Mitgliederschwund von Parteien

Die Parteien in Sachsen schrumpfen

Es ist ein bundesweites Phänomen: Die Mitgliederzahlen der Parteien sinken - und das auch in Sachsen. Doch der Trend gilt nicht für alle Parteien gleichermaßen. Denn ausgenommen davon sind in Sachsen die Grünen und die AfD.
Aufnahmeanträge der Parteien
Viele Menschen fragen sich: Lohnt es sich noch, Mitglied einer Partei zu werden?

Den Parteien laufen zunehmend die Mitglieder davon. Es ist ein Trend, der sich bundesweit erkennen lässt: So ist die Zahl der Parteimitglieder von CDU, CSU, SPD, FDP, Grünen und Linken 2015 im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich drei Prozent gesunken. Insgesamt büßten die fünf Bundestagsparteien und die FDP damit rund 36.500 Mitglieder ein. Das ist das Ergebnis einer Studie des Politikwissenschaftlers Oskar Niedermayer zur Mitgliederentwicklung der Parteien in Deutschland.

Mitgliederschwund auch in Sachsen

In Sachsen zeigt sich ein ähnliches Bild: Einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa zufolge haben die Parteien auch hier mit einem anhaltenden Mitgliederschwund zu kämpfen. So verloren sowohl die CDU als auch die Linken im Freistaat jeweils rund 500 Mitglieder. Und auch die SPD verzeichnete einen deutlichen Rückgang von rund 120 Mitgliedern. Ausgenommen von dem allgemeinen Trend des Mitgliederschwunds sind in Sachsen lediglich die Grünen und die AfD, die beide Mitglieder hinzugewinnen konnten. Mit rund 170 Neumitgliedern verzeichnet die rechtspopulistische AfD hier den stärksten MItgliederzuwachs. Die Grünen kommen nur auf einen leichten Zugewinn von 16 Neumitgliedern.

CDU sieht Grund in Asylpolitik, AfD fühlt sich bestärkt

Einen Grund für den Mitgliederschwund sieht Michael Weickert von der CDU Leipzig in der Überalterung seiner Partei. Ein weiterer Faktor stellen für ihn die aktuellen Entwicklungen rund um die aktuelle Asyl- und Flüchtlingspolitik dar. Viele Menschen, die sich nicht mehr von der CDU vertreten fühlten, hätten daher die Partei verlassen. Die AfD hingegen fühlt sich grundsätzlich in ihrem Kurs bestärkt. Den Mitgliederzuwachs der Partei erklärt sich Siegbert Droese von der AfD Sachsen vor allem damit, dass die AfD die Ängste und Sorgen der Menschen anspricht. Er hofft, dass so auch in Zukunft mehr Menschen Antworten in seiner Partei suchen werden.

Überalterung und Nutzenfaktor für Mitgliederschwund verantwortlich

Dem Parteienforscher und Politikwissenschaftler Hendrik Träger zufolge ist einerseits das hohe Durchschnittsalter der etablierten Parteien für den Mitgliederschwund verantwortlich. Parteimitglieder, die wegsterben, würden so nicht durch neue Mitglieder ersetzt werden. Andererseits spiele auch eine Kosten-Nutzen-Überlegung eine Rolle für die Entscheidung, ob Menschen in eine Partei eintreten. Denn große Teile der Bevölkerung könnten keinen Nutzen mehr darin sehen, Mitglied in einer Partei zu sein, so Träger. Den Mitgliederzuwachs der AfD erklärt der Politikwissenschaftler mit dem noch jungen Alter der Partei. Weil die Partei erst vor drei Jahren gegründet wurde, seien so schließlich auf absehbare Zeit nur Plus-Zuwächse erwartbar.

Parteien müssen Kontakt zur Bevölkerung verbessern

Um den Trend des Mitgliederschwunds aufzuhalten oder zumindest zu verringern, müssten die Parteien den Kontakt zur Bevölkerung wieder verbessern, so Träger. Außerdem müssten sich die Parteien wieder mehr als Mitmachparteien verstehen, so dass auch die politisch Interessierten an der Basis wieder stärker beteiligt werden. Es bleibt abzuwarten, ob den Parteien in Sachsen dieser Kniff gelingen wird.

mephisto97.6 Redakteur Magnus Raab hat sich umgehört, was Parteien und Experten zu dem anhaltenden Mitgliederschwund zu sagen haben: 

mephisto 97.6 Redakteur Magnus Raab zum Mitgliederschwund der Parteien
 

 

Korrektur: Im Beitrag ist von einem Zugewinn der AfD von rund 180 Mitgliedern die Rede. Richtig ist jedoch laut dpa-Umfrage ein Zuwachs von 168, also rund 170 Mitgliedern.

 

 

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Magnus Raab
19.09.2016 - 17:14