Sauberkasten

DIY statt Benzisothiazolinone & Co.

Unter jeder deutschen Spüle tummeln sie sich: Rudel aus Plastikverpackungen, in denen Chemiebomben wie Scheuermilch, Allzweckreiniger & Co. aufbewahrt werden. Ein Startup aus Leipzig will das ändern.
Sauberkasten
Sauberkasten-Gründerin Jeanette mit ihrem Putzkasten
Methylisothiazolinone, Sodium Lauryl Sulfate, C12-14 Pareth-3 – das ist nur ein Bruchteil der Stoffe, die sich in unseren Reinigungsmitteln befinden. Eines haben sie aber gemeinsam: Sie werden allesamt von der Website codecheck als bedenklich eingestuft. Auf der Website können Strichcodes von Produkten eingegeben und geprüft werden. Was die Stoffe bewirken, ist dem Großteil der Menschen unbekannt. Methylisothiazolinone ist zum Beispiel Bestandteil von Spülmitteln – soll aber in Tierversuchen negative Auswirkungen auf das Nervensystem gezeigt haben und Allergien provozieren. Trotzdem tauchen wir unsere Hände in das Spülbecken mit dem Stoff ein. Meist aus Unwissenheit.  Das Leipziger Startup "Sauberkasten" möchte das ändern. Sie wollen den Menschen die Möglichkeit geben, bewusster mit ihren Putzmitteln umzugehen.

Sie setzen auf altbewährte Hausmittel

Aus diesem Grund haben sie den "Sauberkasten" entwickelt: Ein Kasten, der sechs Basiszutaten enthält, mit welchem zehn Putzmittel zusammengemischt werden können. Darunter sind altbewährte Hausmittel wie Soda, Natron und Essigessenz, aber auch ätherische Öle, damit die Wohnung nach dem Putzen gut riecht. Dazu gibt es Rezepte, mit denen man unter anderem Spülmittel und Scheuerpaste selbst anrühren kann.
 
Erfunden wurde der Sauberkasten quasi aus Versehen. Gründerin Jeanette stellte sich für ihre Bachelorarbeit die Frage, wie sie selbst noch nachhaltiger leben kann. Eine Professorin schlug ihr dann vor, einfach mal ihren Alltag zu beobachten.
Ich habe festgestellt, dass ich bei allem, was an meinen Körper kommt oder was ich esse, schon sehr darauf achte. Aber gerade bei so Dingen, die ich in den Abfluss kippe, also bei meinem Putzmittel oder meinem Waschmittel, habe ich keine Ahnung was da drinne ist und mache mir da auch keine Gedanken drüber.
 
Jeanette, Sauberkasten-Gründerin

Aus diesem Grund experimentierte sie mit verschiedenen Hausmitteln. Die Rezepte alle einzeln zu googeln und die Zutaten zu kaufen, fand sie aber nervig. So entstand die Idee zum Sauberkasten, der alle Zutaten und Rezepte kompakt gebündelt enthält. Ursprünglich sollte der Sauberkasten nur als Thema ihrer Bachelorarbeit herhalten – erst als Freunde und Bekannte die Idee gut fanden und fragten, wo man den Kasten denn kaufen könne, wurde aus der Bachelorarbeit ein Geschäftsmodell. Rund ein Jahr nach der Idee startet sie Ende Juli 2017 mit ihrer Freundin Jette eine Crowdfunding-Kampagne – die bringt dem Projekt über 38.000 Euro ein. Sobald sie das Geld von Startnext bekommen, soll die Produktion beginnen. Im Oktober sollen die Unterstützer dann ihre vorbestellten Sauberkästen erhalten.

Saubereres Abwasser + Müll vermeiden

Sauberkasten-Premium
Aber der Sauberkasten soll nicht nur den Menschen helfen, indem er die Inhaltsstoffe transparent macht, er ist auch sehr umweltfreundlich. Das Abwasser wird weniger belastet als durch die "Chemiekeulen" in Plastikverpackungen. Außerdem sollen die selbstgemachten Reiniger in Gläsern und Glasflaschen aufbewahrt werden und so keinen Plastikmüll verursachen wie konventionelle Reiniger. Plastik macht drei Viertel des Mülls in den Weltmeeren aus – und jedes Jahr kommen rund 25 Millionen Tonnen Plastikmüll dazu. Dieser Müll kostet Tiere nicht selten das Leben. Sie verwechseln die bunten Schnipsel mit Nahrung.  

 

Durch Mikroplastikpartikel, die von Fischen geschluckt werden, gelangt das Plastik allmählich auch in unser Essen und damit in unsere Körper. Das ist ein Problem, denn Plastik enthält oft Weichmacher und andere Giftstoffe. Auch aus diesem Grund möchte das Sauberkasten-Team ein Umdenken anregen.

"Man verbannt die Schadstoffe aus dem Putzschrank!"

Bei der Produktion des Sauberkastens achten Jeanette und Jette darauf, dass nur Bio-Produkte verwendet werden. Die Fertigung der Holzkästen übernimmt die Lebenshilfe hier in Leipzig – eine Anlaufstelle für Menschen mit Behinderung. Der Sauberkasten für den Haushalt soll aber nicht das Ende sein, im Gegenteil: "Wir haben auch Körperpflegeprodukte in Planung, aber das dann erst im nächsten Jahr. Oder auch spezielle Sets für den Garten oder die Wäsche."
 
Das gesamte Interview mit Jeanette von "Sauberkasten" können Sie hier nachhören:
mephisto 97.6 Redakteurin Marisa Becker im Interview mit Sauberkasten-Gründerin Jeanette
RI Sauberkasten

 

 

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Marisa Becker
23.08.2017 - 19:28
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