Bandportrait: The Velveteins

Edmontons schönste Surf-Gitarren

Hierzulande zwar noch unbekannt, aber verlässliche Ansprechpartner für starken Psychedelic-Pop: The Velveteins. Anfang 2019 tourten sie das erste Mal als Headliner durch Europa, dabei auch durch Leipzig. Höchste Zeit, das Trio näher zu beleuchten.
The Velveteins (v.l.): Dean Kehroufi, Spencer Morphy und Addison Hiller
The Velveteins (v.l.): Dean Kheroufi, Spencer Morphy und Addison Hiller

Weiche Synthies, verwaschene Gitarren und gedämpftes Schlagzeug. The Velveteins machen Musik, die klanglich so gar nicht ins kalte Kanada passen will. Das verdankt das Trio vor allem Sänger Spencer Morphy. Er gründete die Band, als er 2014 aus Australien zurück ins kanadische Edmonton zog. Wieder in der Heimat begann er, die Eindrücke der australischen Musikszene stärker zu verarbeiten:

Als ich zurück nach Kanada kam fing ich an, mehr australische Bands zu hören. Ich habe auch angefangen, ältere Bands zu hören, so aus den Sechzigern. Die Beach Boys zum Beispiel. Ich denke, der Gitarrensound lässt es so surfy klingen. 

Spencer Morphy, Leadgesang und Gitarre

Das Interview in voller Länge findet ihr hier:

Musikredateurin Ariane Seidl im Gespräch mit The Velveteins.
Musikredateurin Ariane Seidl im Gespräch mit The Velveteins.

Zu dem Zeitpunkt gab es nicht besonders viele Bands in Edmonton, so Morphy. Leute, die mit ihm spielen wollen, fand er trotzdem schnell. Addison Hiller und Dean Kheroufi kannte er über ein paar Ecken. Hiller übernahm das Schlagzeug, Kehroufi den Bass. The Velveteins waren nun vollständig besetzt und begannen, Songs zu schreiben.
 

Zwischen Eigenregie und Nashville

„Fresh Claws“, die erste EP der Band erschien noch im selben Jahr – geschrieben und produziert in kompletter Eigenregie. Für ihren zweiten Release gab’s für The Velveteins dann prominente Hilfe. Lincoln Parish, Ex-Gitarrist von Cage The Elephant, produzierte die zweite EP der Kanadier. Dafür lud ihr sie in sein Heim-Studio in Nashville ein. Für The Velveteins eine Chance, die sie sich nicht entgehen lassen wollen. Der Kontakt zu Parish entstand aber relativ unspektakulär, erinnert sich Hiller:

Ich glaube, er ist einfach auf uns aufmerksam geworden. Lincoln verließ die Band (Cage The Elephant), um das Studio zu eröffnen. Dann hat Spencer ihm einfach ‘ne Mail geschrieben. Wir hatten da ja gerade die erste EP selbst aufgenommen und meinten: ‚Das sind unsere Tracks; hättest du vielleicht Lust mal mit uns zu arbeiten?‘. 

Addison Hiller, Schlagzeug

Ihre zweite EP, „A Hot Second With The Velveteins“, erschien 2015. Dank Parish konnten die Kanadier ihr Handwerk verfeinern – als Musiker und als Produzenten. Andererseits gab es für sie in Nashville außerhalb des Studios auch nicht allzu viel zu erleben – aus ganz profanen Gründen:

Wir waren noch minderjährig, als wir da waren. Wir konnten also nicht trinken… oder ausgehen. (lacht) Aber mit Lincoln abhängen war cool. Er hat immer Geschichten von berühmten Leuten erzählt, die neben ihm gewohnt haben. Außerdem hatte er haufenweise tolle Instrumente. Es hatte was Schönes, einfach drinnen zu sein und aufzunehmen.

Spencer Morphy, Leadgesang und Gitarre

Netflix und Metal-Kneipen

Zurück in Kanada wollten The Velveteins ihre neuen Songs so schnell wie möglich live spielen. Neben zahlreichen Headline-Shows gelang ihnen das auch als Support-Act von Acts wie Milo Greene oder July Talk. 2017 erschien dann mit „Slow Wave“ ihr Debütalbum. Auch hier blieben The Velveteins ihren Stärken treu: Psychedelic-Rock mit warmen Surf-Gitarren und verträumten Synthie-Landschaften. Besondere Aufmerksamkeit erlangte das Album durch die Hilfe von Netflix. Die Verfilmung des Bestsellers „To All The Boys I’ve Loved Before“ featurte ihren Song „Daydreams“.

Und nachdem sich The Velveteins in ihrer Heimat vom Geheimtipp immer weiter nach oben gemausert haben nehmen sie jetzt auch Europa schärfer in den Blick. Anfang des Jahres zogen sie mit ihrer ersten Headlinetour durch Deutschland, die Niederlande und die Schweiz. Zehn Shows, von denen jede ein Highlight für sich war. Da wäre zum Beispiel die Metal-Kneipe in Hannover, deren Besitzer weder Deutsch noch Englisch sprach. Lustig war’s trotzdem, meinen The Velveteins. Insgesamt wurden ihre Erwartungen über Längen übertroffen, meint Hiller:

Ich denke, alle Shows waren unvergesslich, weil wir gar nicht erwartet haben, dass irgendwer kommt – zu irgendeiner Show. Und dann waren sie einfach alle super gut. 

Addison Hiller, Schlagzeug

Auch bei ihrer Show im Leipziger Noch Besser Leben konnten sich The Velveteins über ein volles Haus freuen. Ihre nächste Tour durch Europa ist zwar noch nicht in trockenen Tüchern, bei ihrer Euphorie über das hiesige Publikum aber definitiv denkbar. Und wer kann, sollte den Velveteins eine Chance geben. Denn: Sie halten sowohl auf Platte als auch live Überraschungen bereit. Das verspricht auch Morphy, der eine klassische Velveteins-Show folgendermaßen zusammenfasst:

Sie sind ziemlich… laut. Ziemlich energiegeladen. (lacht). Manchmal verschütten wir Bier, manchmal reden wir dummes Zeug. Es ist auf jeden Fall ‘ne Menge Energie. Wir spieler lauter als auf Platte.

Spencer Morphy, Leadgesang und Gitarre

Das Bandportrait zum Nachhören findet ihr hier:

Im Portrait: The Velveteins

Moderation: Peggy Fischer
VO: Spencer Morphy - Lucas Schwarz; Addison Hiller - Martin Pfingstl

Im Portrait: The Velveteins
 

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Ariane Seidl
05.04.2019 - 12:15
  Kultur

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