CD der Woche: Broken Social Scene

Donnernde Umarmung

In der Musikbranche sind sieben Jahre eine halbe Ewigkeit. Broken Social Scene haben 2010 ihr letztes Album auf den Markt gebracht. Jetzt sind sie mit einer neuen Platte zurück. Sind die Kanadier in der Zwischenzeit in Vergessenheit geraten?
Plattencover von "Hug Of Thunder"
Mit "Hug Of Thunder" veröffentlichen Broken Social Scene eine neue Platte

Mittlerweile gibt es Broken Social Scene seit fast 20 Jahren. 1999 hat sich die Indie Rock Band in Toronto gegründet. Kevin Drew und Brendan Canning begannen damals als Duo. 2001 wurde ihr Debütalbum veröffentlicht. Auf „Feel Good Lost“ gab es instrumentale Post-Rock-Nummern zu hören.

Nur ein Jahr später gehörten schon elf Mitglieder zu Broken Social Scene. Kanadische Musiker, unter anderem auch die Sängerin Leslie Feist, gehören seitdem zur Band. Mit der Platte „You Forgot It In People“ gelang Broken Social Scene 2002 der Durchbruch. Statt Post-Rock lieferte die Band eingängige Popsongs, in denen aber auch oft genug experimentiert wurde. Drei Platten später sind Broken Social Scene jetzt mit ihrem sechsten Studioalbum zurück.

Zwillingsformeln

„Hug Of Thunder“ – Die Streber von früher werden in dem Titel der Platte schnell ein Oxymoron erkennen. Denn eine Umarmung und Donner schließen sich im Grunde aus. Broken Social Scene spielen allerdings mit dem rhetorischen Mittel:  Während Oxymora in der Literatur als dramatischer Steigerungseffekt eingesetzt werden, bringen Broken Social Scene damit einen Kontrast zum Ausdruck. Dabei stellen sie Euphorie und Dunkelheit gegenüber. Einige typische Folk-Lieder machen Lust auf’s Reisen. Andere Songs hingegen sind hymnisch instrumentiert und haben etwas sphärisch Schwebendes.

If you never run, how they gonna catch you alive?

Eins, zwei, drei, vier, viele

Für das neue Album haben Broken Social Scene wieder mit einigen Künstlern zusammengearbeitet. Unter anderem sind Emily Haines und James Shaw (Metric) sowie Amy Millan und Evan Cranley (Stars) zu Hören. Auch Leslie Feist ist wieder am Start. Von ihr stammt auch der Titeltrack der Platte „Hug Of Thunder“. Dem leiht sie ihre sanfte Stimme. Während der Track ruhig und entspannt beginnt, endet er mit fast schreiendem Gesang.

Apropos Gesang: Bei Broken Social Scene kommt jedes Bandmitglied mal ans Mikrofon. Dieser Wechsel trägt seinen Teil zur Vielfalt der Platte bei. Wie schon bei den letzten Alben legen Broken Social Scene auch auf „Hug Of Thunder“ viel Wert auf Harmonien. Text, Instrumentierung und Gesang greifen ineinander und sind nahezu perfekt aufeinander abgestimmt.

Für „Hug Of Thunder“ haben Freunde zusammengearbeitet und genau so klingt die Platte auch. Broken Social Scene schaffen mit zwölf Songs eine intime, aber nicht unangenehme Atmosphäre. Viel mehr hat man das Gefühl, gemütlich bei Freunden zu sitzen, die gemeinsam Musik machen. Dementsprechend bleiben die Melodien der Platte, sorgen aber nicht für aufdringliche Ohrwürmer.
„Hug Of Thunder“ hat ausreichend Potenzial zum Entspannen; schon der Opener der Platte „Sol Luna“ hat etwas meditatives. Ähnlich ruhig, aber nicht lahm, sind „Victim Lover“ oder „Take Me With You“. Trotzdem fehlt es dem Album nicht an Dynamik. Zu „Hafway Home“  kann man sich das Wippen nur schwer verkneifen.

Die Jam-Session im Wohnzimmer

Mit „Hug Of Thunder“ bringen Broken Social Scene eine lebhafte Jam-Session direkt ins Wohnzimmer. Für die Partymäuse wird das wahrscheinlich nichts sein. Für’s entspannte Zusammensitzen mit Freunden ist die Platte aber der perfekte Soundtrack!

 

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Lucie Herrmann
04.07.2017 - 12:09
  Kultur

Broken Social Scene: Hug Of Thunder

Tracklist:

1 Sol Luna
2 Halfway Home
3 Protest Song
4 Skyline
5 Stay Happy
6 Vanity Pail Kids
7 Hug of Thunder
8 Towers and Masons
9 Victim Lover
10 Please Take Me With You
11 Gonna Get Better
12 Mouth Guards of the Apocalypse

Erscheinungsdatum: 07.07.2017
City Slang/Universal