CD der Woche

Ein Album der Extraklasse

Das Wetter ist beschissen, im Job läuft es nicht und die Freundin hat dich verlassen? Den Soundtrack für diese Lebenslagen liefert die Band The xx. Mit ihrem neuen Album „I See You“ beweisen die Engländer, dass sie auch tanzbare Musik machen können.
The xx, CD der Woche
The xx besitzen übrigens keine bunten Klamotten

Als 2005 das Debütalbum von The xx rauskam, frohlockte die Indieszene. Jeder, der mal irgendwie sein superhippes und künstlerisches Youtube-Video mit der nötigen Portion Pathos aufpeppen wollte, der packte da einfach mal das Intro von The xx als Soundtrack unter den Streifen. Ja, sogar Hollywood hat es gemacht. Und wer kann es ihnen verübeln? The xx haben es einfach geschafft bedeutungsschwangere, aber trotzdem einprägsame Melodien zu schreiben. Sagen zumindest die einen. Es gibt aber auch die Fraktion, die The xx einfach lahm findet. Für die könnte jetzt aber die neue Platte der Engländer etwas sein. Auf „I see you“ wollte die Band einen eher positiven und offenen Sound ausprobieren.

The xx - On Hold

Exorbitant grooviger Sound

„I see you“ hat alles, wofür man The xx kennt und liebt: groovige Basslines, recht minimalistische Gitarrenriffs und die elektronischen Beats von Jamie xx. Und der hat sich auf dem neuen Album besonders ausgetobt. Gleich der erste Song „Dangerous“ schmettert einem eine Fanfare entgegen, die den eher Sample-lastigen Sound von „I see you“ ankündigt. Auch deshalb ist die erste Single aus dem Album „On Hold“ ein wahrer Gassenhauer. Die zweite Single aus dem Album „Say Something Loving“ kommt als klassischer Lovesong um die Ecke. Der ist recht untypisch für The xx und sowohl musikalisch als auch textlich ziemlich aufmunternd.

Extrem gefühlvoll gesungen

Trotzdem sollte man nicht erwarten, dass The xx jetzt inhaltsleeren EDM machen. Gerade die Texte bleiben dafür einfach ein wenig zu düster. Es werden typisch für die Band Themen angerissen, wie etwa Trennung von seinen Geliebten, die eigene Unzulänglichkeit und die Sehnsucht nach einem niemals erreichbaren „mehr“. So weit, so bekannt. Der Sellingpoint bei The xx ist dabei der wechselnde Gesang von Romy Madley Scott und Oliver Sim. Aber auch wenn Sängerin Romy bei Songs wie „Performance“ alleine vorm Mikrofon steht, muss man eigentlich biologisch gesehen Gänsehaut kriegen.

Exquisit abgeliefert von den Engländern

Ich will jetzt niemandem ein X für ein U vormachen. Für die einen ist und bleibt The xx wahrscheinlich so eine richtig langweilige Kitschband. Fair Enough. Mit „I See You“ haben The xx aber ganz gut den Spagat zwischen tanzbaren Beats, herzergreifenden Texten und an der ein oder anderen Stelle sogar recht fröhlichen Melodien geschafft. Dabei schaffen sie es mit dem Album ihrem Sound treu zu bleiben, sich aber dennoch weiterzuentwickeln. Und jeder, für den das nix ist, der hat vielleicht einfach kein Herz.

 

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Heinrich Jakunin
17.01.2017 - 00:55
  Kultur

The xx: I See You

Tracklist:

1. Dangerous*

2. Say Something Loving*

3. Lips

4. A Violent Noise

5. Performance*

6. Replica

7. Brave for You

8. On Hold*

9. I Dare You

10. Test Me

 

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 13.01.2017
Young Turks