CD der Woche: WAVVES - "You're Welcome"

Die perfekte Welle?

Wavves haben sich in der Pop-Punk Szene einen Namen gemacht. Die Musiker aus San Diego müssen sich nichts mehr beweisen. Auf dem neuen Album gehen sie trotzdem neue Wege.
Die Band WAVVES bringt mit "You're Welcome" ihr sechstes Studioalbum auf den Markt.

Wenn man eines von Wavves behaupten kann, dann dass sie in den vergangenen zehn Jahren der Punk-Geschichte wortwörtlich Wellen geschlagen haben. Das liegt vor allem an Frontmann Nathan Williams, welcher die Band 2008 als Solo-Projekt gegründet hatte. Das erste Album brachte er einzig und allein auf Kassette heraus, bevor 2009 mit Schlagzeuger Ryan Ulsh eine neue Ära für Wavves anbrach. Die Anfänge waren jedoch mehr als holprig. Die chaotische "Mir-ist-alles-egal“-Attitüde der Band brachte ihnen zwar schnell eine große Fangemeinde, trotzdem war das erste Album „Wavvves“ mehr Lärm als Kunst. Das lag daran, dass Williams nach eigenen Aussagen „nicht wusste, was er tat“. Hinzu kam seine Alkohol- und Drogensucht, die letztendlich auch zum Streit und zur beinahen Auflösung der Band führte.

Mit neuer Besetzung brachten Wavves 2010 ihr drittes Album „King of the Beach“ heraus. Das Erste, was in einem professionellen Aufnahmestudio produziert wurde. Der Erfolg wuchs an, die Platte wurde von Kritikern gefeiert. Dem folgten zwei weitere Alben, mit denen Wavves endgültig im Pop-Punk landeten - Vom einstigen Kassettenrock war nichts mehr zu spüren.

Unabhängig und experimentell

Auf ihrem neuen Album „You’re Welcome“ zeigen sich Wavves vielfältiger als zuvor. Dies mag auch am Bruch mit dem Label Warner liegen, mit dem es beim Vorgänger Album „V“ zu Streitigkeiten kam. „You’re Welcome“ wurde vom eigenen Label veröffentlicht und führt den rebellischen Charakter fort, den man von Wavves gewöhnt ist. Nathan Williams verfiel dafür in alte Muster. Von den 40 von ihm geschrieben Songs haben es letztendlich nur 12 auf die Platte geschafft. Die meisten sind ohne Mithilfe der Bandkollegen entstanden. Herausgekommen sind dabei Punk-Songs, die keine Wünsche offenlassen. Neben dem gewohnen Beach-Punk experimentiert Williams mit Folk, kambodschanischem Pop und Psychedelica aus Südamerika. Der Titeltrack „You’re Welcome“ arbeitet sogar mit elektronischen Sound-Effekten. Genau dies tut auch „Million Enemies“. Der Song ist damit der größte Schritt raus aus Rock-Schublade.

Auf einmal fröhlich

Zu weit aus dem Fenster lehnen, wollten sich Wavves dann aber doch nicht. Der Lo-Fi Sound, der bei den Vorgänger-Platten verloren gegangen war, kehrt in „Daisy“ zurück. Surf-Rock mit psychedlic Einflüssen vom Feinsten. Und für alle, die nach wie vor an der lässigen Art der Band zweifeln, packen Wavves mit „Come to The Valley“ einen Song auf die Platte, der mit seinen Strand-Vibes zum Tanzen einlädt. Man könnte meinen, dass auf „You’re Welcome“ für jeden etwas dabei ist. Das Album klingt aufregender als der Vorgänger, wobei viele der Songs optimistischer sind als gewöhnlich. „Animal“ verbreitet zwar nach wie vor die von Williams zelebrierte „Null-Bock“-Stimmung, trotzdem ist der Song überraschend poppig und kommt an manchen Stellen sogar fröhlich daher.

The whole world covered in gasoline

And burning alive

I feel taken advantage of

And empty inside

Danke dafür

Man könnte meinen, die einstige Chaoten-Truppe hätte sich zähmen lassen. „You’re Welcome“ ist in mancher Hinsicht zugänglicher, als alles was man zuvor von Wavves gewohnt war. Trotzdem überrascht das Album immer wieder mit kleinen Sound-Spielereien und bleibt dabei vor allem eins: eine sehr empfehlenswerte Wavves Platte. 

 

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Marie Jainta
15.05.2017 - 13:26
  Kultur

Wavves: You're Welcome

Tracklist:
  1. Daisy*
  2. You're Welcome
  3. No Shade
  4. Million Enemies*
  5. Hollowed Out
  6. Come To The Valley
  7. Animal*
  8. Stupid In Love
  9. Exercise
  10. Under
  11. Dreams of Grandeur*
  12. I Love You

*Anspieltipps

 

Erscheinungsdatum: 19.05.2017
Ghost Ramp Records

Good To Know:

Sänger Nathan William arbeitet gemeinsam mit seinem Bruder an einem Videospiel, bei welchem man den amerikanischen Nationalisten Richard Spencer verprügeln kann. Außerdem ist die Band auf der Suche nach einer Plakatwand, um eine riesige Karikatur von Donald Trump auszustellen.