Gesprächsrunde auf dem Roten Sofa

Die Legende vom alten, grauen Mann

Kann ein Literaturgenre nur von einem Geschlecht gut geschrieben werden? Seit Jahren fällt diese Frage vor allem im Fantasy-Bereich. Es wirkt fast so, als wären Autorinnen nicht vorhanden. Alte, grauhaarige Männer dagegen sind weltweit bekannt.
Autoren im Gespräch
Die Autoren Ann-Kathrin Karschnick, Bernhard Hennen und Janika Hoffmann im Gespräch.

Spätesten seit dem PAN-Branchentreffen im vergangenen Jahr ist es ein heiß diskutiertes Thema. Angeblich schreiben nur sehr wenige Frauen im High Fantasy-Bereich. Vor allem fallen Namen wie J.R.R. Tolkien, George R. R. Martin, Michael Ende, Wolfgang Hohlbein oder Terry Pratchett. Auf dem Weltmarkt alles wohl bekannte Namen, alle waren oder sind etwas betagter in ihrem Alter. Besonders aber in der deutschen Fantasy-Branche gibt es neben Hohlbein, Markus Heitz und Bernhard Hennen nur zwei weibliche Pendants: Cornelia Funke und Kerstin Gier.

Die Fakten

Anteil der Autoren in den Programmen folgender einzelner Verlage
Anteil der Autoren in den Programmen folgender einzelner Verlage
 
Zählt man aus allen Programmen der rechts stehenden Verlage die prozentuale Frauenquote an Fantasy-Autorinnen zusammen, kommt man auf eine durchschnittliche Prozentzahl von etwa 29 Prozent. Von 141 Ersterscheinungen im vergangenen Jahr waren lediglich 41 von Frauen. Eine eindeutige Quote. Auf der Buchmesse in Leipzig haben aus diesem Grund Janika Hoffmann und Ann-Kathrin Karschnick über ihren Beruf als Autorin offen gesprochen. Autor Bernhard Hennen saß mit Ihnen ebenfalls auf dem Roten Sofa. Er gehört zu den bekanntesten deutschen Fantasy-Autoren und konnte von seinen persönlichen Ansichten berichten. Allgemein sei das Business der Fantasy-Literatur kein einfaches.
 
Es gab Monate, da wusste ich nicht mal, ob es für die Miete reicht.
 
Bernhard Hennen, Schriftsteller, bekannt geworden durch „Die Elfen”
 

Janika Hoffmann hat aber Ihrer Ansicht nach einen klaren Unterschied zwischen den oben stehenden „namenhafteren” Verlagen und den Kleinverlagen erkannt. Einige hätten einen deutlich höheren Anteil von Autorinnen. Sie habe das Gefühl, dass die Kleinverlage wagemutiger seien.

Für Ann-Kathrin Karschnick spielt vor allem der Zeitfaktor eine große Rolle. Ihrer Meinung nach gibt es erst seit J.K. Rowling immer mehr Autorinnen, die sich am Fantasy-Genre versuchen. Männer dagegen haben ihrer Meinung nach schon länger Zeit in diesem Genre zu schreiben.

Janika Hoffmann, Bernhard Hennen und Ann-Kathrin Karschnick
Janika Hoffmann, Bernhard Hennen und Ann-Kathrin Karschnick

Vorurteile

Ein weiteres Problem dieser Debatte stellen Vorurteile dar, die sich nach wie vor kennzeichnen lassen. Der „typische” Fantasy-Autor schreibe epischer, aber auch blutrünstiger als die „typische” Autorin. Autoren seien die Meister der High Fantasy. Dem weiblichen Geschlecht schreibe man dafür die romantischen Fantasy-Bereiche zu, sogenannte Romantasy.

 

High Fantasy vs. Romantasy

Generell sind diese zwei Genre zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Die grundlegenden Definitionen von High-, Low- und Urban Fantasy (etc.) haben in erster Linie mit dem Entstehen der Welten und der Struktur zu tun. High Fantasy besteht aus eigenständigen Welten. Wesen, Magie, Erfindungen, Sprachen, Pflanzen und Tiere – alles kann durch den Autor erfunden werden.

Natürlich kann Romantik in diesem Konstrukt vorkommen – muss es aber nicht. Die Genredefinition ist unabhängig vom Vorhandensein oder dem Ausmaß von Liebesbeziehungen.

Romantasy beschreibt im eigentlichen Sinne noch kein festes Genre. Es ist eher als eine Beschreibung für Fantasy, in der Romantik im Vordergrund steht oder diese sogar maßgeblich bestimmt.

Also bei mir muss es blutig sein. Und auch eine starke Frau zu kreieren, die die Männer dominiert, muss mal sein. 

Ann-Kathrin Karschnick

Und auch Janika Hoffmann konnte diese These nicht bestätigen. Besonders Kerstin Gier sei Ihrer Meinung nach ein Beispiel für abenteuerliche Geschichten, in denen es auch mal blutig zugeht. Auch Bernhard Hennen empfindet dieses Klischee als längst überholt.

Ich bringe meine Figuren auch gerne mal um, wenn sie gerade ihr Glück gefunden haben. 

Janika Hoffmann

Auf dem Roten Sofa haben die Autoren mit Moderator Thilo Körting aber nicht nur über Vorurteile und Genderthematiken in der Fantasy gesprochen. Auch wurde geklärt, welche Rolle die Verlage und Lektoren spielen. Außerdem wurde die Frage beantwortet, wann Pseudonyme wirklich verwendet werden sollten.

Moderator Thilo Körting im Gespräch mit Janika Hoffmann, Ann-Kathrin Karschnick und Bernhard Hennen
Moderator Thilo Körting im Gespräch mit Janika Hoffmann, Ann-Kathrin Karschnick und Bernhard Hennen
 

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