Lehrertag

Die Zukunft verschlafen

Unter dem Motto „Zeit für Veränderungen – Mehr Optimismus wagen!“ fand am Donnerstag das Frühjahrstreffen des Deutschen Lehrertages statt. Auf der Leipziger Messe trafen sich etwa 800 Teilnehmende, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen.
Lehrertag in Leipzig
Lehrertag in Leipzig

Während einer Podiumsdiskussion wurde unter der Leitung von Udo Beckmann, Bundesvorsitzendem des Verbands Bildung und Erziehung, unter anderem über den Lehrkräftemangel in Mitteldeutschland diskutiert. An dieses unerfreuliche Thema wolle man nun aber mit etwas Optimismus herangehen.

Beckmann betonte im Vorfeld des Treffens, dass Lehrkräfte trotz stetig steigender Anforderungen hoch motiviert seien. Die Politik dürfe diese wichtige Grundhaltung aber nicht weiter torpedieren. Um große Herausforderungen wie Inklusion und Integration zu meistern, sei mehr notwendig als Absichtserklärungen der Verantwortlichen.

Seiteneinsteiger – Das ist kein Zustand

Um dem Lehrkräftemangel entgegenzuwirken, wurde in den vergangenen Jahren vermehrt auf die Einstellung von Personen gesetzt, die keine pädagogische Ausbildung besitzen und ohne Erfahrungen vor eine Klasse treten.

Lothar Bienst, Mitglied der CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag, betonte, dass ein Seiteneinsteigerkonzept keine Lösung für die Zukunft von Sachsen sei. Als Beispiel brachte er an, dass in Görlitz 80 % der freien Stellen in den vergangenen Jahren mit unausgebildeten Personen besetzt wurden. Mit Maßnahmen wie der Verbeamtung von Lehrkräften solle diese Entwicklung gestoppt werden.

Ich sage auch Seiteneinsteiger können das System bereichern – aber das ist kein Zustand für die Zukunft hier in Sachsen.

Lothar Bienst, CDU-Fraktion im sächsichen Landtag

Udo Beckmann kritisierte, dass die Politik Zukunft und Bedarf verschlafen hätten. In den nächsten zehn Jahren nur mit Einsteigenden ohne pädagogische Vorerfahrung zu arbeiten, sei nicht zielführend.

Die Wertschätzung junger Lehrkräfte sei laut Dr. Thomas Hartung von der SPD-Fraktion im Thüringer Landtag, das Wertvollste. Man müsse mit Versäumnissen aufräumen und den suboptimalen Umgang mit Referendaren verbessern.

Verbeamtung ist nicht die Lösung

Die Verbeamtung reiche nicht allein als Anreiz für Referendare in Sachsen. Mit dieser Aussage kritisierte Monika Hohmann, Fraktion Die Linke im Landtag von Sachsen-Anhalt, den Vorschlag von CDU Politiker Lothar Bienst.

Geld ist nicht der einzig wirksame Schlüssel. Im ländlichen Raum findet sich trotzdem keiner.

Monika Hohmann, Fraktion Die Linke im Landtag von Sachsen-Anhalt

Sie glaubt nicht daran, dass durch eine bessere Vergütung und Verbeamtung die Motivation junger Menschen steigen würde in Mitteldeutschland zu arbeiten. Wenn nach abgeschlossenem Studium nur Stellen auf dem Land in Aussicht stünden, sei auch eine bessere Bezahlung kein Ansporn hier zu bleiben.

Einigkeit herrschte bei allen Beteiligten, dass es der Politik an Transparenz fehle. Es hätte schon viel früher klar sein können, dass es einen Lehrkräftemangel gibt.

Gleiche Bezahlung für alle

Neben dem Lehrkräftemangel wurde auch die unterschiedliche Bezahlung von Lehrkräften je nach Schulform angesprochen.

Es ist nicht hinnehmbar, dass Lehrer nach der Schuhgröße der Kinder bezahlt werden.

Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des VBE

Udo Beckmann betonte, wie wichtig eine gleiche Bezahlung aller Lehrkräfte sei. Die Sorgen um neues Personal wären berechtigt. Man dürfe aber die Personen nicht vergessen, die schon seit Jahren im Bildungssystem arbeiten.

Weitere Informationen aus der Sendung:

1503 Lehrertag
 

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Maximilian Hemmann
15.03.2018 - 19:08