Albenrezension: MGMT

Ein Abstecher in die 80er

Vorbei die Zeiten von „Kids“ und schrammeligem Indie-Rock. Auf ihrem vierten Studioalbum „Little Dark Age“ begeben sich MGMT auf eine musikalische Reise in die 80er Jahre. Thematisch haben sie aber immer das Zeitgeschehen im Auge.
Nach fünf Jahren Pause melden sich Ben Goldwasser (l.) und Andrew VanWyngarden (r.) mit neuer Musik zurück.

Das 21. Jahrhundert – ein kleines, dunkles Zeitalter. Jede*r ist mit sich und dem eigenen Instagramprofil beschäftigt. Informationen prasseln ungefiltert auf uns ein. Was Wahrheit und was Lüge ist, muss jede*r für sich herausfinden. Ein dunkles Zeitalter - weil wir inmitten der Reizüberflutung die Hand vor Augen kaum sehen.

Diesen Eindruck haben zumindest MGMT. Auf seinem vierten Studioalbum will das Duo vor allem eins: Seine Beobachtungen über unser Jahrhundert mitteilen. Fünf Jahre sind zwischen dem Release von „Little Dark Age“ und Vorgänger „MGMT“ vergangen. Fünf Jahre also, in denen Andrew VanWyngarden und Ben Goldwasser ausreichend Zeit hatten, Eindrücke zu sammeln und zu verarbeiten.

Trump, Trump, überall Trump

Zu beobachten gab es einiges. Allen voran wäre da der erfolgreiche Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump. Eine Zeit, die VanWyngarden und Goldwasser aufgebracht und schockiert hat. Die Songs „Hand It Over“ und „One Thing Left To Try“ wurden zwei Tage nach der Präsidentschaftswahl aufgenommen, aber schon lange im Voraus geschrieben. Die Unsicherheit, die MGMT während des Wahlkampfs gefühlt haben, hatten Einfluss auf die Texte beider Songs.

I don't wanna die!
Wishing I'd done something
Before then what's required
To last until the sunset

- MGMT in „One Thing Left To Try“

Musikalisch lassen sich MGMT ihre negativen Gefühle nicht anmerken. „Little Dark Age“ bricht mit dem gewohnten Sound des Duos. Statt harschem, krachigem und psychedelischem Synth-Rock widmen sie sich sanftem 80er-Pop. Schöne Synthie-Melodien treffen auf eingängige Basslinien. Die Songs sind elektronisch, warm und weitestgehend tanzbar.

Perfekt ist gerade gut genug

Ein möglicher Grund für den Umbruch ist die erstmalige Zusammenarbeit mit dem Produzenten Patrick Wimberly (Chairlift, Kelela, Blood Orange). Der ermutigte MGMT, ihre Songs bis zur Perfektion zu verbessern. Ein Anspruch, der hörbar wird. „Little Dark Age“ ist ein in sich stimmiges Album. Einen richtigen Hit findet man nicht, dafür aber zahlreiche ausgeglichene, starke Songs.

Doch nicht nur ihre Produzenten Patrick Wimberly und Dave Fridmann (The Flaming Lips, Tame Impala, Sleater-Kinney) haben MGMT unter die Arme gegriffen. Das Duo arbeitet seit Jahren mit Live- und Studiomusikern zusammen. Auch Kollege Ariel Pink lässt sich in den Credits finden. Er schrieb den Text zu „When You Die“.

Go fuck yourself
You heard me right
Don’t call me nice again
Don’t you have somewhere to be at seven thirty?
Baby, I’m ready, I'm ready, ready, ready to blow my brains out

 

- MGMT in „When You Die“

Dunkel, aber nicht verloren

Musikalisch ist „Little Dark Age“ ein angenehmer Abstecher in die 80er. Gleichzeitig behandelt es aber aktuell relevante Themen. Mediale Reizüberflutung, die Besessenheit mit der Selbstdarstellung auf sozialen Netzwerken oder Trump als US-Präsident. Davon erzählen MGMT. Mal mit ehrlicher Traurigkeit, mal mit viel Humor.

Ihr Optimismus geht dem Duo aber an keiner Stelle verloren. Das Jetzt ist auch nicht das Ende der Welt. MGMT beschreiben nicht den Weltuntergang. Sie glauben an eine bessere Zukunft. Und bis es soweit ist, heißen sie uns im „Little Dark Age“ willkommen.

Die Rezension zum Nachhören gibt's hier:

Die Rezension zu „Little Dark Age“ von Ariane Seidl.
Rezension: MGMT - „Little Dark Age“

 

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Ariane Seidl
21.02.2018 - 15:49
  Kultur

MGMT: Little Dark Age

Tracklist:

*Anspieltipps

1. She Works Out Too Much
2. Little Dark Age*
3. When You Die*
4. Me and Michael
5. TSLAMP
6. James
7. Days That Got Away
8. One Thing Left to Try*
9. When You’re Small
10. Hand It Over

Erscheinungsdatum: 09.02.2018
Sony Music