Dok - Rezension

Ein Lachen gegen das Schicksal

In der deutsch-israelischen Koproduktion "Muhi - Generally Temporary" wird das Publikum Zeuge einer zutiefst tragischen Familiengeschichte, erzählt aus den Augen eines ungewöhnlichen kleinen Jungen.
Szene aus "Muhi"
Muhi (Mitte) und sein Großvater (links) halten immer zusammen.

Muhi ist sechs Jahre alt und leidet an einer Autoimmunerkrankung, weshalb ihm bereits im Alter von zwei Jahren beide Hände und Füße amputiert werden mussten. Seitdem verbringt er sein ganzes Leben in einem Krankenhaus. Täglicher Begleiter ist sein fürsorglicher Großvater Abu Naim, der sich liebevoll um ihn kümmert. Zu seinen Eltern hat er kaum Kontakt. Rina Castelnuovo-Hollander und Tamir Elterman begleiten den Jungen auf seinem Weg in eine ungewisse Zukunft. 

Neuer Lebensmut

Die Geschichte von Muhis Familie könnte einer Tragödie von Shakespeare oder Sophokles entsprungen sein. Immer dann, wenn man glaubt, es könne nicht mehr schlimmer kommen, wird der kleine Muhi vom nächsten Schicksalsschlag eingeholt. Nebenbei geht es in Muhi - Generally Temporary auch um politische Konflikte. Muhi wurde im Gazastreifen als Sohn eines Hamas-Aktivisten geboren, befindet sich jetzt aber auf der anderen Seite der Grenze in einem israelischen Krankenhaus. Sein Vater fordert, dass Muhi nach Gaza zurückkehrt, seine Mutter bekommt keine permanente Aufenthaltserlaubnis und darf ihren Sohn daher nur selten besuchen. So tragisch Muhis Geschichte auch ist, kann man in Muhi-Generally Temporary überraschend oft lachen. Wenn der kleine Junge seinen Großvater nachahmt, muslimische "Pflichten" kommentiert oder einfach sein ansteckendes Lachen zu hören ist,  geht einem das Herz auf. Muhi schöpft immer wieder neue Hoffnung in seinem düsteren Alltag.

Bewegender Abschied

Ein Gute-Laune-Film ist Muhi dennoch nicht. Schon nach wenigen Minuten sind vereinzelt leise Schluchzer im Kinosaal zu hören. Schluchzer aufgrund des traurigen Schicksals, das diesem Jungen auferlegt wurde, aufgrund der Ungerechtigkeit in der Welt. Wenn Muhi beim Abschied von seiner Mutter in Tränen ausbricht, kann man sich auch als Zuschauer nicht mehr halten. Nach den 86 Minuten hat man dein Eindruck, man müsse sich von einem alten Bekannten verabschieden, so intensiv gelingt es den Filmemachern, die Welt und das Lebensgefühl des kleinen Muhi einzufangen. Den Kinosaal verlässt man trotz der optimistischen letzten Szene mit einem Kloß im Hals, aber auch mit dem Gefühl, ein großartiges Stück Dokumentarfilm gesehen zu haben. Muhi-Generally Temporary ist einer der besten Filme, die es auf dem 60. Dok Festival zu sehen gibt.

MUHI - gernerally temporary Trailer-HD from Neue Celluloid Fabrik on Vimeo.

 

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Screening-Termine von "Muhi" auf dem 60. Dok-Festival

31.10.: 19.30 Uhr Hauptbahnhof Osthalle

2.11.: 13 Uhr Cinestar 8

5.11.: 13.15 Uhr Cinestar 4