Gespräche auf dem Roten Sofa

Die neuen Heimkehrer

Nach 13 Jahren geht der Bundeswehreinsatz in Afghanistan zu Ende. 120.000 Soldaten wurden entsandt, nicht alle von ihnen kehrten zurück, viele sind traumatisiert. Zu Hause sind ihre Erlebnisse kaum bekannt. Zeit, ihnen ein Gesicht zu geben.
Fotografin Sabine Würich und Journalistin Ulrike Scheffer zu Gast auf dem roten Sofa

Im letzten Monat hat die Bundesregierung das Mandat in Afghanistan nochmals verlängert. Ende diesen Jahres soll der Bundeswehreinsatz dort nach 13 Jahren endgültig beendet werden. In den Stützpunkten in Kabul und Masar-i-Scharif wurde schon lange vor dem Abzug die Ausrüstung eingepackt und genaue Mängellisten erstellt. Doch welche Schäden die Soldaten erlitten haben, ist nicht bekannt. Seit 2002 wurden insgesamt 120.000 Soldaten nach Afghanistan entsandt. Die genaue Zahl der Männer und Frauen, die dort im Einsatz waren, ist in den Statistiken der Bundeswehr jedoch nicht aufgeführt. Wer mehrfach dort eingesetzt war, wurde auch mehrfach gezählt.

Doch wichtiger als die Zahlen sind die Erlebnisse der neuen Heimkehrer. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es in Deutschland wieder Veteranen und Gefallene. Deutsche Soldaten mussten sich in Afghanistan Gefechten stellen. Dabei haben sie auch selbst getötet und Kameraden verloren. Die deutsche Gesellschaft in der sicheren Mitte Europas nimmt von diesem und anderen Einsätzen wie im Kosovo und am Horn von Afrika jedoch kaum Kenntnis. Grund genug für die Fotografin Sabine Würich den neuen Heimkehrern ein Gesicht zu geben. Zusammen mit der Journalistin Ulrike Scheffer hat sie über 70 dieser Heimkehrer porträtiert. Die teilweise traumatisierten Soldaten berichten von ihren Erlebnissen im Einsatz und von ihren Schwierigkeiten sich nach der Rückkehr wieder in Deutschland einzufinden.

Sabine Würich (geboren 1962 in Bogotá, Kolumbien) ist Fotografin und lebt in Köln und Berlin. Ihre Arbeiten sind häufig Langzeitstudien und bewegen sich im Spannungsfeld der Erinnerungsstrukturen des Menschen und ihren Verankerungen an Orte. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus im Raum Köln und den Lebensschicksalen der dorthin verschleppten Zwangsarbeiter. Ein weiteres, über zwanzig Jahre verfolgtes Projekt ist die Dokumentation der baulichen Umgestaltung Ostdeutschlands als Abbild gesellschaftlicher Prozesse.

Ulrike Scheffer (Jahrgang 1966) ist Journalistin und Historikerin. Seit 2001 arbeitet sie als politische Redakteurin beim Tagesspiegel in Berlin. Sie berichtet unter anderem über internationale Militäreinsätze und zivile Wiederaufbau­-Projekte in Krisen- und Konfliktstaaten in Afrika, Asien, Nahost und auf dem Balkan. Dafür hat sie die Bundeswehr in Afghanistan und im Kosovo begleitet und verschiedene Nato-Einrichtungen in den USA und in Europa besucht.

 

Stefanie Otto im Interview mit den beiden Autorinnen von "Operation Heimkehr"
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