DOK Rezension

DOK goes Gehirnwäsche

Das 60. DOK-Festival hatte so manchen Experimentalfilm im Programm. Filme, bei denen man ratlos oder verstört ist. Einer sticht jedoch besonders hervor: Bei "A Strange New Beauty" möchte man am liebsten aus dem Kinosaal flüchten.
Password Fajara
Der düstere Kurzfilm "Password: Fajara" ist nur das Vorspiel zu "A Strange New Beauty".

Password Fajara

Der spanische Kurzfilm Password: Fajara wurde beim Dok-Festival vor A Strange New Beauty von Regisseurin Shelly Silver gezeigt. Im Dschungel von Calais harren unzählige Geflüchtete aus, die verzweifelt versuchen, durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen. Password: Fajara versucht, die Stimmung dieser beklemmenden Situation einzufangen. Der besondere Clou ist, dass der gesamte Kurzfilm mit Infrarotkameras gefilmt wurde. Die ganze Zeit über sind nur schemenhafte Umrisse zu sehen, alles ist dunkel, Menschen erscheinen wie geisterhafte Gestalten. Was sich in der Theorie nach einem spannenden Projekt anhört, scheitert jedoch an der Umsetzung. Den Machern des Films gelingt es leider kaum, die bedrohliche Atmosphäre zu transportieren.

Die Unheimlichkeit des bildästhetischen Kniffs verpufft nach wenigen Sekunden und wirkt nur noch störend, da man tatsächlich nichts erkennt. So wird das Suchen und Verstecken in der Dunkelheit der düsteren Thematik leider nur bedingt gerecht. Dazwischen wird bedeutungsschwanger die Semantik von Wörtern per Voice Over erörtert, die ebenfalls recht wenig zur Qualität des Films beitragen. Password: Fajara hätte innovativ sein können, das Experiment funktioniert aber kaum. Wobei man im Vergleich zu A Strange New Beauty, der im Anschluss dem Publikum vorgesetzt wurde, sogar noch den Ansatz einer Empfehlung aussprechen könnte.

Official Trailer - Password: Fajara (Mot de passe : Fajara) - VOSI from laudiovisual on Vimeo.

A Strange New Beauty

Shelly Silvers "Dokumentation" in Worte zu fassen, ist beinahe eine Sache der Unmöglichkeit. Einen roten Faden gibt es nicht. 50 Minuten lang sieht man Bilder aus einer prunkvollen Villa im Silicon Valley. Dazu gibt eine Stimme aus dem Off leere Phrasen wie "Animals will save us" von sich, unterstützt von allerhand Schrift. Manchmal passt das Gesprochene zum Geschriebenen auf der Leinwand, meistens aber auch eher nicht. Bilder von einem Teller mit Tiermotiv, eine Büste, Schreie, raschelnde Blätter im Wind, "One dead children is a tragedy. A million dead children are statistic", ein Löwe brüllt, ein Kind flüstert "Green Sand", ein Knallgeräusch.

Applaus! Auf derartig schwachsinnig montierte Szenen muss man erst einmal kommen. Die meiste Zeit über wird geflüstert, nicht in einer Sekunde versteht man, was einem die Regisseurin mit diesem "Film" sagen will. Angeblich wolle Shelly Silver beleuchten, was Luxus für verschiedene Kulturen bedeutet und wie Luxus auf Barabarei gegründet wird. Eigentlich will man den Film auch gar nicht verstehen, denn es grenzt beinahe an einer Frechheit, A Strange New Beauty im internationalen Wettbewerb des Dok-Festivals zu zeigen und vom Publikum auch noch Geld dafür zu verlangen. 50 Minuten lang quält man sich durch völlige Langeweile. Anfangs glaubt man noch, die verstörende Atmosphäre könne einen überzeugen, nach wenigen Minuten geht einem A Strange New Beauty nur noch auf die Nerven.

Wenn überhaupt muss man dem Film hoch anrechnen, dass man mal wieder Diskussionen zum Thema "Ist das Kunst oder kann das weg?" führen kann. A Strange New Beauty kann auf jeden Fall weg! Eine dreiste Aneinanderreihung schwachsinniger und völlig langweiliger Bild-Ton-Spielereien mit kalenderspruchartigen Plattitüden. Wer sich gerne Hypnosevideos aus den Tiefen des Dark Web ansieht, kommt hier vielleicht auf seine Kosten. Ansonsten ist A Strange New Beauty der absolute Tiefpunkt aus dem Programm des 60. Dok-Festivals.

A Strange New Beauty - Trailer/Dining Room from Shelly Silver on Vimeo.

 

Kommentieren