Theater

Ein Like für Datenklau?

Die Performancegruppe Interrobang zeigt mit ihrem Theaterspiel "To Like or Not to Like" die Gefahren und Vorteile großer Datenspeicher und bringt den Zuschauer auf witzige Weise zur Selbstreflexion.
Nina Tecklenburg erklärt Big Data.
Nina Tecklenburg erklärt Big Data.

Cyber-Überwachung, Vorratsdatenspeicherung, das Smartphone als moderne Fußfessel: Heutzutage können wir über Schritt und Tritt verfolgt werden und geben meist unbewusst Information über uns frei. Wenn sich also ein großer Konzern die Rechte an unseren Daten erkauft, so kann er einfach unsere privatesten Daten ermitteln: Alter, Arbeitsplatz und sogar unseren genauen Wohnort. Man spricht von Big Data. Wie geht man mit diesem Wissen um? Wie stehe ich als Individuum diesem Phänomen gegenüber? Das Performance-Spiel der Gruppe Interrobang in der "Residenz", in Plagwitz, lässt seine Zuschauer die Effekte der Informationsverarbeitung am eigenen Leibe erfahren. 

Vom Zuschauer zum aktiven Teilnehmer

Zu Beginn des Theaterspiels werden die Zuschauer, die in diesem Fall aktive Teilnehmer werden, fotografiert, bevor sie Platz nehmen. Neben jedem Platz befindet sich ein zugehöriges Telefon, durch das der Teilnehmer Erläuterungen und Anweisungen zum Geschehen erhalten kann und seine Antworten eingibt. Vor dem Teilnehmerbereich ist eine große Leinwand aufgespannt, auf die die aufgenommenen "Profilbilder" der Zuschauer projiziert werden. Auf diese wird sich auch im weiteren Verlauf des Abends die Aufmerksamkeit richten, denn die Zuschauer bilden den Kern der Performance, ohne ihr Handeln funktioniert sie nicht. So interagieren sie am Anfang indirekt miteinander, indem Sie sich gegenseitig bewerten, während Bilder mehrerer Personen gezeigt werden und eine Frage dazu gestellt wird à la:

Mit welcher dieser Personen könnten Sie am ehesten ein philosophisches Gespräch führen? Welche dieser Personen schleppt an der Bar am schnellsten jemanden ab?

Noch direkter wird die Kommunikation untereinander, indem man zufälligerweise mit einem anderen Zuschauer verbunden wird und über die Problematik der Digitalisierung diskutieren soll. Zu guter Letzt darf man dann noch mit dem eigens geschriebenen Programm der Veranstaltung reden – Delphi-Fox. Dieses hat die Eingaben der Teilnehmer analysiert und verspricht, Einblicke in die Persönlichkeit zu geben, die kein anderer Mensch geben kann. 

"Bist du dabei? Wähle die 0 für ,auf gar keinen Fall bis 6 für ,unbedingt!"
 

Wie der Titel bereits anzeigt, geben die Macher von "To Like or Not to Like" selbst kein Statement ab und geben nicht vor, welche Einstellung man gegenüber Big Data einnehmen soll. Die Teilnahme der Zuschauer ist rege, gerade am Anfang wird oft gelacht, auch, weil man etwas verlegen auf die Bewertungen, die anonym abgegeben werden, reagiert. So zeigt sich, wie oberflächlich diese Analysen der Persönlichkeit, durchgeführt durch andere Personen oder einen Computer, sein können und wie sie die Wahrheit verzerren und Klischees bekräftigen. 

 

Kommentieren

Dora Midré
15.06.2015 - 09:41
  Kultur