CD der Woche

Ein Australier will die Welt erobern

Dem australischen Multitalent D.D Dumbo gelingt mit seinem Debüt-Album „Utopia Defeated“ der Spagat zwischen Pop- und Weltmusik.
D.D Dumbo vor seinem Haus
Oliver Perry alias D.D Dumbo bei sich zu Hause

Wenn es um „Do-It-Yourself-Attitüde“ geht, macht dem Australier Oliver Perry so schnell niemand etwas vor. Wo andere „Solokünstler“ sowohl auf der Bühne als auch im Studio auf die Hilfe zahlreicher ungenannter Musiker angewiesen sind, macht er tatsächlich alles selbst. Unter dem Namen D.D Dumbo war er in seiner Heimat schon seit Jahren als Ein-Mann-Band auf Tour. Das obwohl der schüchterne 27-Jährige bei Weitem keine einfache Akustikgitarren-Musik spielt. Bei Live-Auftritten legt er mithilfe eines Loop-Pedals in Echtzeit Melodien und Rhythmen verschiedener Instrumente übereinander, bis daraus ein, im wahrsten Sinne des Wortes, vielschichtiger Song entsteht.

Die Aufnahmen seines Debüt-Albums Utopia Defeated in den Londoner 4AD-Studios liefen im Vergleich dazu eher konventionell ab. Zwar spielte er erneut sämtliche Instrumente selbst ein, aber diesmal baute er sich seine Songs erst im Nachhinein aus den einzelnen Tonspuren zusammen. Seine Musik bleibt aber auch ohne Gimmicks eindrucksvoll.

Von Afrika nach Australien

D.D Dumbo spielt auf seiner zwölfsaitigen Gitarre Klänge, die, ebenso wie die Rhythmen, an westafrikanische Musik angelehnt sind. Besonders auf Songs wie Alihukwe und Cortisol lässt sich diese Verbindung erahnen. D.D Dumbo gelingt es dabei, diese Einflüsse mit seinem eigenen Stil zu vermischen. Die Weiten des australischen Outbacks ersetzen im Kopfkino die afrikanische Steppe.

Weltmusik-Einflüsse stellen jedoch nur eine Facette des Sounds von D.D. Dumbo dar. Der Perfektionist tüftelte drei Jahre lang an seinem Debüt, bevor er ins Studio ging. Um die vielfältige Instrumentierung zu planen brauchte es Zeit. Auf dem Album sind neben Gitarre und Schlagzeug auch Klavier und allerhand teils exotische Blasinstrumente zu hören, teilweise nur für kurze Augenblicke.

Eine neue Art von Pop

Bei aller Komplexität handelt es sich bei den fertigen zehn Songs auf Utopia Defeated aber weitestgehend um eingängige Popsongs, die streckenweise an 80er-Musik wie von Sting oder Peter Gabriel erinnern. Besonders die Single Satan setzt sich schon nach wenigen Hördurchläufen im Ohr fest. Nicht selten kommt einem beim Hören des Albums auch D.D Dumbos Landsmann Gotye in den Sinn. Die beiden Australier verbindet neben einer ähnlichen Stimmfarbe auch ihre Affinität zum Mixen verschiedener Stile. Besonders der Opener Walrus erinnert mit seinem behutsam hüpfenden Rhythmus an den „Somebody that I used to know“-Schöpfer. Im Vergleich zu diesem wirkt D.D Dumbo aber meist rockiger und weniger emotional.

Auch textlich geht D.D Dumbo seinen eigenen Weg. Im Gegensatz zu Gotye handeln seine Lyrics nicht von Gefühlswelten und Zwischenmenschlichem. Der Künstler gibt sich undurchsichtig und singt in Tier-Metaphern und von nächtlichen U.F.O.-Sichtungen.

I saw a UFO, on a horse in Mexico

In the lonely night time, where my dog died

 

ET, it called my name, I never heard that thing again

On the zombie mountain, where the dead die

Satan

Ob es sich dabei um verschlüsselte Botschaften handelt, oder nur um esoterischen Nonsens, bleibt dem Zuhörer selbst überlassen. Die Texte tragen jedoch zur träumerischen Stimmung bei.

Ein vielversprechender Anfang

Mit Utopia Defeated ist D.D Dumbo ein eindrucksvolles Debüt gelungen. Wo andere Künstler erst nach mehreren Alben eine eigene Stimme finden, hat das australische Multitalent schon jetzt eine klar erkennbare Handschrift. Welt- und Popmusik auf derartig stilsichere Art und Weise miteinander zu verbinden ist eine Leistung, um die den 27-Jährigen manch ein erfahrener Musiker beneiden dürfte. In der Musikpresse hat er damit bereits einige Blicke auf sich gezogen. Auch an prestige-trächtigen Toursupport-Angeboten, wie für Warpaint und Tame Impala mangelt es längst nicht mehr. Bleibt nur noch abzuwarten, ob D.D Dumbo damit beim internationalen Mainstream ebenso gut ankommt. Die Weichen für eine steile Karriere sind mit einem Erstling wie Utopia Defeated auf jeden Fall gelegt.

 

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D.D Dumbo: Utopia Defeated

Tracklist:

1. Walrus*

2. Satan*

3. In The Water

4. Cortisol

5. Alihukwe*

6. King Franco Picasso

7. The day I first found god

8. Toxic City*

9. Brother

10. Oyster

Erscheinungsdatum: 11.11.2016
4AD