Kommentar

Eigenlob stinkt, Eigenwerbung erst recht

Der deutsche Pressekodex mahnt, Werbung und redaktionellen Inhalt klar voneinander abzugrenzen. Alles andere grenzt an Schleichwerbung. Die LVZ nahm es damit heute allerdings nicht so genau, findet mephisto97.6-Redakteurin Charlotte Schulze.
LVZ
Promotet sich die LVZ selbst?

In der heutigen LVZ-Ausgabe nimmt ein großer Artikel über die Hälfte der Seite vier in Anspruch. Seine Überschrift: „Madsack startet Basislager in Leipzig“. In dem Text geht es um die feierliche Eröffnung eines Existenzgründer-Zentrums namens „Basislager" im Peterssteinweg Nummer 14. Junge Start-Up-Unternehmer können dort zusammenkommen und für 100 Euro im Monat Arbeitsplätze anmieten. Initiator des Existenzgründer-Zentrums ist Madsack – die Verlagsgesellschaft aus Hannover und der Besitzer der LVZ. Und der Vermieter der Arbeitsplätze im Basislager ist die LVZ. Die Zeitung berichtet also über Räume, die sie selbst vermietet und preist die Vorzüge der Räumlichkeiten und der dort entstehenden Arbeitsflächen an.

Zusammen mit Mietpreis, Quadratmeteranzahl, Empfehlungen von Mietern und Kontakt des Maklers, äh, Entschuldigung, ich meine Manager des Coworking Space. Alles verpackt in einen fünfspaltigen Artikel mit Bildergalerie. Das ist Werbung, verpackt in redaktionelles Gewand und nennt sich eigentlich Advertorial. Und nicht Artikel. Der deutsche Pressekodex findet Advertorials nicht so gut und weist auf die strikte Trennung zwischen Werbung und redaktionellem Inhalt hin, um Schleichwerbung zu verhindern. Diese Trennung verläuft nicht immer akkurat. Auch die großen Medien wie Die Zeit und F.A.Z. debattieren darüber. Und während dieser Debatte promotet sich die LVZ in der heutigen Ausgabe einfach selbst. Seite vier, eigentlich für Berichte aus Sachsen und Mitteldeutschland bestimmt, wird als Anzeigenfläche für LVZ-Immobilien missbraucht. Wie das zum lokaljournalistischen Angebot beitragen soll, das Madsack angeblich so wichtig ist, ist fraglich. Auf jeden Fall sparen LVZ und das Basislager mit diesem fünfspaltigen "Artikel" um die 6.000 Euro. Soviel verlangt die LVZ jedenfalls eigentlich für Immobilienanzeigen in dieser Größenordnung.

Ein Kommentar von Charlotte Schulze
 

 

 

Kommentare

Meldet ihr den Fall dem Presserat? Dann würde der feststellen, ob der Pressekodex verletzt wurde und ggf. eine Ermahnung aussprechen. Das wäre eine gute Ergänzung zu dem Beitrag, sonst wirkt es doch ein wenig halbherzig.

Ich teile die Einschätzung dieses Kommentars überhaupt nicht. Die Eröffnung eines solchen Areals hat ganz klar Nachrichtenwert. Die Eigentümerverhältnisse und also die wirtschaftliche Interessenslage ist in der Berichterstattung eindeutig erklärt. Sorry, aber aus meiner Sicht habt ihr euch mit dem Kommentar etwas verrannt.

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Charlotte Schulze
16.04.2015 - 20:10