Berlinale 2018

Die Grausamkeit der Erinnerung

In der Sektion Forum wird auf der 68. Berlinale der Film "Invasion" gezeigt. In dem iranischen Mysterythriller von Shahram Mokri verschwimmen die Grenzen zwischen Zeit und Raum.
Szene aus "Invasion"
In einem Stadion kommt es zu seltsamen Ereignissen

In der Zukunft liegt ewige Dunkelheit über der Welt. Sonnenlicht gibt es nicht mehr und die Gefahr von Infektionskrankheiten hat sich erhöht. In einem offenbar leerstehenden Stadion trifft die Polizei mit einer Gruppe tätowierter Männer zusammen. Ein Mord ist hier geschehen und der Schuldige wurde bereits gefunden. Gemeinsam beginnen sie, den Tathergang zu rekonstruieren und so die Todesumstände zu ergründen. Problem ist nur, dass die Rollenverteilung bei dem Spiel nicht immer klar ist. Alle beteiligten "Akteure" verlieren sich in Wiederholungen und bewegen sich an der Schwelle zum Realitätsverlust.

Düsteres Kammerspiel

Das erste Berlinale-Screening von Invasion (im Original: Hojoom) findet im IMAX-Saal auf riesiger Leinwand statt. Wer dadurch einen bildgewaltigen Film erhofft, wird möglicherweise enttäuscht werden. Invasion ist aus optischer Sicht nämlich ziemlich hässlich ausgefallen, um ehrlich zu sein. Der ganze Film spielt in einem Stadion, bei dem man nicht einmal genau zuordnen kann, welche Sportart dort betrieben wird. Die Kamera folgt in langen, teils wackeligen Einstellungen den Figuren auf Schritt und Tritt durch die bedrückenden, bunkerähnlichen

Szene aus "Invasion"
Groteske Körperlichkeit in "Invasion"

Katakomben des Stadions, wo sich der Großteil des Geschehens abspielt. Wenn die Charaktere mal aus den trostlosen Gängen herauskommen, sieht es jedoch auch nicht besser aus. Es ist immer dunkel, einzige Lichtquelle sind die großen Flutlichter, während permanent ein seltsamer Nebel über den Boden wabert. Zumindest atmosphärisch gelingt Regisseur Shahram Mokri somit schon einmal eine überzeugende Basis für seine mysteriöse Geschichte.

Verwirrendes Reenactment

Ein Mörder soll seine Tat nachspielen. Liest man die Ausgangssituation, kommt einem unweigerlich Joshua Oppenheimers Doku The Act of Killing in den Sinn, auch wenn es sich in Invasion natürlich um eine rein fiktive Geschichte handelt. Die könnte verwirrender kaum sein. Mokri inszeniert seinen Schauplatz als liminalen, surreal wirkenden Ort zwischen Diesseits und Jenseits, an dem Zeit und Raum immer wieder miteinander verschwimmen und an dem die Figuren wie Geister umherwandeln. Dinge wiederholen sich, die verteilten Rollen wechseln immer wieder, Figuren tauschen anscheinend Identitäten, erscheinen plötzlich doppelt. Das Nachspielen und Re-Inszenieren des rätselhaften Mordes verwandelt sich in eine undurchdringbare Zeitschleife.

Zwischendrin taucht noch die Zwillingsschwester des Ermordeten auf und manipuliert offenbar das Geschehen, flüstert wie Mephisto im Faust den Figuren Dinge zu. Was das alles soll, erschließt sich einem jedoch nicht. Der angestrebte Hirnverdreher gelingt dem Regisseur zweifellos, aber das Filmerlebnis wird schnell frustierend. In der Beschreibung von der Berlinale heißt es, der Mysterythriller würde das Stimmungsbild im Iran einfangen, verständlich wird das im Film jedoch nicht. Stattdessen kommt die Handlung sehr schleppend voran und am Ende bleibt nur ein großes Fragezeichen zurück.

Fazit

Invasion überzeugt mit seiner beklemmenden Atmosphäre und einer originellen Ausgangssituation. Die verrätselte Geschichte der Indie-Produktion macht es dem Publikum jedoch zu schwer, um einen emotionalen Einschlag zu hinterlassen. Am Ende ist man verwirrt, aber leider wenig beeindruckt.
 

 

Kommentieren

Janick Nolting
18.02.2018 - 14:50
  Kultur

Invasion läuft im Rahmen der 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin

Screening-Termine:

18.02.2018 um 20.15 Uhr (Cinestar)

19.02.2018 um 14 Uhr (International)

23.02.2018 um 22.30 Uhr (Cubix)

Ein regulärer Kinostart in Deutschland ist derzeit noch nicht bekannt.