? Devoldere macht verführerisch-groovigen Alternativerock à la Nick Cave und Leonard Cohen. Dazu jede Menge Bläser, eine dunkle Stimme und sehr sexy Lyrics. Von „You wanna get laid in a fashionable way“ oder „I make love to you, baby“ ist da zum Beispiel die Rede. Kein Wunder also, dass Devoldere diese expliziten Inhalte gern auf Warhaus schiebt.

Warhaus
Musikreporterin Marie Jainta im Interview mit Maarten Devoldere (Warhaus)
Musikreporterin Marie Jainta im Interview mit Maarten Devoldere (Warhaus)

Musik mit Kinoflair

Nach dem das Balthazar Mitglied diesen Sommer schon fleißig durch kleinere europäische Festivals, wie das Rocken am Brocken Festival, getourt ist, stellt er nun das neue Album vor. „Warhaus“ erschien am 13.10.2017 und ist eine fantastische Fortsetzung des Debütalbums „We Fucked A Flame Into Being“. Die Erwartungen sind hoch. Wem der erotische Touch beider Alben gefallen hat, freut sich sicher auf jede Menge verführerische Blicke des Sängers. Das Berliner „Quasimodo“ in dem Warhaus auftreten wird, liegt unterhalb des Delphi Filmpalastes in Berlin Charlottenburg. Um die oben laufende Filmvorführung nicht zu stören, beginnt das Konzert erst 22:30 Uhr. An den Wänden hängen überall Bilder von alten Jazz Legenden, wie Dizzy Gillespie und Chet Baker. Bevor es aber richtig anfängt, kommt erst mal Tamino auf die Bühne. Ein 20-jähriger Mann, mit ägyptischen und belgischen Wurzeln. Mit seinem bluesigen Alternativerock sorgt er für die perfekte Einleitung in eine romantisch-gemütliche Nacht.

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Bedrohlich und sexy

Als dann gegen 23:15 Uhr endlich Maarten Devoldere die Bühne betritt, ist der Jubel groß und durch den Song „Well, Well“ kommt man auch sofort in die richtige Stimmung. Sein langer Mantel lässt ihn unnahbar wirken und trotz der steigenden Wärme im Klub wird er ihn bis zum Ende nicht ausziehen. Es wird sich im Takt geschmiegt, mitgesummt und Devoldere angeschmachtet. Ihm gefällt das offensichtlich. Auf der Bühne ist er dann eben doch Warhaus. Immer starrt er einem der Zuschauer für ein paar Sekunden zu lang in die Augen, schaut fast bedrohlich in die Masse und macht dabei Bewegungen, wie man sie sonst nur einem Raubtier zutrauen würde. Dazu passend dann seine dunkle Stimme und das gelegentliche Stöhnen in Songs wie „Kreusch“. Schade, dass die Namensgeberin dieses Songs an diesem Abend nicht mit auf der Bühne steht. Sylvie Kreusch ist selbst Musikerin und Model und singt auf den meisten Songs des Albums mit.   

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Warhaus im Berliner Quasimodo

Von Marimbas und Trompeten

Devoldere liefert aber auch solo eine überzeugende Show ab. Die beiden Singleauskopplungen „Love’s a Stranger“ und „Mad World“ bekommen live eine ganz besondere Note. Einige Male nimmt er das gewohnte Tempo aus den Songs, verändert die Instrumentierung oder lässt längere Pausen. Das ist erst etwas verwirrend, groovt sich aber doch relativ schnell ein. Die gute Livequalität liegt auch an den fantastischen Musikern hinter Warhaus, die mit Trompete, Marimba, Schlagzeug und Gitarre perfekt in den jazzigen Club passen. Warhaus beendet den Abend mit seinem Song „Fall In Love With Me“. Ungewöhnlich für einen Schlusssong, da dieser eher ruhig und wie Devoldere selbst meint „weihnachtlich“ klingt. Ob Weihnachten oder nicht, Warhaus weiß wie er sich und seine Musik auf der Bühne präsentieren muss.

Fazit

Maarten Devoldere steht sein Soloprojekt gut. Er „kann machen, was er will“ sagt er selbst. Das merkt man. Mysteriös und doch irgendwie sympathisch vereint er die intime Atmosphäre des Klubs mit einer gewissen Melancholie und jeder Menge Spaß. Da nächstes Jahr ein neues Balthazar Album auf der Agenda steht, werden sich Warhaus Fans wohl noch ein ganzes Stück gedulden müssen, bis sie den Belgier wieder allein auf der Bühne sehen werden. Für diesen Abend hat es sich aber definitiv gelohnt nach Berlin zu fahren. 

 

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Marie Jainta
09.11.2017 - 13:28
  Kultur