Filmkritik "Insidious - The Last Key"

Ein Gähnen im Gruselkeller

Geister, Spukhäuser und Exorzismen sind aus der Filmlandschaft nicht mehr wegzudenken und sorgen immer noch für Rekordeinspielergebnisse. Eine der berühmtesten Filmreihen in diesem Genre ist "Insidious", die nun in die bereits vierte Runde geht.
Szene aus "Insidious 4"
Das Medium Elise wagt sich wieder ins Totenreich

Seltsame Stimmen flüstern im Dunkeln, nachts stehen schemenhafte Gestalten am Fenster, gruselige Fratzen erscheinen. Es sind die wohl klassischsten Horrorfilmzutaten, die man sich nur vorstellen kann. Der Grund, dass der erste Teil von Insidious 2010 so ein großer Erfolg wurde, liegt jedoch an der grandiosen Regieleistung von James Wan (SAW, The Conjuring). Er versteht es, altbekannte Klischees so intensiv miteinander zu verbinden und in Szene zu setzen, dass es selbst das geübte Horrorpublikum an der ein oder anderen Stelle eiskalt erwischt. Von dieser Raffinesse ist in Insidious - The Last Key allerdings wenig zu spüren, was daran liegt, dass James Wan nach dem zweiten Teil der Reihe das sinkende Schiff verlassen hat. Auf dem Regiestuhl durfte dieses Mal Adam Robitel Platz nehmen, der vor allem durch das katastrophale Finale der Paranormal Activity - Reihe namens Ghost Dimension bekannt wurde.

Zurück zum Anfang

Im Mittelpunkt der Geschichte steht das Medium Elise (Lin Shaye), das in den ersten beiden Filmen noch die Familie Lambert von deren Geisterplage befreien musste. Die Teile 3 und 4 spielen hingegen zeitlich vor dem ersten Insidious und erzählen davon, wie sie ins Geisterjägerinnengeschäft eingestiegen ist.  

Szene aus "Insidious 4"
 

Insidious - The Last Key springt zunächst in Elises Kindheit. Ihre Familie wohnt neben einem alten Gefängnis in schauriger Kulisse. Bereits in Kindheitsjahren sieht Elise einen Geisterjungen in ihrem Zimmer und kann Kontakt zu einer anderen Welt aufnehmen, wofür sie von ihrem tyrannischen Vater regelmäßig grausam bestraft wird. Jahre später - Elise ist inzwischen als Medium tätig - wird die ältere Frau von einem Mann um Hilfe gebeten. Er ist vor Kurzem in Elises Elternhaus einzogen und wird dort nun ebenfalls von bösen Geistern heimgesucht.

Fauler Grusel

Nach dem schwachen dritten Teil beginnt Insidious - The Last Key recht vielversprechend, denn besonders das erste Drittel ist überraschend effektiv ausgefallen. Robitel inszeniert den Schrecken im Kinderzimmer oder später eine gewisse Szene mit einem Koffer auf verblüffend unheimliche Art und Weise. Man wundert sich fast schon darüber, dass der Film von dem Mann stammt, der den letzten Teil von Paranormal Activity verbrochen hat. Robitel hat sich von seinem Kollegen James Wan auf jeden Fall einige Kniffe abgeschaut, wie man einen guten Horrormoment spannend aufbauen kann und den Geist immer zwei Sekunden aus der Ecke springen lässt, nachdem man es eigentlich erwartet. So wirklich gruselig wird es leider nie. Die Geschichte bleibt absolut uninteressant und kommt einfach nicht voran.

Szene aus "Insidious 4"
Böser Schlüsselgeist im Keller?

Zum Großteil spielt der Film im dunklen Keller des Hauses, aber irgendwann hat man sich selbst an dem sattgesehen und dreckige Frauen mit langem schwarzen Haar, die dort unten kreuchen und fleuchen, sind im Jahr 2018 auch nicht mehr gruselig. Insidious 4 bemüht sich wenigstens um 1-2 ganz nette Twists, aber insgesamt entlockt diese Fortsetzung eher ein Gähnen, zumal die unzähligen Schreckmomente mal wieder fast nur auf akustischer Ebene funktionieren und sich mit der Zeit abnutzen.

Albernes Geisterreich

Pluspunkte kann Insidious - The Last Key beim Umgang mit seiner Protagonistin sammeln. Der Figur der Elise wird in diesem Teil deutlich mehr Substanz als zuvor verliehen und ihre Hintergrundgeschichte ist mitunter erstaunlich emotional ausgefallen. Nur leider nützt das eher wenig, wenn sie den Gruseleien zum Fraß vorgeworfen wird. Wenn es dann im Finale ein weiteres Mal ins Reich der Toten geht, fällt auch dieser Teil endgültig in sich zusammen. Es ist schade, dass allen vier Teilen der Reihe die Puste ausgeht, wenn es ins düstere Jenseits geht, wo sich der anfängliche psychologische Grusel in laute Action und peinliche Kampfszenen auflöst. Wer sich mit Entsetzen an die Szene aus dem dritten Teil erinnert, in der Elise die gruselige alte Geisterfrau kurzerhand verprügelte, dem werden sich wohl auch hier vor Fremdscham die Fußnägel aufstellen.

Szene aus "Insidious 4"
Tucker und Specks sorgen für Lacher

In Teil 4 ist der Gegenspieler nun ein großes Gerippe mit Schlüsselfingern. Wow! Dessen Hintergründe erfährt man nicht wirklich und letztendlich verkommt das Monster nur zu einem weiteren langweiligen Geisterbahneffekt. Dazwischen gibt es peinliche Gags von Elises Kollegen Tucker und Specs, die schon in den Vorgängern für etliche Lachnummern sorgen mussten. Schade, wenn sich nicht einmal so ein Horrorfilm traut, durchweg ernst zu bleiben.

Fazit

So hat man insgesamt das Gefühl, teilweise nett begruselt worden zu sein, am Ende ist man aber froh, wenn der Film vorbei ist und sich der erzählerische Kreis zum ersten Teil geschlossen hat. Gebraucht hätte diese Vorgeschichte jedenfalls niemand. Insidious 4 verschwindet im Durchschnitt und wer in seinem Leben schon einige Horrorfilme gesehen hat, wird hier nur selten seinen Spaß haben.

 

 

Kommentieren

INSIDIOUS - The Last Key

Regie: Adam Robitel

Drehbuch: Leigh Whannell

Laufzeit: 103 Minuten

FSK 16

Cast: Lin Shaye, Leigh Whannell, Angus Sampson, Josh Stewart, Alva Kolker und viele mehr

Kinostart: 4.1.2018

Der Film erscheint am 4.7.2018 auf DVD und Blu Ray