Frisch gepresst: Big Red Machine

Die Supergroup des Schwermuts

Große Namen, aber auch große Erwartungen - mit „Big Red Machine“ bringen Aaron Dessner und Justin Vernon ihr gemeinsames Baby auf die Welt. Das hält neben denkfähigem Elektro-Folk auch einige Überraschungen bereit.
Justin Vernon (links) und Aaron Dessner (rechts) veröffentlichen als Big Red Machine gemeinsam Musik.
Justin Vernon (links) und Aaron Dessner (rechts) veröffentlichen als Big Red Machine gemeinsam Musik.

Da haben sich zwei gefunden! Dieser Gedanke drängt sich beim Hören von „Big Red Machine“ immer wieder auf. Singer-Songwriter Justin Vernon hat mit seiner Folkband Bon Iver mal ein Album namens „For Emma, Forever Ago“ (2008) veröffentlicht und uns allen das Gefühl gegeben, die darin beschriebene Trennung sei nicht nur seine, sondern auch unsere. Den Multiinstrumentalisten Aaron Dessner kennt man am ehesten als Mitglied von The National – einer Band, von der selbst Leute auf Tumblr sagen, sie sollte mit einer Triggerwarnung für ewigliche Traurigkeit kommen.

In Indiekreisen sind beide angesehene Tiere. Kein Wunder also, dass so einige Herzen zu flattern begannen, als sie ihr gemeinsames Album „Big Red Machine“ ankündigten. Der Grundstein für diese Kollaboration wurde bereits vor zehn Jahren gelegt: Dessner arbeitete an einem Compilation-Projekt und war auf der Suche nach Material. Vernon reichte ihm eine Songskizze. Sie gefiel Dessner, er vollendete sie und packte den Track mit dem Titel „Big Red Machine“ auf das Album. Die zwei Musiker waren sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht persönlich begegnet. Eine Dekade später sind sie gute Freunde und Väter einer überaus spannenden Elektro-Folk-Platte. 

Das Miteinander zählt

Dessner und Vernon sind Meister ihres Handwerks und vereinen auf der gemeinsamen Platte ihre Stärken kunstvoll. Opener „Deep Green“ hätte rein musikalisch genauso gut auf der letzten The-National-Platte auftauchen können: Tippelnde Elektrobeats vereint mit eleganten Gitarrenriffs. Nur das nicht Matt Berningers murmelnder Bariton durch die Lautsprecher dringt, sondern Justin Vernon, der – gewohnt flink und sicher – zwischen kräftiger Brust- und Kopfstimme wechselt. Dessner und Vernon legen sich abwechselnd die Zügel in die Hand – einmal klingt es mehr nach dem einen, dann wieder nach dem anderen. Als experimentierfreudige Musiker von Welt greifen die beiden auch mal tief in umliegenden Genre-Kisten: „Lyla“ ist ein wunderschöner Elektro-Folk-Song mit kompliziertem Beat und harmonischen Streichern. „Hymnostic“ ist feinster Gospel-Blues; jazzig wird’s mit „Forest Green“ und das starke „I Won't Run From It“ vertritt den klassischen Folk-Rock. 

Die Maschine lebt

Ganz grob kann gesagt werden: „Big Red Machine“ klingt genauso, wie man sich ein Liebeskind aus Bon Iver und The National vorstellt. Sowohl Dessner als auch Vernon präsentieren ihr Können, lassen dem jeweils anderen aber auch genug Platz, sich auszuleben. Es klingt lebendig und ausgefüllt, wie ein Wohnzimmer bei einer Familienfeier. Insgesamt 40 Musiker und Musikerinnen waren an dem Album beteiligt und sorgten dafür, dass es weniger nach einer Ansammlung von Songs, sondern nach einem atmenden, fühlenden Organismus klingt. Die Zusammenarbeit zwischen Dessner und Vernon vermittelt den Eindruck, in der Musik sei es wie in der Liebe: Wenn es passt, dann passt es einfach.

Die Rezension zum Nachhören gibt's hier:

Musikredakteurin Ariane Seidl über „Big Red Machine“.
Musikredakteurin Ariane Seidl über „Big Red Machine“.

 

 

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Big Red Machine: Big Red Machine

Tracklist:

1) Deep Green*
2) Gratitude
3) Lyla*
4) Air Stryp
5) Hymnostic
6) Forest Green
7) OMDB
8) People Lullaby
9) I Won't Run From It*
10) Melt

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 31.08.2018
People / Jagiaguwar