Inklusion

Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt

Der sächsische Arbeitsmarkt entwickelt sich positiv. Davon profitieren aber längst nicht alle: Laut Bundesagentur für Arbeit sinken die Arbeitslosenzahlen der Schwerbehinderten nur halb so stark wie die Arbeitslosenzahlen insgesamt.
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Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt

Fast 8.000 schwerbehinderte Arbeitssuchende gibt es in Sachsen insgesamt, davon über 1.000 in Leipzig. Grund für diese hohen Zahlen seien immer noch Vorurteile gegenüber Schwerbehinderten, sagt Frank Vollgold von der Bundesagentur für Arbeit in Sachsen. Dabei seien die meisten Schwerbehinderten überaus gut qualifiziert. 73 Prozent von ihnen haben eine Berufsausbildung oder einen akademischen Abschluss.

Auf der anderen Seite liegt’s auch daran, dass immer mehr Menschen, die schwer behindert sind, immer häufiger in den Ruhestand übergehen und für die Unternehmer ist es schwer, Stellen, wo Schwerbehinderte ursprünglich beschäftigt waren, nachzubesetzen. Weil jedes Handicap, das ein Mensch mitbringt, jede Behinderung, natürlich einen anderen Hintergrund hat und auch die Leistungsfähigkeit dadurch verschieden ist.

Frank Vollgold, Bundesagentur für Arbeit

Es gibt also viele Baustellen und das, obwohl die Politik mit verschiedenen Maßnahmen versucht dagegenzusteuern. Betriebe, die Menschen mit Handicap einstellen, haben den Anspruch auf finanzielle Unterstützung von Arbeitsagenturen und Jobcentern. Dadurch sollen Kosten, die zum Beispiel bei der Einarbeitung von Schwerbehinderten entstehen, ausgeglichen werden. Umgekehrt müssen aber auch Unternehmen, die nur wenige schwerbehinderte Arbeitnehmer einstellen, eine Ausgleichsabgabe zahlen. Die kann bis zu 300 Euro im Monat betragen und gilt für Unternehmen mit 20 oder mehr Beschäftigten. Die müssen nämlich auf mindestens fünf Prozent der Arbeitsplätze schwerbehinderte Arbeitnehmer einstellen.

Offene Baustellen

Allem Anschein nach greifen die bestehenden Maßnahmen also noch nicht so richtig. Die Bundesagentur für Arbeit hat deshalb mehrere Forderungen aufgestellt. Unternehmen sollen beispielsweise bei der Personalwahl stärkenorientiert vorgehen.

Das heißt, dass man nicht draufschaut, wer was nicht kann. Sondern dass es wirklich darum geht, wer worin besonders gut ist. Also dieser stärkenorientierte Ansatz, wenn der noch mehr bei den Personalentscheidungen ankommt, dann ist das für alle Parteien gut. Denn wir wissen auch: gemixte Teams – also Menschen mit Handicap und gesunde Menschen – bringen häufig eine bessere Leistung als gleiche Teams.

Frank Vollgold, Bundesagentur für Arbeit

Schwerbehinderte sollen also nach ihren persönlichen Stärken eingesetzt werden. Außerdem hofft die Bundesagentur für Arbeit, dass ihre Angebote in Zukunft besser genutzt werden. Abgesehen von den finanziellen Hilfen, gibt es auch Beratungsangebote für Unternehmen zu Arbeitserleichterungen oder Hilfen, die für Schwerbehinderte geschaffen werden müssen. Diese Angebote würden bisher aber nur sehr selten wahrgenommen.

Diesen Beitrag gibt es auch zum Nachhören:

Ein Beitrag von Angela Fischer.
2605 SG Schwerbehinderte Arbeitnehmer
 

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