Theaterwissenschaft bleibt!

"Die Reaktion war eher...reduziert"

Seit Monaten beherrschen die Kürzungen die Diskussionen an der Universität, zu Tausenden gehen die Studenten auf die Straße. Heute wurde eine Petition an die Rektorin übergeben: Für den Erhalt der Theaterwissenschaften. Ob das Erfolg haben wird?
Großes Banner mit Aufschrift "Besetzt" in der Tür
Theaterwissenschaftler und ihre Unterstützer kämpfen um die Erhaltung ihres Instituts und haben das Rektorat besetzt.

Donnerstagmorgen, 8.30 Uhr. Die Sonne steht schon hoch am Himmel über Leipzig, ein schöner Sommertag. Die meisten Studenten freuen sich auf das Ende der Vorlesungszeit. Aber nicht alle: Im Senatssaal im Rektorat in der Ritterstraße hat sich eine kleine Gruppe Menschen versammelt.

16.000 Unterstützer

Warum soll die Theaterwissenschaft erhalten bleiben?

16.000 – so viele Stimmen haben die Studenten der Theaterwissenschaft seit Anfang des Jahres gesammelt, sie alle sprechen sich gegen die Schließung des Instituts für Theaterwissenschaft aus. Die Unterschriften der Petition wurde nun heute Morgen an die Rektorin der Universität Beate Schücking, überreicht.

Vielleicht lag es an der frühen Stunde oder daran, dass sich viele Studenten gerade im Prüfungsstress befinden: Viele Mitglieder hatte die Gruppe heute Morgen nicht. Neben prominenten Unterzeichnern der Petition wie Prof. Dr. Gerald Siegmund von der Universität Bern oder Prof. Dr. Patrick Primavesi von der Leipziger Theaterwissenschaft selbst. Eigentlich hatten die Studenten noch eine Performance geplant – die fiel dann aber aus.

„Besetzt“

Seit Montag 7 Uhr morgens, besetzen die Studenten das Rektorat – sie nennen es einen "Besuch". Sie veranstalten Seminare und veranstalten Kinoabende. Vor allem aber halten sie Plena ab: Sie wollen den Protest in die Öffentlichkeit holen und die anderen Studenten an der Universität dazu aufrufen, mit zu protestieren und ihre Meinung kundzutun.

Rektorin Schücking hat bereits am Montag Nachmittag bekannt gegeben, sie werde die Besetzung dulden, solange sie friedlich verliefe. Die Besetzung sei eine Form freier Meinungsäußerung. Davon lebe die Universität.

„Wir wollen von Frau Schücking eine Stellungnahme.“

Die Reaktion der Rektorin auf die Übergabe der Petition war „eher reduziert“, sagt Ina Lutz. Sie ist eine der Besetzerinnen des Rektorats und war heute Morgen dabei. „Hauptsächlich wünschen wir uns eine Stellungnahme von Frau Schücking. Was sie damit jetzt macht, wissen wir nicht.“ Die Rektorin selbst hatte die Studenten freundlich darauf hingewiesen, dass die Petition auch den Verantwortlichen für die neuerlichen Kürzungen zu zeigen sei.

Im August ist Landtagswahl

Den Prozess dafür haben die Studenten auch schon in Gang gesetzt: Ein Botschafter der Theaterwissenschaft ist momentan mit dem Fahrrad in Richtung Dresden unterwegs um die Petition beim Ministerium für Wissenschaft und Kultus vorzulegen – ein Problem gibt es aber auch da: Onlinepetitionen sind im Landtag nichts Wert. Dort dürfen nur ausgedruckte und wirklich unterschriebene Petitionen eingereicht werden. 

„Auch das haben wir schon veranlasst“, sagt Ina Lutz. Denn am 31. August wird gewählt – deshalb müssen die Studenten jetzt noch für Aufmerksamkeit sorgen. Sie wollen alle Studenten an der Universität dazu mobilisieren, wählen zu gehen – schließlich betreffen die Kürzungen alle.  

Archäologie

Bis 2020, so hat es das Land der Uni aufgetragen, sollen an der Uni Leipzig 1050 Stellen gekürzt werden. Rektorin Schücking hat bereits vor einigen Monaten angekündigt, dass die Schließung des Instituts für Theaterwissenschaften und des Instituts für Archäologie sicher nicht der letzte schmerzhafte Einschnitt gewesen sein wird.

 

Florian Zinner im Gespräch mit Ina Lutz, eine derjenigen, die derzeit das Rektorat besetzen.
Rektoratbesetzer
 

Kommentare

Gegendarstellung: Anders als dem Radiobeitrag zu entnehmen, hat bei der Petitionsübergabe am Donnerstag Morgen durchaus - wie geplant - eine performative Aktion stattgefunden. Dazu steht Bildmaterial auf der Facebook-Seite der Rektoratsbesetzenden zur Verfügung [facebook.com/rektoratsbesuch].

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