Frisch Gepresst: WhoMadeWho

Drei Erwachsene im Synthie-Himmel

WhoMadeWho sind für Tanzflächen füllende Disco Hits bekannt. Die drei Dänen lassen sich aber nichts vorschreiben. Deswegen klingt ihr sechstes Studioalbum anders als gewohnt.
WhoMadeWho sind Jeppe Kjellberg, Tomas Barford & Tomas Hoffding

Noch bis vor wenigen Jahren waren WhoMadeWho nicht von den Festivals dieses Kontinents weg zu denken. Ihre nicht enden wollende Energie war ein Garant für eine unglaubliche Live-Show, die ihres gleichen suchte.

Aber erstmal auf Anfang: Nachdem sich Jeppe Kjellberg, Tomas Barford und Tomas Hoffding 2003 in Kopenhagen trafen, entschieden sie, ihr aus anderen musikalischen Projekten gesammeltes Wissen zu bündeln und benannten ihre gemeinsame Band nach dem ACDC-Klassiker „Who Made Who“. Weit weg von dem stand allerding ihre eigene Musik, denn WhoMadeWho wendeten sich der Disco-Musik zu. Mit ihrer ersten Veröffentlichung „Two Song For Your Party“ lieferten sie zwei Cover Songs und erlangten jede Menge internationale Aufmerksamkeit. Dem folgte dann 2005 das selbstbenannte Debütalbum. Vier weitere Alben ließen nicht lange auf sich warten und die waren vollgepackt mit Disco Hits, hypnotischen Beats und Surf Rock Hymnen. Für eine Weile traten die drei Dänen für den extra Spaß-Faktor in Skelett-Anzügen auf und machten sich damit endgültig einen Namen.

Entgegen der Erwartungen

Seit dem letzten Album „Dreamers“ sind vier Jahre vergangen und WhoMadeWho knüpfen auf ihrem neuen Album „Through the Walls“ an das an, was sich schon auf der letzten Platte angedeutet hatte: es wird deutlich ruhiger.

Der erste Song „Neighbourhood“ ist gemäßigter Synthpop, atmosphärisch, hypnotisierend und soll nacheignen Aussagen an einen „unbeschwerten Trip in der Wüste“ erinnern. Genauso entspannt sind auch „Crystal“ und „Goodbye to All I Know“. Gerade letzterer ist wahrscheinlich an das Mantra der Band angelehnt: Wir machen was wir wollen und lassen uns nichts vorschreiben.

Neben ein paar textlosen Zwischenstücken, die das Album schön beisammenhalten, gibt es auch Songs, die aus dem ruhigen Synthie-Teppich hervorstechen. Im Hit „I don’t know“ wechselt Sänger Kjellberg scheinbar mühelose zwischen Falsett Gesang und tieferer Stimmlage hin und her. Der Song bleibt dank eines Mix aus elektronischen Spielereien und wuchtigem Studio Equipment der radiotauglichste Titel des Albums. Diesen hymnenhaften Charakter kann man auch im Titeltrack der Platte heraushören. Für den haben sich die Dänen Unterstützung von Nina Kinert, einer schwedischen Sängerin geholt. Durch das angezogene Tempo und einen treibenden Beat kann man sich WhoMadeWho auf einmal wieder auf einer Festivalbühne vorstellen. Das passt auch zum Thema des Songs, der zum Weglaufen animieren soll.

Let’s Get Physical

Nicht nur zum Weglaufen wollen WhoMadeWho ihre Hörer bringen, sondern auch zu mehr Sex. Die erste Single „Dynasty“, die mit wundervoll groovigen Disco Beat daherkommt, empört sich darüber, dass Menschen heutzutage, trotz Tinder und Co, weniger Sex haben. Ein Anstoß, sich aus der digitalen Welt und wieder mehr Richtung physische Nähe zu bewegen.

Neben dem düsteren „If this is your Love“, der mit langen sphärischen Synthie-Klängen auch einem Klavier Raum lässt, überrascht, in dem sonst vorrangig elektronisch produzierten Album, der Song „Surfing on A Stone“. In dessen zweiter Hälfte hat sich nämlich tatsächlich eine echte Akustik Gitarre eingeschlichen.

Fazit

Als WhoMadeWho ins Studio gingen um „Through the Walls“ aufzunehmen, war ihnen bewusst, dass der große kommerzielle Erfolg wohl ausbleiben wird. Und den brauchen sie auch nicht, denn jeder der Mitglieder hat nebenbei zahlreiche andere Projekte am Laufen. Deswegen konnten sich die dänischen Meister des Elektro in ihrem neuen Album austoben und jedem Song so viel Zeit lassen, wie er braucht. Die zwölf Titel sind alle weise arrangiert. Auch wenn man sich hin und wieder ein echtes Schlagzeug oder den guten alten Bass zurückwünscht, bleibt man doch gespannt, wie die Band ihre legendären Live-Shows weiter entwickelt.

 

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Marie Jainta
22.01.2018 - 13:59
  Kultur

WhoMadeWho: Trough the Walls

Tracklist:
  1. Neighbourhood
  2. Crystal
  3. Dynasty*
  4. I don't know*
  5. Putpie
  6. Goodbye to All I know*
  7. Through the Walls*
  8. Belong
  9. Funeral Show
  10. If this is your Love
  11. Surfing on a Stone*
  12. Keep On

*Anspieltipps 

Erscheinungsdatum: 19.01.2018
Embassy of Music

WhoMadeWho sind bald in Deutschland live zu erleben:

  • 27.02. Köln - Stollwerk
  • 28.02. München - Technikum
  • 01.03. Nürnberg - Z Bau
  • 02.03. Berlin - Festsaal Kreuzberg
  • 03.03. Hamburg - Mojo

Tickets bekommt ihr hier

 

WhoMadeWho haben auch ihre eigene Radio Show. Dort erzählen sie einmal im Monat Geschichten aus ihrem Band- und Cluballtag. Zu finden ist der Podcast "WhoMadeWho Worldwide Radio" hier