Wolfgang-Borchert-Abend im Theatrium

Die lange lange Straße lang

Obwohl Wolfgang Borchert 1947 schon mit 26 Jahren starb, hinterließ er zahlreiche Kurzgeschichten. Die "Trümmergeneration" bekommt darin eine Stimme. Das Jugendtheater Theatrium hat einen Theaterabend mit den Texten gestaltet – überraschend aktuell.
Die lange lange Straße lang
Der Leierkastenmann träumt von den Kindern die vor dem Krieg da waren

Ein junger Mann mit Krücken steht auf der Bühne. Das Laufband unter ihm rollt langsam. Auf zwei riesigen Leinwänden zieht, ebenso langsam, die Leipziger Innenstadt entlang. Zwischendurch Bilder zerstörter Häuser in Syrien. Herr Fischer, früher einmal Leutnant Fischer, hält kurz inne. Dann will er nur noch die Straßenbahn am Ende der langen, langen Straße erreichen, bevor der Hunger ihn umbringt.

Trauriges Panoptikum

In "Die lange lange Straße lang" begegnet der Zuschauer dem traurigen Panoptikum aus Wolfgang Borcherts Geschichten. Den Einsamen, den verhungernden Prostituierten und Invaliden.

Herr Fischer, früher Leutnant Fischer, aus „Die lange lange Straße lang“, hält die lose aneinandergereihten Szenen zusammen. Sein Auftauchen ist die hungrige und verzweifelte Konstante des Abends. Dem Laienensemble des Theatriums gelingt es, eine Präsenz und Unmittelbarkeit aufzubauen, die man nicht oft erlebt. Sie machen die Figuren Borcherts lebendig und ziehen feinfühlig Parallelen zum gegenwärtigen Krieg in Syrien. Die gelungene Inszenierung verliert leider an Glaubwürdigkeit, als am Ende die Logos von Nestlé, Rheinmetall und der Bank of America auf der Leinwand auftauchen, und die Darsteller singen:

Hass und Angst schafft Krieg, widdewiddewit wir profitieren.

Das Ensemble unter Falko Köpp hat an diesem Abend viel gewollt. Sie haben auch viel erreicht. Die Anklage gegen die Weltkonzerne hätte es nicht gebraucht, um ein Statement gegen Krieg und blinden Gehorsam zu setzen.

 

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Die nächste Aufführung von "Die lange lange Straße lang" findet am 18. August 2018 statt. Reservierungen und Informationen unter www.theatrium-leipzig.de oder unter 0341 941 3640.