Lebensmittelverschwendung

Die „Reste-App“ der Bundesregierung

Jeder Deutsche schmeißt im Jahr über 80 Kilogramm Lebensmittel weg. Die Kampagne „Zu gut für die Tonne“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft möchte seit 2012 auch mit einer sogenannten Reste-App dagegen wirken.
Lebensmittel
Jeder Deutsche wirft jährlich über 80 Kilogramm Lebensmittel weg

Jeder kennt die Situation: nur noch eine Paprika und einen Becher Sahne im Haus. Was kann nun daraus noch zubereitet werden? Die Antwort darauf kann mit der Reste-App der Bundesregierung gefunden werden. Einfach die Reste-Zutaten eingeben und die App gibt dem hungrigen Nutzer Rezeptvorschläge. Bei Rezepten, bei denen nur noch wenige Dinge fehlen, stellt sie einen Einkaufsplaner mit diesen Zutaten zur Verfügung. Die Reste-App ist Teil der Kampagne „Zu gut für die Tonne“. Die Kampagne richtet sich gegen Lebensmittelverschwendung.

Verlauf der Kampagne

Über die Kampagne sagt Bernd Schwang, Sprecher des Bundesernährungsministeriums, dass es bisher nur Indikatoren für einen Erfolg gäbe. Das Infomaterial zum Thema würde sehr stark nachgefragt und die Reste-App sei mit über 600 000 Downloads die erfolgreichste App der Bundesregierung. Um genaue Zahlen über den Erfolg oder Misserfolg der Kampagne in Erfahrung zu bringen, wurde am Anfang der Kampagne eine Studie in Auftrag gegeben. In zwei bis drei Jahren soll es dann eine erste Vergleichsstudie und konkrete Zahlen zu Veränderungen geben. Ein großer Schwachpunkt ist laut Bernd Schwang, dass sich die Kampagne nur auf das Internet beschränke. Außerdem richte sie sich ausschließlich an die Verbraucher. Diese machen einen Anteil von 60 Prozent der Akteure, die Lebensmittel wegwerfen, aus.

Das sagt die Opposition

Die Kampagne „Zu gut für die Tonne“ hält Nicole Maisch, Sprecherin der Grünen im Bundestag, für einen ersten richtigen Schritt. Jedoch sieht sie weiteren Handlungsbedarf. Da die Kampagne sich nur an Privatverbraucher richte, decke sie nur einen kleinen Teil des ganzen Problems der Lebensmittelverschwendung ab. Was in Restaurants, im Supermarkt oder in Großkantinen in der Tonne lande, das werde mit „Zu gut für die Tonne“ nicht abgedeckt. Für die Grünen sei die Kampagne jedoch nicht unnütz. Weiter kritisieren die Grünen jedoch, dass zum Beispiel im Bereich der Gastronomie noch nicht genug getan werde.

Die Gastronomiebranche

In diesem Zusammenhang erklärt Olaf Herzig, Inhaber des Leipziger Restaurants Macis, dass es für seine Branche generell schwierig sei, das Verhalten der Kunden vorauszusehen, nur wenige Besucher meldeten sich im Voraus an. So sei es für viele Restaurants schwierig, den Einkauf bedarfsgerecht zu gestalten. In seinem Restaurant achtet er darauf, dass im Restaurantalltag möglichst wenige Lebensmittel weggeworfen werden. Zum Restaurant Macis gehören auch noch eine Bäckerei sowie ein Bio-Lebensmittelladen. So ist er nicht von anderen Händlern abhängig. Hat er einmal zu wenig eingekauft, kann er die fehlenden Zutaten aus seinem Bio-Lebensmittelladen nebenan beziehen.

Die Sicht eines Experten

Für Olaf Herzig ist es wichtig, dass die Lebensmittel mehr Wertschätzung erlangen. Die Preise seien in Supermärkten oft sehr günstig, sodass die Käufer dazu neigen mehr zu kaufen, als sie eigentlich brauchen. Auch das Mindesthaltbarkeitsdatum werde oft falsch verstanden. Oft seien Lebensmittel viel länger haltbar. Jeder solle da auf seine eigenen Sinne vertrauen, ob ein Lebensmittel noch verzehrbar sei. Laut Olaf Herzig ist jeder selbst verantwortlich dafür, wie er mit Lebensmitteln umgeht - ob im privaten Bereich oder als Unternehmer. Im Restaurant Macis wird wenig weggeschmissen. Auch wir haben die Wahl. Mit der Reste-App, die im GooglePlay-Store kostenlos heruntergeladen werden kann, sind mittlerweile über 400 Rezepte zu finden.

 

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Weitere nützliche Tipps zur Kampagne „Zu gut für die Tonne“ und Informationen rund um das Thema Lebensmittelverschwendung sind hier zu finden.