Konzertbericht: Royal Blood

Die ruhmreichen Zwei

Für wenige Rockbands kam der Erfolg so überraschend wie für Royal Blood. Auch fünf Jahre nach ihrem Debütalbum bricht das Getose um sie nicht ab: ihr Konzert in Hamburg füllten sie ohne Probleme.
Royal Blood
Royal Blood am 24. Juli in der Großen Freiheit 36, Hamburg

Royal Blood schießen schneller als ihr eigener Schatten. Arctic-Monkeys-Schlagzeuger Matt Helders zeigte sich schon in ihrem Merch auf dem Glastonbury-Festival, da hatte das Duo noch nicht mal die erste Single veröffentlicht. Der Hype schien von der ersten Sekunde besiegelt und bricht nicht ab. Nach ihrem gleichnamigen Debüt (2014) veröffentlichten die beiden Engländer 2017 mit „How Did We Get So Dark?“ ihr zweites Album. Royal Blood machen ihr Ding, während Fanbase und Venues stetig wachsen.

In Interviews betonen Mike Kerr (Bass, Gesang) und Ben Thatcher (Schlagzeug) immer wieder, dass sie eigentlich gar keine Ambitionen für Royal Blood hatten. Beide hatten keine Lust mehr auf die verkopfte, erfolgsorientierte Atmosphäre in ihren bisherigen Bands. Also spielten sie ab jetzt nur noch zu zweit – jeder das, was er am besten kann. Und weil Kerr und Thatcher sich die traute Zweisamkeit nicht nehmen lassen wollen, müssen sie die unbesetzten Stellen selbst füllen. Dank Pedalboard klingt Kerrs Bass nicht nur nach Bass, sondern auch nach E-Gitarre – und Royal Blood dadurch wie eine komplette Rockband, obwohl sie nur zu zweit sind.

Das virtuose Konzept begeistert die Massen. Folglich sorgte es nicht unbedingt für Freudenschreie, dass es nach der ausgiebigen Tour zum letzten Album und einigen Festivalauftritten erstmal still um Royal Blood wurde. Dieses Jahr folgte die Erlösung: Die Band gibt sich in Deutschland zweimal die Ehre, einmal in Wiesbaden und direkt danach in Hamburg.
Trotz sportlicher Temperaturen finden sich also zahlreiche Menschen pünktlich 19:00 Uhr vor der ausverkauften Großen Freiheit 36 ein. „Willkommen in der Sauna“, scherzt die Security am Einlass. Für die verschwitzten Körper ist also – ganz unabhängig von der Performance Royal Bloods – gesorgt. 

 

Rock ist Arbeit

Den Anfang machen allerdings Demob Happy. Das Trio kommt ebenfalls aus Brighton, ist seit 2008 im Geschäft und besticht an diesem Abend besonders durch die Performance von Drummer Thomas Armstrong. Mit schöner Frisur und besonders viel Charisma feuert er durch das Set, während seine Kollegen Matthew Marcantonio (Bass, Leadgesang) und Adam Godfrey (Gitarre) neben ihm ihr Ding durchziehen. Das Publikum wippt höflich mit, so richtig Fahrt nimmt es aber nicht auf.

Das ändert sich schlagartig, als Royal Blood die Bühne für sich beanspruchen. Kerr und Thatcher positionieren sich jeweils an ihren Instrumenten und lassen sich nicht lange bitten. Mit „Hook, Line & Sinker“, „Come on Over“ und „You Can Be So Cruel“ eröffnet das Duo und hat die Menge sofort auf ihrer Seite. Als hätte jemand einen großen Schalter auf „an“ gestellt, johlsingen große Teile des Publikums und klatschen dabei im Takt.

Auf der Bühne spielen sich Royal Blood die Seele aus dem Leib. Kerr, der schon zehn Sekunden nach Showbeginn schweißgebadet ist, bearbeitet seinen Bass mit brachialer Anmut, Thatcher hämmert sich rechts von ihm ebenso motiviert durchs Set. Beide gefallen sich sichtlich in ihrer Rolle als Rockstar, bringen aber genug Ironie mit, um es nicht unangenehm werden zu lassen. 

 

Ein Gong und gute Voraussichten

Im Laufe der Show wird von Royal Blood noch einiges aufgefahren: zwei Backgroundsängerinnen leisten dem Duo ab und zu Gesellschaft, Thatcher bringt nach ausgiebigen Schlagzeugsolo einen riesigen Gong zum Einsatz und Kerr schöpft aus einem Repertoire von nicht weniger als zehn Bässe aus. Die Worte, der er ans Publikum verliert sind wenig und sarkastisch. So verabschiedet er sich auch mit einem trockenen „This is potentially our last song“ von der euphorischen Menge, ehe er und Thatcher sich mit „Where Are You Now?“ und schließlich „Figure It Out“ endgültig verabschieden.

Den Hype, den Royal Blood (gewollt oder nicht) gestartet haben, ist nach wie vor da. Und das aus gutem Grund: die Band liefert solide, knackige Rocksongs und die dazugehörigen Shows. Ihre wieder aufblühende Aktivität auf sozialen Medien ist nur ein Indiz dafür, dass es bald wieder mehr von dem Duo zu hören gibt. In Großbritannien folgt im nächsten Jahr schon die erste Clubtour. Bleibt zu hoffen, dass Royal Blood auch Deutschland in naher Zukunft wieder einen Besuch abstatten. Nachfrage besteht ja mehr als genug.

 

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Alle Infos auf einen Blick: 

Wer? Royal Blood
Wann? 24. Juli 2019
Wo? Große Freiheit 36, Hamburg
Support? Demob Happy

Setlist:

1) Hook, Line & Sinker
2) Come on Over
3) You Can Be So Cruel
4) Lights Out
5) Loose Change
6) I Only Lie When I Love You
7) Boilermaker
8) Little Monster
9) How Did We Get So Dark?
10) King
11) Hole in Your Heart
12) Blood Hands
13) Ten Tonne Skeleton
14) Out of the Black
* * *  
15) Where Are You Now?
16) Figure It Out