DOK 2017

DOK am Donnerstag

Das 60. Dok-Festival hat zu seinem Jubiläum über 300 Filme in seinem Programm. Um sich in diesem "Film-Berg" zurechtzufinden, gibt es aus unserer Redaktion täglich eine Rückschau auf den Vortag.
"Parallel Planes" begeleitet ein Reihe junger Indie-Musiker aus den USA

Parallel Planes

Dutzende eher unbekannte Musiker, die in Großstädten quer über die USA verteilt leben, musizieren und verbinden dabei verschiedenste Stile miteinander. Eines haben sie alle gemeinsam: sie sind Indie, also unabhängig von großen Labels und dem Geschmack der Masse. Diese Musiker sind die Protagonisten des Dokumentarfilms Parallel Planes. Auf eine charmante Art zeigt der Film, was sie alle verbindet. Einerseits ist das der unbändige Wille, der eigenen Ausdrucksweise treu zu bleiben, statt profitorientiert vorzugehen. Andererseits ist es der Wunsch kleiner, oft durch die Musiker selbst geführter Indielabels, diese Ausdrucksweisen zu dokumentieren. Parallel Planes zieht die Verbindungen schnell und unverstrickt, gerade durch einen sehr dynamischen und konsequenten Schnitt. Jedem Protagonisten und seiner oder ihrer Band wird nur ein kleines Zeitfenster zugestanden, dann geht es weiter. Verbunden werden sie alle aber immer wieder durch inhaltliche Blöcke. Das funktioniert wunderbar und so hinterlässt der Abschlussfilm von Regisseurin Nicole Wegner bleibenden Eindruck. Zu sehen ist Parllerl Planes beim DOK Leipzig vorerst aber leider nicht mehr.

"Parallel Planes" Trailer

Talking Money

Was haben alle Nationen kulturübergreifend gemeinsam? Nichts läuft ohne die Banken - eine schmerzliche Realität der globalisierten Welt. Regisseur Sebastian Winkels hat diesen Umstand zum Anlass genommen, einen Dokumentarfilm über den Umgang zwischen Mensch und Bank zu drehen. Dafür setzt er sich mit seiner Kamera zu Kundenberatungen rund um den Globus, von Bolivien bis nach Pakistan, von Benin bis in die Schweiz. Die Bilder, welche er festhält, hinterlassen ein unbehagliches Gefühl. Wie Menschen in finanzieller Not gezwungen sind, sich beim Bankangestellten anzubiedern oder um einen Aufschub der Zahlungen zu flehen… das erzeugt beim Zusehen fast schon Ekel gegenüber dem Finanzsektor. Winkels arbeitet dabei ganz simpel: die Kamera ist stationär, immer blickt man über die Schulter des Bankers. Im Fokus stehen alleine Mimik und sonstige Körpersprache der Kunden. Mehr muss man allerdings auch gar nicht sehen, die einseitige Beobachtung und der meist sehr strategische Dialog reichen vollkommen aus, um bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Talking Money könnte als Titel kaum besser gewählt sein und ist definitiv eines der diesjährigen Highlights.

"Talking Money" Trailer

209 Rue Saint-Maur, Paris, 10ème, The Neighbours

Die französische Regisseurin und Schriftstellerin Ruth Zylberman wandert gerne durch die Straßen von Paris. Immer auf der Suche nach Geschichten, nach neuen Inspirationsquellen. 
Durch Zufall stößt sie auf das Wohnhaus mit der blauen Eingangstür und dem schönen Innenhof an der Rue Saint-Maur, dessen Geschichte sie in den folgenden Jahren versucht minutiös aufzuarbeiten. Ihre Recherche führt sie in Vororte von Paris, nach Tel Aviv, Melbourne und New York. Dort trifft sie auf ehemalige Bewohner, die während der Deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg im Gebäude lebten. Unter ihnen befinden sich manche der wenigen Überlebenden, die den Männern der Gendarmerie und der SS entkommen waren. In dem Dokumentarfilm « Les Enfants du 209, Rue Saint-Maur, Paris Xe » erarbeitet Ruth Zylberman puzzleartig die tragischen Biografien zwischen den Mauern des Hauses. Sie bringt alte Bekanntschaften zusammen und schenkt den verstorbenen Opfern endlich eine wertschätzende Erinnerung.
"209 rue Saint-Maur, Paris, 10ème – The Neighbours"

Bildelektrik. Das Kino von Jay Rosenblatt 3

Jay Rosenblatt ist der diesjährige Gast der Hommage Sonderreihe auf dem DOK. Ihm ist eine Retrospektive Reihe gewidmet, in der Filme aus den verschiedenen Zeiten seines Schaffens gezeigt werden. "Bildelektrik. Das Kino von Jay Rosenblatt 3" zeigt dabei neun seiner Filme aus den Jahren von 1990 bis 2014. Der längste Film geht sechzehn Minuten und der kürzeste gerade einmal eine Minute. Rosenblatt setzt seine Filme hauptsächlich aus Archivmaterial, aus bestehenden Aufnahmen zu einem bestimmten Thema zusammmen. Dabei verschwimmen häufig die Grenzen zwischen dem Dokumentarischen und dem Fiktionalen, ohne dabei aber den Fokus für das Wahre zu verlieren. Nicht alle der Filme können eine dauerhafte Spannung aufrechterhalten, dennoch macht es Spaß einem Regissuer zuzuschauen, der das Medium Film auf seinem Gebiet bis in die Feinheiten beherrscht. Allein dafür lohnt sich der Besuch.

 

mephisto 97.6 wünscht weiterhin viel Spaß beim 60. Dok-Festival!

 

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Lennart Johannsen, Maximilian Enderling, Luna Ragheb
03.11.2017 - 17:07
  Kultur

Weitere Spielzeiten:

 

Talking Money

04.11.2017, CineStar / 19.45 Uhr

209 Rue Saint-Maur, Paris, 10ème, The Neighbours

03.11.2017, Passage Kinos / 16.00 Uhr