Literaturmagazin

Die schöne Neue in Leipzig

Endlich ist sie da: Die erste Ausgabe von "Honich". Nachdem das Magazin für literarische Texte zunächst nicht mehr war als eine Idee, liegt nun das druckfrische Exemplar Nummer 1 vor. Die Redaktionsmitglieder berichten von ihrem Weg bis hierher.
Release-Lesung Honich

Höflichkeit ist eine Tugend. So lautet das Motto der Gründungsmitglieder von „Honich“ und ist zugleich der Anspruch, den die Redaktion an die eigene Arbeit hat.
Doch von Anfang an. Denn noch vor etwa einem Jahr war das Magazin für literarische Texte nicht mehr als eine Idee. Marcus Wendt machte zu jener Zeit gerade ein Praktikum im Verbrecher-Verlag in Berlin. Besonders eindrücklich hat er dort erfahren, dass es möglich ist, Literatur zu organisieren. Um diesen Einstieg in die Szene weiterzuführen, schien es ihm ein guter Einstieg, ein Magazin ins Leben zu rufen. So würde man mit Autorinnen und Autoren in Kontakt kommen und die eigene Auseinandersetzung mit Literatur auf eine neue Ebene heben. Außerdem böte sich die Chance, für gut befundene entdeckte Texte in die Öffentlichkeit zu tragen.

Eine für alle, alle für eine

In Cafés, Kneipen, Bars und Wohnzimmern erzählte Marcus Wendt Freundinnen und Freunden von seiner Idee und fand schnell Verbündete. Anklang fand sie unter anderem bei Joshua Meyer. Seine Erklärung für die gemeinsame Begeisterung ist vor allem der persönliche Bezug zur Literatur, den alle teilen. Der zeige sich zum Beispiel in einem geisteswissenschaftlichen Studium oder auch schlicht der Vorliebe fürs Lesen und selbst Schreiben, berichtet er. Angetrieben habe ihn vor allem die Möglichkeit,

mal Texte auszuwählen, die wir gut finden, von denen wir denken, dass sie veröffentlicht werden müssen und aber auch unsere eigenen Texte veröffentlichen zu können, also uns selbst ein Medium auch zu geben dafür.

Joshua Meyer, Redaktionsmitglied

So weit der Plan. Doch woher kommen die Texte, wenn eben nicht aus der eigenen Feder? Um die Initiative bekannt zu machen, haben die Literaturfans eine Internetseite gestaltet und sich als Magazin-Redaktion - auch bei Facebook - ein Profil erstellt.

Nektar sammeln

An die Suche nach Autorinnen und Autoren erinnert sich Jannik Gräfen noch genau. Mit tatkräftiger Unterstützung aus dem Freundeskreis haben die Herausgeberinnen und Herausgeber in spe in der Stadt Postkarten verteilt, die zur Einsendung von Texten an die Gruppe aufforderten.

Dann hatten wir aber auch das Glück, dass das Magazin, das „Narr“ unseren Aufruf bei Facebook geteilt hat. Und die sind in dieser Literaturmagazin-Szene recht gut vernetzt. Und daraufhin haben wir auf jeden Fall noch mal einen großen Schwall Einsendungen bekommen.

Jannik Gräfen, Redaktionsmitglied

Knapp über 70 Texte hatten die angehenden Redakteurinnen und Redakteure schließlich zu begutachten. Die Bandbreite ist groß. Von Zweizeilern und kurzen Gedichten über fragmentarische Werke und Kurzgeschichten bis hin zu ganzen Romanen fanden sich Schriftstücke ein. Voller Eifer widmeten sich die angehenden Herausgebenden also der Lektüre. Nun galt es, Kriterien zu entwickeln. Denn diese definieren ja erst, was gute Literatur ist bzw. wodurch sie es ist.

Geschmacksrichtungen

Eine klare Abgrenzung zum Format eines Dichterwettstreits, eines sogenannten Poetry Slams sehen die Redaktionsmitglieder dabei als entscheidendes Merkmal an. Die zwangsläufige Verbindung zwischen Text und Urheberin oder Urheber sei problematisch, erklärt Joshua Meyer. Allein der Mut, den jemand mit der Performance des eigenen Textes auf einer Bühne unter Beweis stelle, sei zu würdigen. Das mache es schwierig, das Werk von Urheberin oder Urheber getrennt zu betrachten. Wer den Auftritt kritisiere, meine damit automatisch beides.

Und das ist nicht unsere Vorstellung, wie man über Literatur sprechen sollte, weil wir denken, über Literatur sollte man streiten können.

Joshua Meyer, Redaktionsmitglied

Gefälligkeit könne jedenfalls kein Kriterium für die hohe Qualität eines Textes sein. Im Gegenteil. Auch wenn er zu Streit, Aufruhr und Diskussion führt oder gar verwirrt, kann er durchaus gut sein.
Schreiben verstehen die Redaktionsmitglieder mitunter als ein Handwerk. Ein Text sollte deshalb auf das Wesentliche reduziert sein. Stil zeichne sich prinzipiell dadurch aus, dass Form und Inhalt zueinander passen. Außerdem habe die Sprache dem Stoff zu entsprechen, um ihn glaubwürdig präsentieren zu können. Bei allem Anspruch, dürfe ein Anliegen nicht untergehen, merkt Marcus Wendt an. Die Texte sollten nicht humorlos sein. Es gehe darum, dass sich die Schreibenden nicht immer zu 100 Prozent ernst nähmen, sondern auch Brüche zuließen.

Aber die Brüche müssen  ein bisschen organisch aus der Geschichte hervortreten.

Marcus Wendt, Redaktionsmitglied

Texte, denen dies gelingt, schaffen es letztendlich in das Magazin. Jetzt fragt sich nur noch, wen oder was es mit „Honich“ zu versüßen gilt.

Ein Beitrag von Frauke Siebels
BmE Honich

 

 

Kommentieren

Frauke Siebels
01.10.2018 - 18:46
  Kultur

Die Redaktion von "Honich" besteht aus sieben Personen. Neben Jannik Gräfen, Joshua Meyer und Marcus Wendt sind auch Lisa Ahrens, Johannes Böhmer, Philipp Markert und Valentina Prlijc beteiligt.

Ab sofort ist die erste Ausgabe des Magazins in den Leipziger Buchhandlungen Lehmanns (Grimmaische Straße 10) und Mazine (Kolonnadenstraße 20) erhältlich. Der Preis beträgt 6,- €.

Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten finden sich bei Facebook:(https://www.facebook.com/pg/honichmagazin/about/) und unter https://honich.com/.