Heimat

Ein Begriff macht Politik

Zur Bundestagswahl benutzte die AfD Parolen wie: „Hol dir dein Land zurück.“ und „Unser Land, unsere Heimat“. Darf man den sensiblen Heimatbegriff einer rechtspopulistischen Partei überlassen?

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Heimat: Ein Begriff macht Politik - Ein Beitrag von Ronja Binus
Der Heimatbegriff in der Politik

Für Tobias Keller, den Vorsitzenden der AfD-Fraktion im Stadtrat, ist der Heimatbegriff klar besetzt. Als Partei sei man im deutschen Staat tätig und solle den Begriff dementsprechend auf die Nationalität ausweiten. Für alle, die hier geboren sind und gerne leben, sei Deutschland ein Synonym für Heimat.

Kritik von der Linken

Sören Pellmann, Vorsitzender der Linksfraktion im Stadtrat, ist empört über eine derartige Auslegung des Begriffs:

Also ich halte es tatsächlich für fatal und schwierig, dass man diesen Heimatbegriff, der eher etwas Positives suggeriert, derart beschmutzt und auch missbraucht.

Sören Pellmann, Linken-Fraktion im Leipziger Stadtrat

Heimat heiße eben nicht nur Heimat der Deutschen, sondern sei deutlich mehr. Heimat dürfe nicht dazu führen, dass Menschen ausgegrenzt werden.

Göring-Eckhardt zieht nach

Auf dem Bundesparteitag der Grünen nach der Bundestagswahl ging Grünenfraktionschefin im Bundestag, Katrin Göring-Eckhardt, auf den Heimatbegriff der AfD ein. Sie verkündete:

Wir lieben dieses Land, das ist unsere Heimat, und diese Heimat spaltet man nicht.

Katrin Göring-Eckhardt, Die Grünen

Diese Sätze sorgten für viel Diskussion - auch innerparteilich. Die Grüne Jugend twitterte, dass Heimat ein ausgrenzender Begriff sei und deshalb nicht zur Bekämpfung rechter Ideologie tauge. Auch der Vorsitzende der Grünenfraktion im Stadtrat, Norman Volger, sieht Eckhards Worte kritisch. Er denkt, sie habe versucht Wörter, die im politischen Raum rumwabern, selbst zu definieren, zu branden und sie eben nicht dem politischen Gegner zu überlassen. Ob das in diesem Fall geglückt ist, bezweifelt er. Zudem gebe es bei ihm in der Partei viele, die sagen: "Wir sind nicht Deutsche, wir sind Europäer."

Niemanden von „Heimat“ ausschließen

CDU-Stadtratsvorsitzender Michael Weickert erklärt, wie der Begriff Heimat in seiner Partei gesehen wird:

Heimat ist etwas, womit wir unverkrampft umgehen, natürlich ist Heimat erst mal etwas Exklusives, vielleicht auch etwas Ausschließendes. Aber am Ende ist Heimat etwas, hinter dem sich alle versammeln können sollten.

Michael Weickert, CDU-Fraktion im Leipziger Stadtrat

Er weist darauf hin, dass auch die AfD-Wähler und deren Probleme, Sorgen, Nöte, Ängste, zu unserer Heimat gehören. Am Ende des Tages könne man niemanden wirklich davon ausschließen.

Jede Partei scheint sich auf ihre Weise dem Begriff anzunähern und ihn auszulegen. Grünenpolitiker Volger eröffnet dabei einen neuen Blickwinkel auf die Debatte. Er glaubt eher, dass der Begriff Heimat - so wie er genutzt wird - versuche, so etwas wie Identität darzustellen. Deshalb seien viele Menschen auf der Suche nach der Frage zu welcher Gruppe sie gehören, und wie sie sich anderen Menschen gegenüber abgrenzen können. Der Begriff werde in der Politik zweckentfremdet und Heimat an sich sei keine politische Kategorie.

 

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Ronja Binus
12.02.2018 - 13:34