Konzertbericht: Drangsal

„Wir waren großartig!"

Der 25-jährige Indiesänger bewies am 29.11. im UT Connewitz wieder einmal, dass seine Band und er einfach Spaß machen. Mitreißende Songs, eine großartige Venue, Moshpits und Musik vom feinsten – Randale eben.
Drangsal
Drangsal im UT Connewitz

Ein Abend mit Drangsal ist ein Abend, der in Erinnerung bleibt. In der letzten Novemberwoche war es wieder so weit: Endlich konnten auch die Leipziger Drangsal-Fans in den Genuss eines seiner Konzerte kommen.
Der aus Herxheim bei Landau stammende Musiker befindet sich zum Zeitpunkt des Konzerts gerade auf dem ersten Teil seiner Zores-Tour - der Tour zum gleichnamigen Album. Dieses veröffentlichte Drangsal bereits am 4. Mai diesen Jahres. Das ist also genug Zeit für die Fans die Texte auswendig zu lernen.

Headbanging und Weißwurstessen

Es ist 19.00 Uhr im UT Connewitz, einem der ältesten noch erhaltenen Lichtspieltheater Deutschlands. Nach und nach strömen die Leute in den Saal und es ist genau so, wie Max Gruber, so Drangsal mit bürgerlichem Namen, schon im Interview mit mephisto 97.6 vorher verraten hat:

Hier gleicht kein Zuschauer seinem Nebenmann, beziehungsweise seiner Nebenfrau.

Drangsal, im Interview mit mephisto 97.6

Das Publikum ist gut durchmischt, zu finden sind einige punkig angehauchte Outfits und auch Drangsal-Merch in den verschiedensten Formen. Eins haben sie jedoch alle gemeinsam. Die Vorfreude auf Drangsal ist groß und die Lust die Hütte abzureißen, wie sich später noch rausstellen sollte, auch.

Los geht’s jedoch erst einmal mit der Vorband Pabst, einem modernen Rocktrio aus Berlin. Erst 2018 veröffentlichten die äußerst sympathischen Jungs ihr Debütalbum „Chlorine“. Pabst haben ein bisschen was von Nirvana, schreddern ordentlich auf ihren Gitarren rum und haben ziemlich viel Potenzial. Teile des Publikums sehen das scheinbar genau so, denn auch wenn die Stimmung eher kontrolliert ist, kann doch hier und da mal ein wenig Headbanging beobachtet werden. „Zugabe“-Rufe gibt’s nicht, doch nach dem Auftritt von Pabst folgt auch schon das nächste Highlight. Der Vorhang geht auf und die Wartenden bekommen den Kurzfilm „Das Weißwurstessen“ von Irmgard und Franz Roth zu sehen.

Zusammenhang und Sinn?

Fragwürdig, ob einer besteht, aber die Menge lacht. Dann endlich: Der Vorhang schließt sich, es wird dunkel im Saal und Drangsal & Band betreten die Bühne. Drangsal klassisch im sportlich-trashigen Jogginganzug und von Anfang an hyped. Generell ist die ganze Band beim gut eine Stunde andauernden Auftritt sehr motiviert dabei. Alle wirken so, als hätten sie ordentlich Spaß, nehmen sich Zeit, um untereinander und miteinander zu grooven und bringen auch das Publikum ordentlich ins Schwitzen. Es wird lautstark mitgesungen, geklatscht und mitgetanzt. Drangsal dazu:

Ihr seid das erste Publikum, das es schafft im Takt mit zu klatschen.

Drangsal am 29.11

Max heizt die Menge mit aufputschenden Worten wie „Habt ihr Bock ab zu dancen?“ an und begibt sich auch selber mal unter seine Fans, um eine Runde das Tanzbein zu schwingen. Ständig wird ein neues, riesiges Moshpit eröffnet – besser kann die Stimmung bei einem Konzert kaum sein.

Einem Höhepunkt folgt der nächste und schwupps sind die Jungs auch schon von der Bühne verschwunden. Das lassen sich die Zuschauenden jedoch nicht gefallen, die Menge lechzt nach mehr. „Zugabe“-Rufe schallen durch den Saal und es wird äußerst elanvoll ein Weitermachen gefordert. Das hört jede Band doch gerne und so geben Drangsal und seine Band mit den letzten Liedern noch einmal alles. Inklusive dem Stimmungsmacher, dem eventuell besten Live-Cover überhaupt - „1001 Nacht“ von Klaus Lage.

Mit dem Ende des Auftrittes ist aber noch nicht Schicht im Schacht. Die Rufe der Fans werden erhört - der erwünschte DJ Schwede wird aufgedreht. Zu „Ihre Bestellung bitte“ wird geravt, was das Zeug hält. Auch die Band lässt sich von der erschlagend guten Stimmung anstecken und kommt wieder von der Tribüne herunter. Die unterschiedlichsten Partyschlager werden angemacht und so wird auch nach Konzertende lange fröhlich weiter gefeiert.

Drangsal und Ba

Popunsympath Drangsal?

Max Gruber interagiert enorm oft mit dem Publikum während seines Auftrittes – sowohl im negativen als auch im positiven Sinne. Er spricht viel mit den dankbaren Zuschauerinnen und Zuschauern, wie etwa über seinen Song „Laufen lernen“ oder die Wellen schlagende Fanfiktion eines Drangsal-Fans. Dabei wirkt er teils ganz privat und äußerst lustig. Mit netten Worten wie: „Leipzig ihr seid so nice“, gewinnt er das Herz eines jedes Fans und zeigt sich auch nach dem Konzert noch äußert interessiert am Kontakt zu seinen Anhängerinnen und Anhängern. Fotos dürfen gemacht werden und es gibt auch Zeit für hier und da mal ein paar persönliche Worte. Drangsal wirkt happy.

Dass Drangsal jedoch nun einmal Drangsal ist, inklusive seiner berühmt-berüchtigten Stimmungsschwankungen, lässt sich auch nicht verbergen. So wird eine Zuschauerin zwischenzeitlich ordentlich von dem 25-Jährigen angeschnauzt. Diese hatte anfangs noch seine Sympathie geweckt und wurde daraufhin von ihm verheißungsvoll auf einen Drink nach dem Konzert eingeladen. Ihre offensichtliche Kontrolllosigkeit, welche sich unter anderem durch dauernde Anfrage des Klaus Lage Covers auswirkt, wird dem Indiesänger irgendwann jedoch zu viel. Im typischen Drangsal-Rant Stil, schreit er sie an. Sie solle doch jetzt endlich mal ihre Schnauze halten. Daraufhin: Stille im Raum.

Fazit

Drangsal bleibt sich während seines Leipziger Konzerts im UT Connewitz also treu. Seine Art ist nun einmal speziell und eben genau das lieben seine Fans oft auch an ihm.
Fest steht: Das Konzert war mitreißend und Viele können es kaum erwarten, dass die Zores-Tour 2019 weiter geht.

 

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Nele Rebmann
18.12.2018 - 13:45
  Kultur

Kurz und Knapp

  • Drangsal
  • 29. November 2018
  • UT Connewitz
  • Zores-Tour