Tarifstreik

Ein Jubiläum zum Feiern?

Seit genau fünf Jahren streiken die Mitarbeitenden bei Amazon für einen Tarifvertrag - bisher ohne Erfolg. Die Ziele werden seit Mittwochnacht erneut eingefordert. Wie haben nachgefragt, warum es bis jetzt keine Einigung gab.
Das Logistikzentrum von Amazon in Leipzig

Wie wir zuvor bereits berichteten, streiken die Mitarbeitenden von Amazon in Leipzig mehrmals im Jahr. Die Gewerkschaft ver.di organisiert die Streiks mittlerweile seit fünf Jahren. Die Forderung an den größten Versandhändler ist ein Tarifvertrag, der für "gute und gesunde Arbeit" sorgen soll. Es soll zum einen an den Arbeitsbedingungen und am Gehalt gefeilt werden. Bei Amazon gibt es zwei Arbeitsbereiche - einmal die Logistik und den Einzelhandel. Für beide gibt es bisher keinen Tarifvertrag.

Schnickschnack statt Verbesserung

In den vergangenen Jahren konnten für die Arbeitnehmenden am Standort Leipzig ein neuer Pausenraum mit einer kostenlosen Tee-Versorgung, eine Klimaanlage und ein Weihnachtsgeld bei den Verhandlungen erreicht werden. Denn Amazon ist der Meinung auch ohne Tarifvertrag ein fairer Arbeitgeber zu sein.

Jeder Mitarbeiter hat einen Vertrag mit Amazon und der gibt ihm auch Sicherheit.

Stephan Eichenseher, Amazons Kommunikationsleiter

Laut eigenen Angaben zahle das Unternehmen Gehälter am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich sei. So erhalten Beschäftigte bei Amazon in der Logistik rund 12,22 Euro pro Stunde. Da sich außerdem an den Streiks nur eine Minderheit beteiligt, würde das Amazon nichts ausmachen. In den vergangenen Jahren waren mal ein paar Dutzend und mal an die 500 der 11.000 in Leipzig Beschäftigten an den Streiks beteiligt.

Das kommt nicht infrage

In einem Tarifvertrag würde jedoch zum Beispiel das Weihnachtsgeld deutlich höher sein. Jörg Lauenruth-Margo von der Gewerkschaft ver.di sagt außerdem, dass die Arbeitnehmenden momenten kein Urlaubsgeld erhalten.

Amazon zahlt doch nur deswegen Tariferhöhungen, weil wir so großen Druck machen. Sie versuchen den Druck aus dem Kessel zu nehmen, aber das gelingt ihnen nicht.

Jörg Lauenruth-Margo, Ver.di

Unternehmen wie IKEA und Otto zahlen in Deutschland bereits nach Tarif. Sie sind der Auffassung, dass dies für ein transparentes und faires Entgeltsystem sorge. Diese Verträge beziehen sich auf den Einzelhandel: Einen solchen Tarifvertrag würde sich ver.di auch für den Logistikbereich bei Amazon wünschen. Der Leiter des eWeb Research Centers der Hochschule Niederrhein Gerrit Heinemann warnt hingegen vor der Umstellung auf einen Einzelhandelstarif: Dadurch könnten Amazon längerfristig verstärkt auf maschinelle Mitarbeitende umstellen. Außerdem ist er der Meinung, dass Amazon übertariflich zahle und zwar hinsichtlich eines Logistiktarifs.

Jetzt hat sich ver.di Amazon rausgepickt und die anderen Händler sagen: Zum Glück nicht uns.

Gerrit Heinemann, Leiter des eWeb Research Centers

Der aktuelle Streik der Mitarbeitenden bei Amazon hält erst einmal an. Ob es der vorerst letzte sein wird, das zeigt sich sicherlich in ein paar Tagen.

Die Informationen aus der Sendung finden Sie hier:

Ein Beitrag von Philip Fiedler
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Pia Ebeling
16.05.2018 - 19:18

Der Tarifvertrag gilt für alle Angestellten eines Unternehmens oder sogar innerhalb einer kompletten Branche. Dabei werden unter anderem eine Art Mindestlohn, zusätzliche Vergütungen, sowie weitere Arbeitsbedingungen ausgehandelt. Verhandelt wird häufig nicht direkt mit den Beschäftigten, sondern über eine Gewerkschaft. Nach Unterzeichnung des Tarifvertrags ist der Betrieb dazu verpflichtet, mindestens den Tariflohn zu zahlen oder sogar besser zu entlohnen.