Fantasy Filmfest 2017

Die Kinoleinwand als Kloake

Der US-amerikanische DJ Flying Lotus präsentiert sein heiß diskutiertes Kinodebüt namens "KUSO". Ein Film, der selbst eingefleischte Horrorfans an ihre Grenzen bringt.
Szene aus "KUSO"
Fernsehen macht eben doch krank!

Bereits im Programmheft des 31. Fantasy Filmfests werden Warnungen ausgesprochen. So ist dort die Rede von einer "hypersurrealen filmischen Mutprobe", es wird vor Traumatisierung gewarnt. Dass solche Aussagen natürlich jeden Horrorfan hellhörig werden lassen, ist klar. Immerhin ist vor allem das Fantasy Filmfest - Publikum gerade auf der Suche nach Abwechslung zum Horror-Einheitsbrei, der sonst in den Kinos läuft. Verwunderlich ist es nicht, dass daher auch die 23 Uhr-Vorstellung von "KUSO" sehr gut besucht ist. Auf was man sich eingelassen hat, ist offensichtlich vielen Leute vorher nicht klar gewesen, denn während der Berliner Vorführung verlassen mehrere Zuschauer vorzeitig den Kinosaal.

Was ist das?

Will man den Inhalt von "KUSO" zusammenfassen, wird man zwangsläufig scheitern, denn der Film von DJ Flying Lotus folgt keiner klassischen Erzählstruktur. Stattdessen setzt sich der Experimentalfilm aus vielen kleinen Episoden und Momentaufnahmen zusammen, die den bisher durchgeknalltesten Film des 21. Jahrhunderts ergeben. Ausgangssituation ist ein schweres Erdbeben in Los Angeles. Danach sind offenbar alle verrückt geworden. Die Erde hat sich in ein bizarres Paralleluniversum verwandelt. Spielt "KUSO" überhaupt auf unserer Erde? Ist das Erdbeben Auslöser für den nachfolgenden Wahnsinn? Ist dieses Detail überhaupt wichtig? Was erwartet den Zuschauer nun eigentlich in den 100 Minuten?

Ein Kleinwüchsiger findet im Wald ein anusartiges Gebilde, in dem ein Außerirdischer zum Vorschein kommt. Der Mann füttert ihn immer wieder mit Kot, zwischendurch wird er von einem Laserstrahl attackiert. Eine Frau mit weißen Augen sitzt mit zwei zotteligen Freaks in ihrem Wohnzimmer. Die beiden undefinierbaren Wesen an ihrer Seite schauen sich im Fernsehen gern an, wie Penisse mit irgendwelchen Gegenständen penetriert werden. Am Ende gibt es eine große Party, bei der die Frau ihre Totgeburt raucht. Und das sind nur zwei Beispiele aus diesem irrsinnigen Trip.

Szene aus "KUSO"
Nein, das ist keine Szene aus der "ALIEN"-Reihe!

Schluss mit Schönheit!

Dass man "KUSO" nicht ernst nehmen kann und soll, wird bereits am Anfang deutlich. Weil Musicals seit "La La Land" wieder angesagt sind, eröffnet auch Flying Lotus seine Kuriositätenschau mit einer Musicalszene. Vereinzelt ist ein irritiertes Lachen im Kinosaal zu hören, wenig später will man einfach nur noch weg. "KUSO" ist das japanische Wort für Scheiße. Selten war ein Titel für einen Film bezeichnender. Immerhin ist "KUSO" eine einzige Orgie aus Schleim, Kotze, Eiter und Fäkalien. Darüber hinaus handelt es sich jedoch auch um eine satirische Abrechnung mit Schönheitsidealen und einen gelungenen Kommentar auf weichgespülte Hochglanz-Blockbuster.

Nichts, aber auch gar nichts an "KUSO" ist schön. Die Menschen sind alle mit Eiterbeulen übersät, haben Sex mit undefinierbaren Fleischbergen, alles trieft nur so vor Dreck und schleimigen Ausflüssen. Das ist so absurd und so übertrieben wahnsinnig, dass man teilweise einfach lachen muss. Gekrönt wird das von den verrückten Animationen, die immer wieder eingeflochten werden. Problem ist nur, dass es nach einer Stunde ohne Geschichte langweilig und einfach nur noch belastend wird. Irgendwann hat man sich nämlich fast schon an diese filmische Brechreiz-Attacke gewöhnt.

Warum sollte man hinsehen?

Für "KUSO" braucht man einen starken Magen, viel Sitzfleisch und Spaß an experimentellem Kino. Flying Lotus filmischer LSD-Trip ist aber rein inszenatorisch so kunstvoll, originell und aufwendig gemacht, dass man ihn zweifellos als Kunst bezeichnen kann, auch wenn das Ekel-Treiben auf Dauer langweilt. "KUSO" ist ein herausragendes Trash-Spektakel, das man sehen muss, um es zu glauben. Als hätten Helge Schneider, David Cronenberg, Salvador Dali und David Lynch gemeinsam einen Film gemacht.

 

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Janick Nolting
23.09.2017 - 13:04
  Kultur

"KUSO" läuft auf dem Fantasy Filmfest 2017 in sieben deutschen Städten.

Screening-Termine

MÜNCHEN – 10 Sep / 22.15 Uhr
HAMBURG – 16 Sep / 22.45 Uhr
STUTTGART – 16 Sep / 22.45 Uhr
BERLIN – 16 Sep / 23.00 Uhr
FRANKFURT – 16 Sep / 22.45 Uhr
KÖLN – 29 Sep / 22.45 Uhr
NÜRNBERG – 29 Sep / 22.30 Uhr