Bestenliste

Die Top 20 Alben 2017

Die mephisto 97.6 Musikredaktion kürt die besten Alben des Jahres.
Die 20 besten Alben 2017
Top 20 2017

Das Musikjahr 2017 war wahrlich nicht arm an Highlights. Die mephisto 97.6 Musikredaktion hat lange gegrübelt und die Köpfe zusammengesteckt und hat schließlich in einem demokratischen Verfahren die besten Alben des Jahres gekürt. Auffällig ist dabei vor allem die schiere Vielfalt der Liste. Neben (zu erwartendem) Indierock gab es 2017 haufenweise tollen Hip-Hop, Folk, Elektropop und musikalisch abgefahrene Experimente. Wer hier gar nichts zu entdecken findet, der mag vielleicht einfach keine Musik.

Die Top 20 für das Jahr 2017

20. Baxter Dury – "Prince of Tears"

Auf seinem fünften Album präsentiert sich Baxter Dury wie ein Bösewicht aus einem James Bond Film. Getarnt mit Selbstbewusstsein, Witz und einem dunklen Sprechgesang zeigt sich Dury gelegentlich aber auch verletzlich. Mit reduzierter Instrumentierung, starker Basslinie und der Hilfe von fantastischen weiblichen Stimmen ist "Prince of Tears" spätestens nach dem zweiten Hören eines der rundesten Alben des Jahres.

 

19. Tyler, the Creator – "Flowerboy"

Auf seinem neuesten Album verwischt Tyler, the Creator Genregrenzen zwischen klassischem Rap, R’n’B und Soul. "Flowerboy" besticht durch den Wechsel zwischen verträumten, melodischen Songs, wie "See You Again" und aggressiveren Rap-Tracks á la "Who Dat Boy".

 

18. Zugezogen Maskulin – "Alle Gegen Alle"

Auf ihrer zweiten Platte machen Zugezogen Maskulin ihrem Unmut über Gesellschaft, Politik und Hipster weiter Luft. Testo und Grim104 rappen und autotunen über Trap-lastige Beats und liefern ein aggressives Album, das 2017 im Deutschrap seines Gleichen suchte.

 

17. Julien Baker – "Turn Out The Lights"

Julien Baker schreibt in ihren Liedern poetisch, aber genauso schmerzlich und eindringlich über psychische Probleme. Der Grenze zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit gibt sie in ihren ruhigen Melodien Platz in verschiedensten Metaphern und szenischen Beschreibungen. Die Musik alleine ist für jeden Fan des Singer-Songwriter Genres zu empfehlen, aber es sind die persönlichen Erzählungen, die das Album so einzigartig machen.

 

16. King Krule – "The OOZ"

Bei einer neuen Veröffentlichung von Archy Marshall alias King Krule ist die Begeisterung der internationalen Musikpresse fast schon vorprogrammiert. Mit "The OOZ", dem Nachfolger seines gefeierten Debüts "6 Feet Beneath The Moon", lässt der Londoner die Grenzen zwischen Genres mehr denn je verschwimmen. "The OOZ" vereint Elemente aus Punk, Jazz, Hip-Hop und Darkwave und zeigt den Briten düsterer, atmosphärischer und experimenteller als je zuvor.

 

15. Spoon – "Hot Thoughts"

Den Texanern von Spoon gelingt mit ihrem neunten Studioalbum, dem Nachfolger des gefeierten "They Want My Soul" von 2014, eine weitere künstlerische Neuausrichtung. Der Indierock und Artpop der Vorgänger weicht auf "Hot Thoughts" mitreißendem, Synthie-unterstütztem Dance-Rock, der auch genrefremde Hörer in gute Stimmung versetzt. So tight war 2017 kein anderes Rock-Album.

 

14. Laura Marling – "emper Femina"

Mit "Semper Femina" dringt Folk-Pop-Sängerin Laura Marling tief in ihre eigene Identität ein. Was bedeutet es eine Frau zu sein? Wie unterscheiden sich weibliche und männliche Kreatitvität? Muss ich meine Sexualität definieren? Kann ich das überhaupt? Auf ihrer Suche nach Antworten nimmt Marling die Zuhörer mit auf eine Reise durch verträumte Folk-Landschaften.

 

13. The National – "Sleep Well Beast"

Mit "Sleep Well Beast" verteidigen The National ihren Status als Lieblinge der Indie-Szene. Das siebte Album der US-Amerikaner ist deutlich elektronischer und energetischer als seine Vorgänger. Gleichzeitig bleibt ihr Trademark-Sound erhalten. Textlich behandeln die fünf Musiker, mittlerweile alle über 40, persönliche und ernste Themen zwischen den Schwierigkeiten des Elternseins, Beziehungsproblemen und Depressionen – so klingt es, wenn Indie-Rock erwachsen wird.

 

12. Warhaus – "Warhaus"

Maarten Devolderes dunkler Knister-Pop á la Lennart Cohen und Nick Cave sprudelt auch auf "Warhaus" geradezu über mit suggestiven Texten über Liebe und Sex. Neben der ausgefallenen Instrumentierung aus Marimbas, Trompeten und Streichern sind es die ehrlich-verführerischen Geschichten, die das Album so interessant machen. Jeder der zehn Songs, egal ob sexy oder unschuldig, schmiegt sich an den Hörer wie Samt.

 

11. Loyle Carner – "Yesterday's Gone"

Loyle Carners Debütabum "Yesterday’s Gone" sichert ihm endgültig einen vorderen Platz im Rap‑Game. Mit sanften Beats, die vielfältig durch andere Instrumente ergänzt werden, schafft er einen eindringlich melancholischen Hip-Hop-Sound. Das Album eignet sich perfekt zur stimmungsvollen Hintergrunduntermalung, lohnt aber mehr noch aufmerksames Zuhören, um die persönlichen Geschichten aus dem Leben des jungen Briten zu verarbeiten.

 

10. Princess Nokia – "1992"

Mit ihrem ersten Longplayer setzt Princess Nokia 2017 gleich ein großes Ausrufezeichen. "1992" ist ein feministisches Hip-Hop-Badass-Album, voll aggressiv ausgestreckter Mittelfinger gegen das männlich-weiße Establishment, und gleichzeitig ein persönliches Werk. Auf den 16 Tracks rappt Princess Nokia unter anderem über ihre schwierige Kindheit in New York, ihre Erfahrungen als Woman-Of-Colour und ihre puerto-ricanischen Wurzeln.

 

9. Future Islands – "The Far Field"

Mit "The Far Field" beweisen Future Islands einmal mehr, was sie am besten können: den Bogen spannen zwischen sommerlicher Leichtigkeit und verhaltener Melancholie. Auch ansonsten bleibt sich das Trio aus Baltimore treu. Starke Synthies und Samuel T. Herring’s warme Stimme sorgen für das perfekte 80er-Jahre-Flair und schaffen ein Album, das geradezu nach dem Drücken der Repeat-Taste schreit.

 

8. Father John Misty – "Pure Comedy"

Father John Misty gelang es 2017 in die Fußstapfen großer Folk-Lyriker wie Bob Dylan und Neil Young zu treten. Auf "Pure Comedy" schafft er mit Taylor-Swift- und Social-Media-Verweisen und klassischer aber perfekt komponierter Folk-Musik ein Album, das gleichzeitig als satirische Momentaufnahme des Zeitgeists und als zeitloses, ehrliches Portrait des menschlichen Daseins fungiert.

 

7. Everything Everything – "A Fever Dream"

Mit "A Fever Dream" lassen es Everything Everything ordentlich knallen. Das Quintett aus Manchester verbindet Synth-Pop mit E-Gitarren, Gesellschaftskritik mit Tanzbarkeit. Die Kompositionen sind dabei trotz aller Eingängigkeit so vertrackt und ungewöhnlich, dass man fast nie weiß, was als nächstes kommt. Ein Album, das unter Strom steht.

 

6. Chinese Man – "Shikantaza"

Mit ihrem sechsten Studioalbum "Shikantanza" verfeinern die Franzosen von Chinese Man ihren Stil noch weiter: mit Hilfe einer Vielzahl frischer Samples aus asiatischer Musik entführen die DJs den geneigten Musikfan auf eine Reise durch Fernost, bei der die Abwechslung trotzdem nicht zu kurz kommt. Zwischen Oldschool-Hip-Hop, Triphop, Weltmusik, Soul und Swing mit einer Stimmung von verträumt bis ausgelassen ist hier für jeden etwas dabei!

 

5. The xx – "I SeeYou"

The xx haben auf ihrem dritten Album an ihrem Sound gefeilt. Zu dem gewohnten Indiepop gesellen sich auf "I See You" Samples und tanzbare Elektroklänge dazu, die die Platte abwechslungsreicher als ihre Vorgänger machen. In den Texten bleiben sie gewohnt emotional, werden dabei aber nie aufdringlich oder kitschig, sondern bleiben zurückhaltend und echt.

 

4. Bonaparte - "The Return Of Stravinsky Wellington"

"The Return Of Stravinsky Wellington" bricht endgültig mit Bonapartes Partyzeiten. Musikalisch fabriziert er nicht mehr quietschige Beats, sondern wundervoll ruhigen Pop, der einen trotzdem zum Tanzen bringt und im Ohr bleibt. Die ungehemmte Nonchalance der Texte hat er sich dabei aus seinen frühen Jahren mitgenommen. Auch inhaltlich sind die Songs von Anfang bis Ende der Platte stark und vielfältig. Mit diesem Gesamtpaket zeigt Bonaparte seine künstlerische Reife und hat sich einen Platz unter den besten Alben des Jahres verdient.

 

3. Kendrick Lamar – "DAMN."

Das beste Hip-Hop Album des Jahres kommt wenig überraschend von Kendrick Lamar. Mit "DAMN." antwortet er auf die Vergötterung seitens der Rap-Szene und den Hass Konservativer, den seine Musik in der amerikanischen Mediennation erregt hat. "DAMN." vereint lyrischen Rap mit wuchtigen Beats und trifft auch politisch den richtigen Ton. Seinen Siegeszug setzt Lamar auch 2017 mit seinem dritten Langspieler fort. Der Mann kann scheinbar echt nichts falsch machen.

 

2. Leoniden – "Leoniden"

Die fünf Jungs aus Kiel sind in diesem Jahr mit ihrem DIY-Debütalbum ordentlich durchgestartet. Ihr wilder Mix aus Synth-Pop, Punkrock und Hip-Hop hat letztendlich zu einem der spannendsten Alben aus Deutschland geführt, das der internationalen Konkurrenz in Nichts nachsteht. Voller Euphorie singen sie zwar über ganz alltägliche Dinge, lassen es dabei aber ordentlich krachen. Ganz ohne Plattenfirma sind die Energiereserven der Leoniden auf ihrem Album scheinbar unerschöpflich.

 

1. Queens of the Stone Age – "Villains"

Queens of the Stone Age verdienen sich mit "Villains" die Poleposition in unserem Ranking. Auf ihrem bereits siebten Album schrecken die Rocklegenden nicht davor zurück, mit neuen Einflüssen zu experimentieren. Dank dem Mitwirken von Pop-Produzent Mark Ronson entstehen einige beschwingte, tanzbare Tracks, wie die Single "The Way You Used To Do", aber auch die komplexe Seite der Band bleibt erhalten. Monstertracks wie der Tieteltrack und "The Evil Has Landed" bauen über mehr als sechs Minuten eine extreme Spannung auf und führen den Hörer durch völlig verschiedene Stimmungen. Durch diesen Abwechslungsreichtum und die schiere Wucht ihrer Kompositionen bleiben die Queens ihrer Konkurrenz auch 2017 eine Nasenlänge voraus.

 

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Martin Pfingstl
21.12.2017 - 21:07
  Kultur

Die Toplisten der einzelnen Redakteure:

 

Ariane Seidl:

  1. The National – Sleep Well Beast
  2. Future Islands – The Far Field
  3. Bleachers – Gone Now
  4. Royal Blood – How Did We Get So Dark?
  5. Methyl Ethel – Everything Is Forgotten

 

Carsten Richter:

  1. Father John Misty – Pure Comedy
  2. Roger Waters – Is This The Life We Really Want
  3. Curtis Harding – Face Your Fear  
  4. Foo Fighters – Concrete and Gold  
  5. Queens of the Stone Age – Villains

 

Gesa Koy:

  1. Julien Baker – Turn Out The Light
  2. Knuckle Puck – Shapeshifter
  3. And So I Watch You From Afar – The Endless Shimmering
  4. Being As An Ocean – Waiting For Morning To Come
  5. K.flay – Every Where Is Some Where

 

Hanna Kormann:

  1. Laura Marling – Semper Femina
  2. Fleet Foxes – Crack-Up
  3. Royal Blood – How Did We Get So Dark
  4. Princess Nokia – 1992
  5. Harry Styles – Harry Styles

 

Janek Kronsteiner:

  1. Kendrick Lamar – DAMN.
  2. Chinese Man – Shikantaza
  3. Queens of the Stone Age – Villains
  4. Thy Art is Murder – Son of Misery
  5. Enter Shikari – The Spark

 

Jesper Hoeft:

  1. Zugezogen Maskulin – Alle gegen Alle
  2. Kendrick Lamar - DAMN.
  3. Antilopen Gang – Anarchie und Alltag
  4. Fatoni – Im Modus
  5. Casper – Lang lebe der Tod

 

Jonas Enke:

  1. Queens of the Stone Age- Villains
  2. Tyler, the Creator- Flower Boy
  3. The XX- I See You
  4. Loyle Carner- Yesterday’s Gone
  5. Zoot Woman- Absence

 

Lucie Hermann:

  1. The xx – I See You
  2. Bonaparte – The Return Of Stravinsky Wellington
  3. Faber – Sei ein Faber im Wind
  4. Leoniden – Nevermind
  5. Warhaus – Warhaus

 

Marie Jainta:

  1. Everything Everything – A Fever Dream
  2. Leoniden – Nevermind
  3. Warhaus – Warhaus
  4. Broken Social Scene – Hug of Thunder
  5. Father John Misty – Pure Comedy

 

Martin Pfingstl

  1. Spoon – Hot Thoughts
  2. Algiers – The Underside of Power
  3. Chinese Man – Shinkantaza
  4. SOHN – RENNEN
  5. Baxter Dury – Prince Of Tears

 

Max Enderling:

  1. Bonaparte - The Return Of Stravinsky Wellington
  2. Alt J – Relaxer
  3. Käptn Peng – Das nullte Kapitel
  4. Queens of the Stone Age – Villains
  5. Marteria – Roswell

 

Sophie Boche:

  1. King Krule - In The Ooz
  2. Princess Nokia - 1992
  3. Loyle Carner - Yesterdays Gone
  4. Future Islands - The Far Field
  5. Everything Everything - A Fever Dream

 

Til Bärwaldt:

  1. Leoniden – Leoniden
  2. Lisa Who – Sehnsucht
  3. Baxter Dury – Prince of Tears
  4. Keele – Gut und dir
  5. Warhaus - Warhaus