Gesprächsrunde zu Übersetzungen

"Die Grenzen meiner Sprache..."

"... bedeuten die Grenzen meiner Welt." Ist das so? Und sind Übersetzer dann Grenzgänger zwischen (Sprach)Welten, die Austausch ermöglichen? Das Zitat des Philosophen Wittgenstein kann man unterschiedlich deuten, den Beruf der Translatoren ebenso.
Buchmesse 2017 Gesprächsrunde Übersetzung
Die Übersetzer Cornelius Hell, Maria Hummitzsch und Burkhard Müller diskutieren unter anderem über die Hürden des Übersetzens.

Mit den Namen Klaus Fritz, Gabriele Haefs oder Sylke Hachmeister verbindet man erst einmal... wahrscheinlich gar nichts. Dabei haben die meisten eines ihrer Werke zu Hause im Regal stehen. Harry Potter, Sofies Welt oder Die Tribute von Panem. Um die Autoren dieser Romane handelt es sich nicht, aber um ihre Übersetzer und Übersetzerinnen. Besonders viel Aufmerksamkeit bekommen diese meist nicht.

Persönliche, geistige Schöpfungen

Dieser Mangel an Aufmerksamkeit außerhalb informierter und interessierter Literaturkreise ist dabei keinesfalls gerechtfertigt. Denn um eine gute Übersetzung zu verfassen, setzten sich die Translatoren intensiv mit dem Werk, den Autoren und ihrer Sprache sowie kulturellen Besonderheiten auseinander. All das gießen sie dann in einen eigenen Text – und schaffen dabei gewissermaßen ein neues Werk, das auch urheberrechtlich als solches geschützt ist. Sie gelten als "persönliche, geistige Schöpfungen" des Übersetzers oder der Übersetzerin.

Austausch zwischen Kulturen

Auf der Leipziger Buchmesse sind in diesem Jahr Aussteller aus mehr als 400 Ländern vertreten. Aus vielen von ihnen werden auch Bücher vorgestellt. Sachbücher, Romane und Lyrik, die uns ohne die Hilfe von Menschen, die mehr als einer Sprache mächtig sind und ein Gespür für die Feinheit von Formulierung haben, gar nicht zugänglich wären. Auf diese Weise leisten Übersetzer auch einen Beitrag zum Austausch zwischen verschiedenen Kulturen. Denn die Literatur eines Landes gibt uns einen tiefen Einblick in das Leben anderer Menschen.

Gesprächsrunde auf dem Roten Sofa

Maria Hummitzsch, Cornelius Hell und Burkhard Müller haben in der Diskussionsrunde unter anderem über den Arbeitsprozess des Übersetzers gesprochen. Dabei waren sich alle drei einig, dass jeder Übersetzer in seiner Arbeit seinen eigenen Schreibstil mit einbringt. Dennoch sind sie nicht als eigenständige Autoren tätig. Obwohl es manchmal vorkomme, dass gewisse Textpassagen an die kulturellen Begebenheiten der deutschen Gesellschaft angepasst werden müssen, wie Cornelius Hell berichtete. Maria Hummitzsch ist daher der Meinung, dass Übersetzer über die Zeit "sehbarer" geworden sind. So gibt es schon eine bestimmte Leserschaft, die ihren Lieblingsübersetzer hat.

Weiterhin diskutierten die Gesprächsrunde darüber, inwieweit die Übersetzungsarbeit zum kulturellen Austausch beiträgt. Burkhard Müller ist der Meinung, dass erst Literatur uns bisher weniger beachtete Kulturräume näherbringt. Zum Beispiel sind derzeit die arabische und chinesische Kultur ein großes Thema in der Übersetzungsbranche. Letztendlich waren sich alle drei einig, dass die Übersetzungen von Büchern dabei helfen, die Kultur dem Leser näher zu bringen.

Über die Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen, die die Arbeit als Übersetzer mit sich bringt, haben wir mit der Maria Hummitzsch, Burkard Müller und Cornelius Hell auf der Leipziger Buchmesse unterhalten.

Moderator Paul Materne im Gespräch mit den drei Experten
 
 

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Johanna Bastian
26.03.2017 - 14:38
  Kultur

Maria Hummitzsch studierte Übersetzung, Psychologie und Afrikanistik unter anderem in Leipzig und Lissabon. Heute ist sie als Literaturübersetzerin aus dem Englischen und Portugiesischen tätig. Sie ist Mitbegründerin des Übersetzerzentrums der Leipziger Buchmesse und die zweite Vorsitzende des Verbands der Literaturübersetzer. Zuletzt erschien ihre Übersetzung von Das geträumte Land (Imbolo Mbue) im Verlag Kiepenheuer & Witsch.

Burkhard Müller ist Dozent für Latein an der Technischen Universität Chemnitz. Außerdem arbeitet er als Journalist und Literaturkritiker für Zeitungen wie die FAZ und Die Berliner Zeitung und ist Mitglied der Jury des Preises der Leipziger Buchmesse. 2012 wurde er mit der "Übersetzerbarke" für seine fachkundige und differenzierte Übersetzungskritik als Literaturkritiker ausgezeichnet.

Cornelius Hell war nach seinem Studium der Germanistik und der Theologie als Lektor für deutsche Sprache und österreichische Literatur an der Universität Vilnius tätig. Heute ist er unter anderem als Literaturkritiker, Herausgeber und Übersetzer aus dem Litauischen tätig. Für seine Leistungen als Übersetzer wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Offizierskreuz des Ordens für Verdienste um die Republik Litauen. Zuletzt erschienen ist das von ihm übersetzte Buch Vilnius. Reisen in die ferne Nähe (Laimonas Briedis) im Wieser Verlag.