Tanzverbot am Karfreitag

Diskussion um gesetzliche Feiertage

Der Karfreitag ist ein gesetzlicher Feiertag, der in Sachsen unter anderem durch ein ganztägiges Tanzverbot geregelt ist. Staatlich festgelegte Privilegien einer Religion und damit persönlich wahrgenommene Einschränkungen sind Diskussionsthema.
Partyszene in Leipzig

Karfreitag, dieses Jahr der 30. März, bringt jährlich die Diskussion um religiöse Feiertage auf. Für den christlichen Feiertag, an dem der Kreuzigung Jesus Christus gedacht wird, ist in den meisten Bundesländern, so auch in Sachsen, ein gesetzliches Tanzverbot geregelt. Die Trauer und Andacht der Gläubigen solle nicht gestört werden. Ganztägig ist das Tanzverbot auch in Sachsen, weshalb den ganzen Karfreitag über die meisten Lokale und Diskotheken im Freistaat geschlossen sein werden. In manchen Bundesländern, darunter Bayern, NRW und Hessen ist auch der vorangehende Gründonnerstag mit Einschränkungen geregelt.

Als Gedenktag zählt Karfreitag zu den Stillen Feiertagen. Diese genießen durch die unterschiedlichen Verordnungen und Feiertagsgesetze der Bundesländer einen besonderen Schutz. Bei Verstoßen drohen Bußgeldzahlungen bis zu 1000 Euro. Weiterhin ist am Karfreitag festgelegt, dass Gottesdienste nicht durch Lärm gestört werden dürfen. Auch das Programm in Fernsehen, Kino und Theater ist an dem christlichen Feiertag so eingeschränkt, dass sich niemand durch gezeigte Inhalte in seiner religiösen Auslegung gestört fühlen könnte. In Sachsen gelten neben dem Karfreitag zusätzlich Tanzverbote am Buß- und Bettag, Totensonntag und Volkstrauertag.

Kritik am Sonderstatus der christlichen Kirche

Dass mit dieser Regulierung eine bestimme Religion, das Christentum, über den Staat geschützt wird, löst regelmäßig Debatten über die Glaubensfreiheit in Deutschland aus. Kritikerinnen und Kritiker diskutieren dabei vor allem über staatlich festgelegte Privilegien der christlichen Kirche. Zu der Frage, ob bestimmte Kirchen in Deutschland einen Sonderstatus genießen dürften, ist auch die Giordano-Bruno-Stiftung positioniert. Die Regional-Gruppe der selbst ernannten „Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung“ veranstaltet am diesjährigen Karfreitag deshalb die „Heidenspaß-Party“ in Leipzig, eine von mehreren bundesweit organisierten Veranstaltungen, die einen Appell an die Landtage richten: Sie fordern eine Streichung der gesetzlich regulierten Verbote am Karfreitag. Die Heidenspaß-Party startet in der Moritzbastei mit dem Vortrag „Gottlos glücklich“ und wird anschließend als Tanzveranstaltung bis in die späten Stunden gehen.

Gesetzesauflockerung durch Bundesgericht

Trotz des Tanzverbotes ist eine Veranstaltung wie die morgige „Heidenspaß-Party“ in der Moritzbastei möglich. Das regelt ein 2016 verabschiedeter Beschluss des Bundesgerichts. Dieser lockerte die gesetzliche Grundlage etwas auf. In dem Beschluss wurde festgelegt, dass Clubs sich Sondergenehmigungen holen können, um an Karfreitag öffnen und Einladende einer Tanzveranstaltung sein zu können. Denn kirchliche Verbote staatlich anzuordnen widerspreche der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit, die auch im Grundgesetz verankert ist. Deswegen könne man Ausnahmefälle nicht schon im Vorfeld gesetzlich ausschließen.

Inzwischen dürfen also weder in Sachsen noch in einem anderen Bundesland Tanzveranstaltungen grundsätzlich verboten werden. Trotzdem ist der Karfreitag nach wie vor als ein Feiertag mit einem besonderen Stilleschutz ausgelegt. Argumentiert wird im Bundesgerichtsbeschluss damit, dass solche Regelungen niemandem eine innere Haltung vorschreiben, sondern lediglich einen äußeren Ruherahmen schaffen.

Toleranz unabhängig der Konfession

Mit Tanzveranstaltungen wie der „Heidenspaß-Party“ fordern die Giordano-Bruno-Stiftung und der Bund für Geistesfreiheit Toleranz von der christlichen Kirche und dem Staat gegenüber Anders- und Nichtgläubigen. Parallel werden solche Partys auch in Bochum und München stattfinden. Vorschläge, wie eine Einführung weltlicher anstelle konfessioneller Feiertage, sind fester Bestandteil der Debatte. Die Gespräche um den Karfreitag zeigen insbesondere, dass die Diskussion um Religion in einer deutschen Leitkultur nicht nur im Bundestag, sondern auch auf den Straßen der Städte spürbar ist.

Weitere Informationen aus der Sendung:

Ein Beitrag von Johanna Honsberg.
2903 BmE Tanzverbot
 

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Anna Bertram
29.03.2018 - 19:34
  Kultur