Trinkwasserqualität

Ein Glas Rohrperle, bitte!

Während die einen noch Wasserkisten schleppen, bedienen sich die anderen einfach am Wasserhahn. Doch ist unser Leitungswasser wirklich so sauber wie es aussieht?
Wasser aus der Leitung

Wer kennt das nicht – die Party ist vorbei und nachdem man endlich geschafft hat, die Wohnungstür aufzuschließen, steuert man schnurstracks auf die Küche zu, um sich am Wasserhahn zu bedienen – der Nachdurst lechzt nach Wasser. Doch ist das Leitungswasser in Leipzig wirklich bedenkenlos trinkbar? Was für die einen selbstverständlich ist, stellt für andere ein Gesundheitsrisiko dar. 

Trinkverhalten in Deutschland

Insgesamt ist der Ruf von Trinkwasser ausgesprochen gut. Laut der Studie Qualität und Image von Trinkwasserqualität in Deutschland, welche vom Verband kommunaler Unternehmen gefördert wurde, befinden rund 82 Prozent der Befragten die Qualität als gut oder sehr gut. Nur neun Prozent verzichten laut der Studie komplett auf das Trinken von Wasser aus der Leitung. Als Gründe nennen sie unter anderem Geschmacksunterschiede im Vergleich zu Mineralwasser, Angst vor Medikamenten und Schadstoffen im Leitungswasser und einen zu hohen Kalkgehalt im Wasser. 

Die harte Seite des Wassers

Unter der Dusche vom Wasserstrahl erschlagen werden – keine schöne Vorstellung. Doch warum sprechen wir vom harten bzw. weichen Wasser? Ein Erklärvideo vom Umweltbundesamt gibt da Auskunft. Demnach gibt es in Deutschland drei Härtegrade: weich, mittel und hart. Die Härte des Wassers wird gemessen an der Konzentration von Calcium- und Magnesiumionen. Dabei handelt es sich um wichtige Mineralien für den Körper, welche sich aus dem Untergrund lösen und so ins Grundwasser gelangen. Da es bei der Bodenbeschaffenheit regional zu Unterschieden kommt, gibt es auch unterschiedliche Härtegrade. So ist zum Beispiel Wasser, welches aus Talsperren gewonnen wird, wesentlich weicher als Wasser, das aus Grundwasser gewonnen wird. Ein wesentlicher Unterschied ist dabei der Geschmack. Hartes Wasser schmeckt markanter als weiches Wasser. Das merkt man vor allem bei empfindlichen Speisen und Getränken, zum Beispiel Suppen oder Tees. Wer sich über Kalkablagerungen im Wasserkocher ärgert, kann diese übrigens ganz einfach mit etwas Essig oder Zitronensäure entfernen. 

Zu hohes Risiko?

Im Restaurant Symbiose in der Karl-Liebknecht-Straße traut man dem Leitungswasser nicht so einfach über den Weg und hat eine Methode entwickelt, um das Wasser zusätzlich zu reinigen und zu energetisieren. Boyan Conev hielt regelmäßig Wasservorträge. Neben den gesundheitlichen Risiken laut Conev betonte dieser auch die geschmacklichen Unterschiede. 

Wir bekommen sehr gutes Feedback von den Kunden. Ob Kaffee, Tee oder Suppen – alle sagen, es schmeckt hier aromatischer.

Boyan Conev vom Restaurant Symbiose

Laut Conev würden die Wasserwerke zwar eine gute Arbeit machen, die Vorschriften würden allerdings nicht ausreichen. Wenn man die große Anzahl an zugelassenen Medikamenten und Pflanzenschutzmitteln beachte, seien die vorgeschriebenen Kontrollen einfach zu gering. 

Kein Grund zur Sorge

Sonja Riebe, die Laborleiterin der Wasserwerke Leipzig dagegen gibt sich gelassen. Bei den Kontrollen würden sie und ihre Mitarbeiter sich streng nach der deutschen Trinkwasserverordnung richten. Tatsächlich würden viele Medikamente durch das Abwasser in Fließgewässer gelangen und auch die Nitratbelastung durch die Landwirtschaft sei vielerorts zu groß. Doch die meisten dieser Schadstoffe würden durch die Uferfiltration vom Grundwasser abgehalten und keinen Weg in unser Trinkwasser finden. Uferfiltrat ist Wasser, das aus oberirdischen Gewässern, wie beispielsweise der Elbe, in den Grundwasserraum eingedrungen ist. Dennoch steige die Herausforderung für die Wasserwerke, Schadstoffe zu erkennen und herauszufiltern. Dabei würden pro Jahr rund 7.700 Trinkwasserproben durch das Trinkwasserlabor der Leipziger Wasserwerke entnommen. Außerdem bestehe eine hohe Transparenz und ein stetiger Austausch mit dem Gesundheitsamt, so Riebe. Über aktuelle Wasserwerte kann sich jeder selbst informieren auf der Internetseite der Leipziger Wasserwerke.

Lieber Wasser im Supermarkt kaufen?

Wer denkt, Mineralwasser sei absolut frei von Schadstoffen, sollte sich da nicht so sicher sein. Laut ÖkoTest 07/2013 wurden auch in einigen Mineralwasserflaschen Pestizidrückstände gefunden. Sowieso ist "Reinheit" im Bezug auf Wasser ein schwer zu definierender Begriff. Sicher ist vor allem, dass Wasser nicht schädlich für die Gesundheit sein soll. Die Kontrollen des Trinkwassers in Deutschland sind jedenfalls streng und umfassend, soviel ist sicher. Und mal ehrlich, in anderen Ländern ist das Trinken von Leitungswasser undenkbar. Wir dürfen uns also sehr glücklich schätzen. Außerdem hat Mineralwasser aus dem Supermarkt oft einen langen Weg zurückgelegt, wogegen das Wasser aus dem Wasserhahn mit Sicherheit aus der Region kommt. 

Redakteur Rasmus Janke hat sich zum Thema Leitungswasser in Leipzig umgehört:

mephisto 97.6 Redakteur Rasmus Janke mit einem Bericht zur Trinkwasserqualität in Leipzig
 

Nachtrag 3.11.2017

In einer früheren Version des Artikels wurde Boyan Conev als Geschäftsführer der Symbiose vorgestellt. Dies ist er nicht mehr. In der Symbiose finden seit dem auch keine Wasservorträger mehr statt.

 

Kommentare

Hallo liebe Redaktion,

wenn dieser Beitrag tatsächlich am 01.03.2017 so erschienen ist, liegt ein sachlicher Fehler vor.
Das Restaurant Symbiose hatte im Februar 2017 einen Betreiberwechsel, ich meine um den 20. herum. Herr Conev war also am 01.03.2017 sicher nicht mehr Geschäftsführer.

Es ist auch richtig, dass Herr Conev diese "Wasservorträge" hält, oder vielmehr hielt. Bei einem war ich selbst anwesend.
Nicht richtig ist jedoch, dass er in diesen Vorträgen die Arbeit der Wasserwerke lobt. Im Gegenteil: das Trinkwasser wird als "Gift" bezeichnet. Auf diesen Vorträgen wird z. B. auch ein Buch angeboten, das "Trinkwasser - unser täglich Gift" heisst.

In diesen Vorträgen geht es auch nicht um "Aufklärung", sondern um gezielte Angstmache, um von Herrn Conev dann ganz nebenbei angebotene und - wie ich inzwischen weiß - völlig überteuerte Wasserfilteranlagen zu verkaufen. Autor des Buches über das Trinkwasser ist - o Wunder - der Geschäftsführer des Herstellers der Filteranlagen.
Dabei schreckt man auch vor regelrechten Taschenspielertricks, wie Verfärben von Wasser oder Tests der Leitfähigkeit, zurück.
Die auch im Artikel angesprochene "Energetisierung" des Wassers ist übrigens völliger Unsinn und basiert unter anderem auf den wirren Theorien Viktor Schaubergers, eines österreichischen Esoterik-Spinners und Altnazis, der fast mal NS-Landwirtschaftsminister der Hitler-Marionetten-Regierung in Österreich geworden wäre.

Sehr schade, dass Sie hier offenbar zu billiger und höchst unseriöser Verkaufspropaganda missbraucht wurden.

Grüsse

S. Jähn.

@Sabine Jähn Vielen Dank für Ihr Feedback Frau Jähn.
Ihre Informationen werden wir an den entsprechenden Redakteur weiterleiten.

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