Theaterrezension

Die Süße Jugend, einfach weggeflogen

Einsamkeit ist zwar ein unangenehmes Thema, aber dennoch oft päsent. Ebenfalls um Einsamkeit geht es in dem Stück „Süßer Vogel Jugend“ von Tennessee Wiliams. Am Samstag feierte es als Neuinszenierung am Schauspiel Premiere.
"Süßer Vogel Jugend" im Schauspiel Leipzig
Boss Finley, Heavenly und der Diener aus "Süßer Vogel Jugend"

Der einsame süße Vogel Jugend – Das könnte der Hauptcharakter Chance Wayne sein. Andererseits ist die Jugend auch das, was alle Figuren des Stücks bereits verloren haben, ungeachtet ihres Alters. Die Jugend ist ihnen wie ein Vogel davongeflogen. Denn alle Charaktere sind irgendwie verlebt, verletzt, verbittert und vor allem sind sie alle egozentrisch.

Gegenseitiges Ausnutzen

Alle versuchen, zusätzlich zu ihrer Egozentrik, die anderen zu ihrem Vorteil zu manipulieren. Chance Wayne versucht mithilfe der alternden Schauspielerin Alexandra del Lago in Hollywood groß rauszukommen. Alexandra wiederum nutzt Chance als Liebhaber. Beide wissen aber auch um das gegenseitige Ausnutzen.

Mit dem Geld von Alexandra sind die beiden zurück in Chances Heimatstadt. Dort wird schnell klar: Chance will seine Jugendliebe Heavenly zurückerobern. Der hat er allerdings in ihrer Jugend etwas sehr schlimmes angetan. Deshalb versucht ihr Vater, Boss Finley, alles um Chance aus der Stadt zu vertreiben. Unterstützt wird er dabei von der ganzen Stadt, die ihn extrem hofiert. Er ist dort nämlich der rassistische Lokalpolitiker mit Geld und Einfluss.

Biss und Komik

Das Stück ist gespickt mit aggressiven, bissigen Dialogen. Diese Gemeinheiten sorgen aber auch immer wieder für Komik. Andererseits merkt man die Isoliertheit auch dadurch, dass oftmals nur zwei der Charaktere miteinander sprechen, obwohl immer fast alle Charaktere auf der Bühne sind.

Und auch im Bühnenbild findet sich dieses Einzelne, Einsame wieder. Denn obwohl die Bühne mit Menschen und Requisiten voll steht, also mit Stühlen, einem Flügel, und Kameras, ist oft zwischen den Darstellenden viel Platz. Und die Kameras setzen diese Egozentrik auch nochmal ganz interessant in Szene. Denn mit den Kameras werden einzelne Gesichter und Geschichten der Charaktere auf Ballons geworfen. Die hängen von der Decke und machen auch nochmal deutlich, wie sehr jeder in seiner eigenen Blase, seiner eigene Welt gefangen ist.

Fazit

Besonders am Anfang gibt es etwas zu viel Geschrei auf der Bühne. Einige der Charaktere, besonders Heavenly, gehen trotz einer schweren Geschichte zwischendurch in der Menge der Personen fast unter.

Dennoch vermittelt die Inszenierung die Einsamkeit und Egozentrik der einzelnen Personen gut. Das Stück zeigt auch anschaulich, wie grausam Menschen sein können, wenn es darum geht ihre Ziele und Wünsche durchzusetzen. Und daran hat sich wohl in den 60 Jahren seit der Uraufführung kaum etwas geändert, mit Egoismus kann man scheinbar immer noch gut fahren.

Trotzdem gibt es in der Inszenierung des Schauspiels am Ende noch einen kleinen Hoffnungsschimmer, dass Liebe doch existiert und stärker ist als Selbstliebe.

Der Beitrag zum Nachhören:

Moderatorin Angela Fischer im Gespräch mit Redakteurin Svneja Tschirner

Moderation: Angela Fischer

Rezension zu "Süßer Vogel Jugend" am Schauspiel Leipzig
 

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Süßer Vogel Jugend

Premiere: 06. April 2019

Spielort: Schauspiel Leipzig

Regie: Claudia Bauer

Darstellende: Florian Steffens, Anita Vulescia, Michael Pempelforth, Roman Kanonik, Julia Preuss, Annett Sawallisch, Sophie Hottinger, Andreas Dyszewski, Thomas Braungardt, Brian Völkner

Aufführungstermine:

13. April 2019

02. Mai 2019

16. Mai 2019

02. Juni 2019

05. Juli 2019