Jahresrückblick: Theater

Die Top 5 Theaterpremieren des Jahres

2017 gab es wieder einige Premieren auf den Leipziger Bühnen zu sehen. Unsere Theaterredaktion hat ihre Highlights zusammengefasst: Hier sind die mephisto-Top-Five des Leipziger Theaterjahres.
Erwartungsgemäß dominieren im Westflügel Neonfarben und fantasievolle Kostüme.
Das Stück "Neon Palace" des Figurentheaters Westflügel (im Bild: Samira Lehmann) konnte dieses Jahr am meisten überzeugen.

Platz 5 Tschick

Tschick ist eine Erfolgsgeschichte. Der Jugendroman führte zu einer der erfolgreichsten Bühnenadaptionen der vergangenen Jahre und wurde 2015 von Starregiseur Fatih Akin auch erstmals verfilmt. Auch das Schauspiel Leipzig hat dieses Jahr an eine Inszenierung von Tschick gewagt. Im Mai war Premiere im ehemaligen Stadtbad, einer durchaus interessanten Location. Das Stadtbad funktioniert als Bühnenraum wunderbar, zu Beginn kommt ein echter Lada hereingefahren. Wie im Buch und im Film wird er zum eigentlichen Protagonisten. Besonders innovativ ist die Inszenierung vielleicht nicht, aber schauspielerisch wurde sie vom Ensemble des Schauspiels und dem Jugendtheaterprojekt "Sorry Eh!" erstklassig umgesetzt. Junge und ältere Darsteller harmonieren genau so, wie sie sollen. So schafft es diese "Tschick"-Inszenierung unter die Leipziger Theaterhighlights des Jahres.

Platz 4 Wolken.Heim

Bleiben wir im Schauspiel: Vergangenen Monat feierte "Wolken.Heim" von der Theaterikone Elfriede Jelinek in der Diskothek seine Premiere. Zeitlich natürlich passend zur Verleihung des Theaterpreises „Der Faust“, den Jelinek für ihr Lebenswerk erhielt. Intendant Enrico Lübbe führte bei "Wolken.Heim" selbst Regie. Die Umsetzung des Skriptes über Heimat und Identität ist ihm sehr humorvoll gelungen und die verwendeten Märchenmotive funktionieren. Ob einen die Inszenierung aber auch emotional erreicht, da scheiden sich wahrscheinlich die Geister. Falls man das herausfinden möchte, so hat man bei der nächsten Aufführung am 14. Januar noch die Gelegenheit dazu.

Platz 3 – Prinzessin Nofretete

Bronze geht dieses Jahr an das Team der Musikalischen Komödie, welches im März eine seit ihrer Uraufführung vor mehr als achtzig Jahren verschollene Operette wieder ausgegraben hat: "Prinzessin Nofretete"! Wie der Titel schon nahelegt, spielt Nico Dostals Werk im Reich der Pharaonen. Zur historisch ansprechenden Umsetzung hat sich die MuKo dafür extra von Professor Doktor Raue helfen lassen, dem Leiter des Ägyptischen Museums in Leipzig. "Prinzessin Nofretete" ist ein mitreißendes Spektakel mit wildem Humor, mehreren Ohrwürmern und tollen Kostümen  wirklich alles, was man sich von einer Operette wünschen kann. Bleibt zu hoffen, dass nun nach der MuKo auch andere Häuser "Prinzessin Nofretete" wiederentdecken. In Leipzig kann man sie am Silvesterwochenende zu drei Terminen sehen.

Platz 2 Geister sind auch nur Menschen

Dieses Stück hatte seine deutsche Erstaufführung ebenfalls im März, noch vor dem Umbau der Spielstätte Diskothek. Es thematisiert das Älterwerden - annähernd als Horrorszenario. Die Darsteller stecken dabei in einer Art Fatsuit und in gedanklichen Endlosschleifen fest. Die Darstellung ist sehr eindrucksvoll, gerade angesichts des immer schlimmer werdenden Pflegenotstands. "Geister sind auch nur Menschen" lässt sich als postdramatisch einordnen, es gibt nur lose verknüpfte Szenen. Diese sind aber perfekt durchkomponiert. Dazu wird ein Chor eingesetzt, welcher pointiert und nicht zu penetrant in Erscheinung tritt. Ein großes Kompliment an Regisseurin Claudia Bauer  dieses Stück sollte sich kein Leipziger und auch sonst niemand entgehen lassen! Am 28. Januar wird es noch einmal aufgeführt.

Platz 1 – Neon Palace

Eine kleine Spielstätte im Leipziger Westen hat dieses Jahr mit einem Experiment ganz, ganz Großes geleistet: Der Westflügel! Dort hat fast das komplette Team gemeinsam eine interaktive Installation auf die Beine gestellt, den "Neon Palace". Klingt wie ein zwielichtiges Etablissement und so falsch ist das auch gar nicht  tatsächlich soll der Neon Palace eine Art Nachtclub darstellen. Allerdings nicht auf der Erde, sondern auf einem Planetoiden, also bewegt sich das Setting im Bereich der Science Fiction. Als Zuschauer bekam man vor der Premiere eine E-Mail, die dem Publikum riet, nicht auf Understatement zu setzen. So kamen die Zuschauer auch alle besonders bunt und auffällig, sodass im Westflügel eine andere Welt entstand. Im Gebäude konnte man frei herumlaufen, vom Keller bis unters Dach wurde jeder Raum bespielt. Das Publikum konnte in einem komplexen Rollenspiel selbst an der Handlung mitwirken. Dazu gab es mehr als ein dutzend Darsteller, die konsequent immer in ihrer Rolle blieben. Im Dialog konnte man sie kennenlernen, für sie Aufträge ausführen und sich verschiedenen Gruppierungen anschließen. Neon Palace erkundete in diesem Jahr neue Dimensionen interaktiven Theaters und ist ein Geniestreich der Initiatoren Jonas Klinkenberg, Stefan Wenzel und ihres ganzen Teams. Der Westflügel zeigt wie immer Mut zu performativer Innovation und liefert mit "Neon Palace" (passend zum Bühnenjubiläum seiner Begründer Wilde & Vogel) ein charmantes Gesamtpaket hab. Lieber Westflügel: In der kommenden Spielzeit gerne wieder!

 

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