Naturreportage

Die Wildkatze ist zurück

Die Dübener Heide hat einen neuen Bewohner: die Europäische Wildkatze. Der einzige Nachweis ist bisher ein überfahrenes Tier. Das lässt aber vermuten, dass noch mehr wilde Katzen durch die Wälder streifen. Der BUND hat sich auf Spurensuche begeben.
Abflammen Lockstöcke
Projektleiterin Almut Gaisbauer beim Abflammen der Lockstöcke

Die scheuen Jäger sind nachtaktiv. Tagsüber halten sie sich in dichtem Gestrüpp versteckt. Deshalb sei es wie ein Sechser im Lotto die kleinen Tiger zu Gesicht zu bekommen, sagt Almut Gaisbauer, Projektkoordinatorin des „Rettungsnetz Wildkatze“ vom BUND Sachsen. Aber sie ist der Wildkatze auf den Fersen. Ziel des Projekts ist es, die Wildkatze wieder zu einem festen Waldbewohner zu machen. Dazu will der BUND ein Rettungsnetz aus Bäumen knüpfen:

Wir wollen halt langfristig die Wälder wieder miteinander verbinden. Dazu pflanzen wir sogenannte Korridore. Das sind Waldverbindungen aus Bäumen und Büschen, damit die Wildkatze wieder von einem Wald in den nächsten wandern kann.

Projektkoordinatorin Almut Gaisbauer

Um der Katze in der Dübener Heide auf die Spur zu kommen, bedient sich Almut Gaisbauer eines Tricks:

Die Wildkatze hat eine alte Liebe, das ist der Baldrian. Wir nutzen das und haben sogenannte Lockstöcke. Das sind einfach ganz normale, rauhe Holzlatten und besprühen die mit Baldrian.

Projektkoordinatorin Almut Gaisbauer

Der Baldrian lockt die Wildkatzen an. Betört von dem Duft, reiben sich die kleinen Tiger an den Stöcken und hinterlassen ihre Haare. Diese werden mit Hilfe der Freiwilligen gesammelt und anschließend vom Forschungsinstitut Senckenberg genetisch untersucht. Das auf Genanalysen spezialisierte Institut kann anhand eines einzelnen Haares feststellen, ob es sich tatsächlich um eine Wildkatze handelt. Der Baldrian zieht nämlich auch andere Tiere, zum Beispiel die Hauskatze, an. Die beiden Katzen sehen sich zum Verwechseln ähnlich, die Wildkatze ist nur etwas kräftiger und hat einen buschigen Schwanz mit dunklen Ringen.

Trotz dieser äußerlichen Ähnlichkeit stammt die Hauskatze aber nicht von der Wildkatze ab. Deswegen gibt’s halt auch sehr deutliche Unterscheidungsmerkmale. Unsere Hauskatze ist zum Beispiel immer so typisch wasserscheu. Wildkatzen hingegen sind gar nicht wasserscheu, sie sind sogar gute Schwimmerinnen und orientieren sich an Wasserläufen, wo sie ihre Hauptnahrung finden.

Projektkoordinatorin Almut Gaisbauer

Ob noch mehr und wenn ja wie viele der scheuen Katzen heimlich durch die Dübener Heide schleichen, lässt sich bisher nur vermuten. Im April erwartet Almut Gaisbauer die ersten Ergebnisse:

 Ich hoffe einfach mal, dass der einzelne Kater noch Gesellschaft hatte und nicht allein im Wald unterwegs war. Mit ihrem Mischwald und den vielen Versteckmöglichkeiten wäre die Dübener Heide auf jeden Fall ein geeigneter Lebensraum für die Wildkatze.

Projektkoordinatorin Almut Gaisbauer

Der Beitrag zum Nachhören

Cornelia Häfele berichtet über die Rückkehr der Wildkatze
Cornelia Häfele berichtet über die Rückkehr der Wildkatze
 

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Cornelia Häfele
29.03.2016 - 18:42
  Wissen