Theaterrezension

Die Welt da Draußen sagt mir nichts

Wenn ich meine Umwelt nur noch seltsam und irgendwie abstoßend finde, dann zieh ich mich doch besser zurück oder? So handhabt es zumindest die Protagonistin im neuen Stück "Und jetzt: die Welt!" der Cammerspiele.
 "Und jetzt: die Welt! oder: Es sagt mir nochts, das sogenannte Draußen"
Szene aus dem Stück "Und jetzt: die Welt! oder: Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen"

Die Protagonistin des Stückes "Und jetzt: die Welt!" ist in ihren Zwanzigern, kann aber mit dem „da draußen“ nicht wirklich etwas anfangen. Das liegt unter anderem daran, dass sie mit sich selbst nicht wirklich im Reinen ist und mit ihrer Umwelt schon gar nicht. Zusätzlich will sie auch einfach nicht aus der Wohnung, denn es regnet und arbeiten müsste sie eigentlich auch. Es wird noch mehr "Viagra" benötigt. Dieses kocht die Protagonistin zusammen mit ihrer WG, genauso wie noch andere Drogen.

Sex, Drugs and more?

Besonders schwer wiegt, wie sehr sie mit sich selbst zu kämpfen hat. Denn die Protagonistin ist unglücklich verliebt in Lina. Die hat sie vor Kurzem kennengelernt. Lina allerdings sieht die junge Frau als ihre beste Freundin und erzählt ihr daher ständig von irgendwelchen Typen, oder dem Einen, den sie graden getroffen hat. So sinniert sie dann über ihre Vergangenheit, das Leben, besonders auch Liebe und Sex und Partys und die Forderungen und Normen der Gesellschaft nach.

Diese verschiedenen Themen werden auf sehr zynische Art und Weise behandelt. Denn die Protagonistin findet eigentlich alles aufgesetzt oder stört sich an der Art, wie ihre Mitbewohnerinnen ihr Leben führen. Die eine geht ständig zum Zumba und die andere ist andauernd shoppen.

Brutal und friedliebend

Diesen Spagat hat die Protagonistin des Stückes gemacht. Früher hatte sie, mit den beiden Mitbewohnerinnen zusammen, eine ziemlich brutale Mädchengang. Jetzt sagt sie von sich, sie sei friedliebend geworden. Allerdings scheint sie auch schizophren zu sein. Denn gleich zu Beginn des Stückes kommen neben ihr drei weitere Mädchen auf die Bühne die unisono sprechen - das was sie denkt oder sogar Antworten geben auf Fragen, die sie an sich selbst in die leere Wohnung gestellt hat.

In der Inszenierung wird so am Anfang nur der Charakter der Protagonistin dargestellt. Nach und nach stellen die drei anderen Mädchen aber zusätzlich auch jeweils eine weitere Person des Stückes dar, nämlich Lina und die beiden Mitbewohnerinnen.

SMS, Skype, Chat

Trotz der Charakterwechsel ist es nicht sehr schwer, einen guten Überblick zu behalten. Regisseurin Jana Nowak hat eine gute Lösung gefunden, die Wechsel deutlich zu machen. Denn wenn eine der drei weiteren Figuren gespielt wird, werden sie mit verschiedenen Klingeltönen und Beamerschrift an der Wand angekündigt. Lina ist die SMS, die eine Mitbewohnerin ein Skypeanruf, die andere der Chat. Als schließlich auch noch die Mutter anruft, bekommt sie das Telefon zugeteilt.

Fazit

Spielerisch ist die Inszenierung von allen gut gemacht. Besonders das Synchronsprechen der drei weiteren Spielerinnen, der Stimmen im Kopf. Auch die ganzen Themen, die angesprochen werden, sind interessant und aktuell.

Aber eben diese Flut an angesprochenen Themen lässt das Stück nach einer Weile recht erschlagend wirken. Unter anderem durch die Fülle an Themen wird es auch sehr lang.

Insgesamt bildet "Und jetzt: die Welt!" aber auf jeden Fall ein gutes Regiedebut von Jana Nowak.

Die Rezension zum Nachhören:

Moderatorin Finný Anton im Gespräch mit Redakteurin Svenja Tschirner

Moderation: Finný Anton

Rezension zu "Und jetzt: die Welt! oder: Es sagt mit nichts, das sogenannte Draußen."
 

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Svenja Tschirner
29.01.2019 - 16:14
  Kultur

"Und jetzt: die Welt! oder: Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen"

Premiere: 24. Januar 2019

Spielort: Cammerspiele Leipzig

Regie: Jana Nowak

Darstellende: Marlene Braun, Jule Häußermann, Sabrina Kohl, Luise Maidowski, Uwe Kraus

Aufführungstermine:

28. März 2019

29. März 2019

30. März 2019

31. März 2019