Fantasy Filmfest 2017

Die Hinterwäldler von nebenan

Dass man um das australische Hinterland eher einen Bogen machen sollte, hat uns schon so mancher Horrorfilm gelehrt. In "Killing Ground" wagen sich trotzdem wieder Touristen nach Down Under...mit tödlichen Folgen.
Szene aus "Killing Ground"
Kein Entkommen im australischen Hinterland. Oder doch?

Ian (Ian Meadows) und Samantha (Harriet Dyer) sind frisch verliebt und sind auf dem Weg in den Urlaub. Ihr Ziel ist ein einsamer Campingplatz an einem See. Dass sich die beiden mal wieder einen extra geheimen Ort ausgesucht haben, an dem einen garantiert niemand schreien hört, muss man einfach so akzeptieren, denn ansonsten würde die Horrorgeschichte nicht ins Rollen kommen.

Am See angekommen, finden die beiden einen SUV und ein Zelt, von anderen Urlaubern fehlt aber jede Spur. Als nach mehreren Stunden immer noch niemand auftaucht, wird das Paar langsam unruhig und muss mit Schrecken feststellen, dass ihr vermeintliches Urlaubsparadies doch nicht so sicher ist wie gedacht. Und es dauert nicht lange, bis auf die beiden die Jagd eröffnet wird...

Was ist in diesem Zelt? 

Jeder, der die Handlung hört, kann es sich schon denken: Natürlich gibt es auch in dieser Geschichte böse Hinterwäldler, die den Urlaubern das Leben zur Hölle machen werden. Dabei handelt es sich aber keinesfalls um eklige Mutanten wie etwa in der Wrong Turn - Reihe, sondern um zwei naive Trottel, die anfangs beinahe wie Witzfiguren erscheinen. Das hätte in anderen Filmen katastrophal albern werden können, in Killing Ground wirken die beiden aber genau deshalb unfassbar gefährlich. Wie sich die beiden Hillbillies in eiskalte Killer verwandeln, ist nur eine der Wendungen, die Killing Ground zu bieten hat.

In der ersten Hälfte greift Regisseur Damien Power auf einige erzählerische Kniffe zurück, die den Film unvorhersehbarer machen, als man als geneigter Horrorfan vielleicht denken würde. Natürlich ist klar, worauf alles hinauslaufen wird, aber anfangs werden drei Handlungsstränge parallel erzählt, die erst nach einer halben Stunde zusammenlaufen und ihre Chronologie offenbaren. Nämlich dann, wenn dem Zuschauer klar wird, was es mit dem verlassenen Zelt auf sich hat. In dieser Kulmination der einzelnen Erzählstränge gelingt dem Horrorfilm eine perfide Wendung, bevor der brutale Überlebenskampf der beiden Hauptfiguren seinen Lauf nimmt.

Blutiger Camping-Trip

Killing Ground hat in Deutschland eine FSK 18 - Freigabe bekommen. Dementsprechend war absehbar, dass der Film kein Blatt vor den Mund nimmt. Glückicherweise artet er aber in keinster Weise in plumpen Splatter-Horror aus. Stattdessen wirkt es fast erschreckender, mit welcher Beiläufigkeit und Skrupellosigkeit hier Gewalt ausgeübt wird. In der verstörendsten Szene des Films, in der Dosenschießen eine ganz neue Bedeutung bekommt, fällt es schwer, das Geschehen zu ertragen. Der eigentliche Horrortrip, den die beiden Hauptfiguren durchstehen müssen, ist hingegen etwas spannungsarm ausgefallen.

Fazit

Killing Ground wird in Internetforen mit jeder Menge Lob überhäuft, am Ende hebt sich der Film aber zu wenig von der Masse ab, um längerfristig im Gedächtnis zu bleiben, auch wenn man hier zweifellos von überaus solidem Horrorkino sprechen kann. Erzählerisch überzeugt der Film mit seiner unvorhersehbaren ersten Hälfte, aber der Rest erreicht mit seiner recht einfach gestrickten Inszenierung einfach nicht die Intensität von Schockern wie Eden Lake oder Wolf Creek, die ganz offensichtlich als Vorbilder für Killing Ground herhalten mussten.

 

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"Killing Ground" läuft auf dem Fantasy Filmfest 2017 in sieben deutschen Städten.

Screening-Termine

MÜNCHEN: 12 Sep / 20.30 Uhr
HAMBURG: 14 Sep / 20.30 Uhr
STUTTGART: 14 Sep / 20.30 Uhr
BERLIN: 18 Sep / 20.45 Uhr
FRANKFURT: 19 Sep / 20.15 Uhr
KÖLN: 24 Sep / 16.00 Uhr
NÜRNBERG: 23 Sep / 19.00 Uhr

Am 10.11.2017 ist "Killing Ground" im Vertrieb von Alive auf Blu Ray und DVD erhältlich.