Stadtratswahl 2019

Was beschäftigt Wahlkreis 4?

Leipzig gilt als Graffitihauptstadt Sachsens. Im Hinblick auf die Stadtratswahl im Mai haben wir im Leipziger Süden nachgefragt: Sind Graffitis für euch Dreck oder Kunst?
Stadtratswahl Leipzig 2019 - Wahlkreis 4
Stadtratswahl Leipzig 2019 - Wahlkreis 4

 Der Beitrag zum Nachhören:

Graffitis im Leipziger Süden - Wahlkreis 4, von Lisa Paschold und Charis Mündlein
BmE Graffitis Leipziger Süden

Die Zahlen illegaler Graffitis und Tags in Leipzig nehmen zu. Die Stadtverwaltung hat ein jährliches Kontingent von 300.000 Euro, um diese zu entfernen. Aber stören Graffitis auch die Leipziger Bevölkerung?
Bei der Straßenumfrage auf der Karl-Liebknecht-Straße erhalten wir ein gemischtes Stimmungsbild: Für die einen gelten die Bemalungen als respektlose "Schmierereien", andere empfinden sie als eine kunstvolle Bereicherung. Kunst mag Geschmackssache sein. Schwierig wird es jedoch, wenn das persönliche Eigentum betroffen ist. Auf der Karl-Liebknecht-Straße treffen wir Herrn Holle, der dort in einem Burgerladen arbeitet. Er erzählt aus seiner Perspektive als betroffener Gewerbetreibender:

Man kann heute seinen Laden neu streichen und morgen ist da wieder ein Tag dran, das ist so ein bisschen eigenartig und ein bisschen unschön.

Holle, Burgerladenbesitzer

Die Fassaden seiner drei Läden muss er regelmäßig neu streichen, nächste Woche zum Beispiel steht ein neuer Anstrich an. Dafür entstehen zusätzliche Kosten in Höhe von bis zu 1.000 Euro im Jahr.

Aufwändige Graffitientfernung

Um störende Graffitis zu entfernen, gibt es in Leipzig auch Firmen, die sich auf die Reinigung bemalter Außenflächen spezialisiert haben. Eine von ihnen ist "Excolor". Chef Mirko Herrmann ist täglich in Leipzig unterwegs und landet dabei manchmal auch nach zwei Wochen wieder am gleichen Ort. Ein klares, immer wieder auftauchendes Muster gleicher Tags und Graffitis kann Mirko Hermann nicht erkennen. Seine Aufträge seien jeden Tag sehr unterschiedlich, so wie auch die Auftraggebenden: Die Stadt Leipzig, Genossenschaften, Bauherren und Privatleute beauftragen ihn. Eine Reinigung kostet um die 100 Euro für zwei Quadratmeter, das ist abhängig von Material und Oberfläche.

Mehr Farbe in der Stadt

Während Hermanns Kunden sich eine Entfernung der Graffitis wünschen, kann für Semilla Graffiti auch viel Positives in die Welt bringen. Sie lebt in Leipzig und beobachtet, wie die Stadt um sie herum bemalt wird. Dabei hinterlässt sie auch selbst gerne kleine Nachrichten in der Stadt:

Für mich ist das so ne Art und Weise mich durch die Stadt zu bewegen und die Stadt wahrzunehmen, und auch mit der Stadt umzugehen. Ich finde es schön, Farbe in die Stadt zu bringen und kleine Nachrichten zu verteilen, woran Menschen sich eventuell erfreuen können.

Semilla

Dabei sucht sie sich die Plätze sehr genau aus, auf denen sie malt, denn sie möchte nicht provozieren oder persönliches Eigentum verletzen. Größere Tags auf privaten Fassaden findet sie respektlos. Wieso trotzdem oft Privateigentum bemalt wird, kann sie aber verstehen: Menschen wollen sich so Gehör in unserer Gesellschaft verschaffen. Eine Möglichkeit sich mit Graffitikunst auszuleben, ohne dabei Privateigentum zu verletzen, sind legale Sprayflächen. In Leipzig gibt es momentan acht Stück davon, zum Beispiel im Werk 2, dem Conne Island oder in der Gießerstraße. Für die rund 400 aktiven Sprayenden in der Stadt ist das kaum ausreichend, die Stadtverwaltung will allerdings künftig mehr davon zur Verfügung stellen.

 

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